Duisburg-Rahm - Immer am Bach entlang

Am Mittwoch, den 15.6.2011 unternahm die Redaktion einen Spaziergang durch Duisburgs Stadtteil Rahm. Impressionen von diesem Spaziergang mit Günter Both (rechts) schildert Redakteur Willi Mohrs (links). Foto: Udo Milbret
Am Mittwoch, den 15.6.2011 unternahm die Redaktion einen Spaziergang durch Duisburgs Stadtteil Rahm. Impressionen von diesem Spaziergang mit Günter Both (rechts) schildert Redakteur Willi Mohrs (links). Foto: Udo Milbret
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Duisburg-Rahm. Wer Rahm verstehen will, muss in die Historie abtauchen. Und genau das macht Günter Both mir mir als erstes.

Eine Landkarte von 1721 breitet er auf dem Kofferraum seines Wagens aus, im Mittelpunkt: Rahm. Oder genauer: der Rahmer Bach. Der mäanderte schon damals eher gemächlich dem Angerbach entgegen, und an ihm reihte sich Anwesen an Anwesen. Grundsätzlich geändert hat sich daran seither nichts. „Es ist ein Bachdorf“, sagt Both, „das gibt’s sonst nirgends.“

In den 20er Jahren war die Not groß

Unsere Rahm-Erkundung beginnt mit einem Idyll: dem schattigen Plätzchen zwischen Zwiebelturm-Kirche St. Hubert, blumengezierten Pfarrhaus und – natürlich – Rahmer Bach. Wieso der Kirchturm so süddeutsch ausfiel, kann Both schnell erklären. In den 20er Jahren bauten die Rahmer ihr Kirchlein, die Not war groß, das Geld knapp. So wurde das Kirchenmobiliar gebraucht gekauft am Niederrhein – und weil das Schnäppchen barock war, wurde die Kirche einfach angepasst.

Eine Brücke führt über den Bach zum einzige Geschäft am Ort, einem Lebensmittelhändler, bei dem stetes Kommen und Gehen ist. Gegenüber ein altes Wegekreuz unter der prächtigen Dorflinde, die der Bürgerverein spendiert hat. Ums alte Bienenhäuschen kümmern sich Pfadfinder. „Wir versuchen, den dörflichen Charakter zu erhalten“, sagt Both: „Wir haben grüne Straßenränder, bucklige Hecken, Obstwiesen – und den Bach eben.“

"Frohnleichnam muss immer alles ordentlich sein"

Der ist nur stellenweise zusehen im dichten Grün, das beiderseits wächst, dazwischen große Pappeln, wie sie noch nach dem Krieg für die Holzschuhherstellung genutzt wurden, und vor allem Obstbäume. Alte Sorten werden in Rahm noch gepflegt, pflücken ist erlaubt, Naturschützer machen zur Ernte Apfelsaft.

Die nächsten Tage werden die Rahmer zur Heckenschere greifen, „Fronleichnam muss immer alles ordentlich sein“, sagt Both auf unserem Gang am Bach entlang, an sauberen, gepflegten ein-, maximal zweigeschossigen Wohnhäusern vorbei. Wenige ältere Häuser gibt’s zu sehen, an einigen macht ein Bauschild auf anstehende Erneuerung aufmerksam und wirbt für modernes Wohnen – am Bach natürlich. „Die Rahmer haben immer fröhlich umgebaut, erläutert mein Stadtteil-Experte die vorwiegend modern wirkende Bebauung. Und sie haben sich gewehrt, als vor Jahrzehnten Stadtplaner an den Bach und seine Grünzone mitten im Dorf „ordnend“ Hand anlegen wollten.

Reges Vereinsleben

Zwei Gaststätten hat Rahm noch und ein sehr reges Vereinsleben. Der Bürgerverein, der Sportverein und ein Schützenverein, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.