Duisburg

Duisburg: „Weißer Riese“ fällt – und der WDR verpennt die Sprengung

Duisburg - Der Weiße Riese wird gesprengt

An diesem Sonntag fällt in Duisburg der erste marode Wohnblock „Weißer Riese“. Die Sprengung des 22-Stockwerke-Hochhauses aus den 1970er Jahren ist für 12 Uhr geplant. Dazu müssen 2.500 Menschen die Gefahrenzone verlassen, weitere 1.000 dürfen im äuß

An diesem Sonntag fällt in Duisburg der erste marode Wohnblock „Weißer Riese“. Die Sprengung des 22-Stockwerke-Hochhauses aus den 1970er Jahren ist für 12 Uhr geplant. Dazu müssen 2.500 Menschen die Gefahrenzone verlassen, weitere 1.000 dürfen im äuß

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  • Am Sonntag um 12 Uhr wurde in Duisburg-Hochheide der erste „Weiße Riese“ gesprengt
  • Wir halten dich in unserem News-Blog auf dem Laufenden und zeigen die Sprengung live
  • Deshalb war die Sprengung so kompliziert

Duisburg. Am Sonntag fiel in Duisburg der erste marode Wohnblock „Weißer Riese“. Die Sprengung des 22-Stockwerke-Hochhauses aus den 1970er Jahren fand um 12 Uhr statt. Dazu mussten 2.500 Menschen die Gefahrenzone verlassen, weitere 1.000 durften im äußeren Bereich ihre Wohnungen nicht verlassen.

Duisburg: Sprengung des „Weißen Riesen“

Das Abbruchunternehmen setzte für die Sprengung 290 Kilogramm Sprengstoff ein, um das 45.000 Tonnen schwere Hochhaus in Duisburg-Hochheide zu Fall zu bringen. Die Sprengung lief nach Plan. Schon bald soll es weiteren „Weißen Riesen“ an den Kragen gehen.

Verfolge die Sprengung des „Weißen Riesen“ in Duisburg in unserem News-Blog:

Montag, 25. März:

11.49 Uhr: Keine zehn Sekunden dauerte am Sonntag das Spektakel, dann war der „Weiße Riese“ Geschichte. Der WDR kündigte vorab einen Livestream der Sprengung an, sogar die Stadt hatte für die Übertragung des WDR die Werbetrommel gerührt. „Kommen Sie nicht nach Hochheide, schauen Sie sich die Sprengung lieber im Fernsehen an. Dort sehen sie besser“, hieß es.

Der Westdeutsche Rundfunk hatte mehrere Übertragungswagen, Kamerateams und Moderatoren aufgefahren. Und verpasste doch das Wichtigste: die Sprengung. Denn als es losgeht, ist die Kamera nicht etwa auf das Hochhaus gerichtet, sondern auf die Sprengmeister. Da plaudert der Moderator munter weiter. Auch als die Knöpfe zur Sprengung gedrückt sind, reagiert weder Moderator, Kameramann noch Regie.

Als der Knall schon zu hören ist, schwenkt das Bild auf die einstürzenden Trümmer. Erst danach gibt es verschiedene Wiederholungen des einstürzenden Hochhauses. Bei den Zuschauern sorgt die Panne für Verärgerung: „Der Sprengmeister kann seinen Job behalten, der Regisseur vom WDR sollte sich neue Arbeit suchen...Reife Leistung“ „Schlechteste Liveübertragung ever. Ihr zeigt den Tisch mit dem Sprengmeister und verpasst das Beste. Reife Leistung.“ „Unglaublich, wie ihr das verpennt habt“, „Großes Kino in Duisburg.“

„WDR aktuell“ äußerte sich auf Facebook unter dem Video zu dem Patzer: „Weil es einige Reaktionen zur Regieführung gab, möchten wir uns dazu kurz äußern: Leider ist das im Moment der Sprengung unglücklich gelaufen. Trotz langer Planung kann gerade bei einer Live-Sendung mal etwas nicht ganz klappen wie geplant. Daher haben wir die Sprengung hier noch mal als Video zusammengefasst.“

Zum Glück waren ja genug Kameras vor Ort, die das Hochhaus im Moment der Sprengung eingefangen haben. Und nicht nur den Sprengmeister.

Sonntag, 24. März

19.00 Uhr: Der erste Riese ist gefallen. Doch wie geht es nun weiter in Hochheide? Wie die WAZ berichtet, könnte das Hochhaus in der Ottostraße 24-30 der nächste Spreng-Kandidat sein. Eine Ausschreibung laufe bereits. Doch hier ist das Taubeproblem noch viel größer. Es trägt nicht umsonst den Beinamen „Deutschlands größter Taubenschlag“.

Ebenso dran glauben soll ein weiterer Riese in der Ottostraße. In vier Jahren soll Hochheide dann nicht mehr wiederzuerkennen sein, so die WAZ. Ein möglicher Name für das neue Quartier: „Central Park Hochheide“.

16.13 Uhr: In wenigen Sekunden hat sich der „Weißer Riese“ in Schutt und Asche verwandelt. Hier siehst du die Sprengung im Zeitraffer.

15.45 Uhr: Die Absperrungen sind aufgehoben. Ein Sirenenton hat mittlerweile Entwarnung gegeben.

15.05 Uhr: Die Sprengung des „Weißen Riesen“ ist abgeschlossen. Diese verlief planmäßig. In nur wenigen Sekunden verwandelte sich das Hochhaus in rund 48.000 Tonnen Schutt.

„Es ist so gefallen, wie es fallen sollte“, sagte er zuständige Abbruchunternehmer Bernd Zaum gegenüber dem WDR. „Das ist eine Riesenlast, die von den Schultern fällt“.

Seit 2003 stand das Hochhaus leer. Die Menschen haben darin zwar nicht mehr gewohnt, dafür haben es sich eine Menge Tauben gemütlich gemacht.

Nach Angaben von Zaum haben es sich rund 300 Tonnen Taubenkot im Gebäude angesammelt. Für die Sprengung wurde das Stahlbeton-Haus entkernt.

14.33 Uhr: Die Stadt Duisburg teilt mit, dass der gesperrte Bereich frühestens um 15.30 Uhr wieder freigegeben wird.

13 Uhr: Die Stadt Duisburg hat weitere Details zur Sprengung des „Weißen Riesen“ bekanntgegeben. Sprengmeister Martin Hopfe zündete pünktlich um 12 Uhr die 290 Kilogramm Sprengstoff, die das Hochhaus einstürzen ließen.

Oberbürgermeister Sören Link und Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, zeigten sich vor Ort beeindruckt von der organisatorischen und logistischen Leistung der Einsatzkräfte. Oberbürgermeister Sören Link: „Es ist schon etwas Besonderes, live dabei sein zu können. Die Vorbereitungen waren nicht ohne, der planerische und zeitliche Aufwand enorm. Alle Beteiligten leisten hier Großartiges.“

Ab 8 Uhr erfolgte zunächst die Kontrolle der Evakuierung, die bereits gegen 10.30 Uhr abgeschlossen war.

Der „Weiße Riese“ in Zahlen:

  • ​Baujahr: 1972
  • 320 Wohnungen
  • 22 oberirdische Geschosse
  • Länge: 90 m, Breite: 17 m, Höhe: 60 m
  • Volumen: 102.500 m³
  • Brutto-Geschossfläche: ca. 35.200 m²

12 Uhr: Die Sprengung begann pünktlich, nur Sekunden später fiel der „Weiße Riese“

11.45 Uhr: Die Sprengung kannst du live im WDR Fernsehen verfolgen.

Die Stadt Duisburg teilt mit, dass von der Sprengung keine akute Gefahr ausgehe. Die notwendigen Bereiche sehen evakuiert worden. Nach der Sprengung sind noch Nacharbeiten vorgesehen, die mehrere Stunden andauern können.

In Duisburg-Homberg und Umgebung kann es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kommen.

Samstag, 23. März

15.18 Uhr: Schaulustige schauen am Sonntag in Duisburg in die Röhre. Denn es wird weiträumige Absperrungen geben.

Deshalb haben die Verantwortlichen eine Warnung herausgegeben: „Wir empfehlen jedem, der die Sprengung sehen möchte, diese im WDR-Fernsehen LIVE zu erleben und NICHT nach Duisburg zu kommen!“

Die Stadt Duisburg werde kein Public Viewing anbieten und auch keine Versammlungen ermöglichen. Das Gebiet rund um den Weißen Riesen werde weiträumig abgeriegelt.

Viele Duisburger stimmt das traurig. Zu gut erinnern sie sich an die Sprengung der „Mr. Softy-Milchtüte“ 1994, die im Rahmen eines richtigen Volksfestes stattfand.

Freitag, 22. März

Warnung für Betrügern

16.00 Uhr: Die Polizei warnt vor Betrügern, die sich im Rahmen der Evakuierung als Polizisten ausgeben und stellt klar: Echte Polizisten würden niemals Kontodaten oder persönliche PIN-Nummern erfragen.

Auch auf der Facebookseite zur Sprengung des „Weißen Riesen“ heißt es: „Niemand wird Sie wegen der Sprengung am 24.3.2019 auffordern, Ihre Wertsachen, Bankkarten, PIN-Nummern oder sonstiges Eigentum ,auszuhändigen‘ oder zur ,Verwahrung‘ zu übergeben!! Die Polizei wird Sie NIEMALS anrufen, Kontodaten oder ähnliches von Ihnen abfragen!“

Vor allem bei älteren Menschen haben es die Betrüger auf Wertsachen abgesehen, so die Befürchtung.

Donnerstag, 21. März

So läuft die Sprengung ab

22.00 Uhr: Der Weiße Riese an der Friedrich-Ebert-Straße besteht aus vier einzelnen Gebäudeteilen, die miteinander verbunden sind. Die einzelnen Teile werden zeitversetzt,kurz hintereinander gesprengt. Auf diese Weise wird zum Beispiel die Aufprallerschütterung reduziert. Damit die Gebäude weich fallen, wurden in den letzten Tagen Erdhaufen aufgehoben.

Darum ist die Sprengung kompliziert

11.15 Uhr: Martin Hopfe vom Abbruchsunternehmen Thüringer Spreng sagte, dass die Sprengung keine leichte Aufgabe sei: „Bei der nahen Bebauung der Nachbargebäude und einem so großen Hochhaus ist der Abbruch kompliziert.“

Das Ziel sei eine „schadensfreie“ Sprengung des „Weißen Riesen“. Das heißt: Wenn 45.000 Tonnen Schutt auf den Boden stürzen, dürfen die nahestehenden Häuser keine Schäden davontragen.

Doch warum wird das Gebäude überhaupt gesprengt? Die Größe des Gebäudes liegt über der Grenze von mehr als 60 Metern Höhe, sodass ein konventionelles Abbrechen nicht sicher möglich wäre, so die Stadt Duisburg. Das Risiko werde so auf diese Weise minimiert. Auch um die Emissionen (Staub, Bauschutt etc.) geringer zu halten, eigne sich eine Sprengung besser. Und außerdem geht eine Sprengung schlicht schneller. Ein herkömmlicher Abbruch würde noch viele weitere Monate mehr beanspruchen.

Das müssen Bewohner wissen

10.00 Uhr: Die bevorstehende Sprengung betrifft 3.500 Menschen im Duisburger Stadtteil. 2.500 von ihnen leben in der Sperrzone, die die Feuerwehr dann evakuieren wird. Bis acht Uhr müssen alle das Gebiet verlassen haben.

Die übrigen 1.000 Anwohner in der Sicherheitszone dürfen ab zehn Uhr ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Für Besucher gilt, dass sie sich schon ab acht Uhr nicht mehr auf den Straßen befinden dürfen.

Für die Menschen, die in der Evakuierungs- bzw. Sicherheitszone wohnen, hat die Stadt Duisburg einige Vorsichtsmaßnahmen veröffentlicht.

Um etwaige Haftungsansprüche geltend machen zu können, sind Anwohner verpflichtet, vorbeugende Maßnahmen zu treffen, teilte die Stadt mit. Dazu gehören:

  • Fenster und Dachfenster sowie Rollläden und Fensterläden zu schließen
  • Alle Türen zu schließen
  • Fahrzeuge in Garagen unterzustellen
  • Das absolute Halteverbot im gesamten Sicherheitsbereich zu beachten
  • Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten
  • Außengehege und Teiche zu schützen
  • Mobile Gegenstände (z. B. Wäsche) aus dem Außenbereich in Räumen zu lagern
  • Anweisungen der Ordnungskräfte (Polizei, Feuerwehr, THW, Mitarbeiter des Bürger- und Ordnungsamts und der Abbruchfirma P&Z) Folge zu leisten.

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Der Weiße Riese in Zahlen:

Baujahr: 1972

22 oberirdische Geschosse

Länge: 90 m, Breite: 17 m, Höhe: 60 m

Brutto-Geschossfläche: ca. 35.200 m²

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Die Geschichte hinter den „Weißen Riesen“

8.15 Uhr: Die „Weißen Riesen“ wurden Mitte der 1970er Jahre gebaut. Das erste Gebäude hat 320 Wohnungen. Insgesamt wurden 1.440 Wohnungen errichtet. Hochhäuser lagen damals im Trend und wurden gerne bezogen. Mitte der 80er Jahre verloren die Häuser an Beliebtheit, die Nachfrage sank, Leerstände stiegen. Zudem sanken im gesamten Stadtgebiet aber auch in Hochheide die Einwohnerzahlen.

Die „Weißen Riesen“ stehen auf Teilflächen, wo einst auch die Rheinpreußensiedlung stand, die als Bergarbeitersiedlung ab 1903 erbaut wurde.
In den frühen 1970er Jahren wurden sechs Hochhäuser mit jeweils 20 Geschossen und insgesamt 1.440 Wohnungen errichtet. (ms/ses/dpa)

 
 

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