Duisburg

Mord im Duisburger Café Vivo: Constantin S. tötete aus Mordlust – Gericht: „Es hätte jeden treffen können“

Constantin S. (30) tötete Birkül D. kaltblütig.
Constantin S. (30) tötete Birkül D. kaltblütig.
Foto: Marcel Storch/DER WESTEN

Duisburg. Es hätte jeden treffen können.

Denn Constantin S. (30) wollte töten, war sich das Gericht im Prozess um die tödlichen Schüsse im Café Vivo sicher. „Das Opfer war austauschbar“, sagte der Richter am Landgericht Duisburg. „Er hat sich scheinbar zufällig für Birgül D. entschieden.“

Nun wurde Constantin S. verurteilt: lebenslange Freiheitsstrafe.

Duisburg: Urteil im Mord im Café Vivo gefallen

Birgül D. (46) war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und musste deshalb sterben. Eine andere Erklärung hatte Staatsanwaltschaft und Gericht nicht.

Schon am Vortag des 3. Mai 2017 soll Constantin S. sein Opfer ausgekundschaftet haben. Er habe sich eine Szenerie für mögliche schwere Straftaten ausgedacht, mögliche Opfer mehrfach bereits verfolgt.

Bei Birgül D. aus Duisburg setzte er sein Vorhaben in die Tat um.

Um kurz vor 9 Uhr, Birgül D. bereitete gerade die Sachen in ihrem Café vor, da klopfe es an der Scheibe. Unter einem Vorwand, dass er auf die Toilette müsse, begab sich Constantin S. ins Café Vivo im Duisburger Innenhafen. Auf dem Klo bereitete er seine Waffe vor, setzte den Schalldämpfer auf und trat dann auf das Opfer zu. So sah es das Gericht als erwiesen an.

Zunächst überlud er seine Waffe, wohl aus Aufregung, mutmaßt der Staatsanwalt. Eine Patrone fiel heraus. Dann drückte er zweimal ab. Der erste Schuss ging in den Hals.

Birgül kauerte auf dem Boden, hielt sich ihre Hände schützend über den Kopf. Dann drückte er nochmal ab. Das Projektil durchschlug die schützenden Hände und ging von dort in den Kopf. Dieser Schuss war tödlich für die Frau mit den türkischen Wurzeln.

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Staatsanwalt über Motiv: "Er wollte einen Mord begehen"

Lange war gerätselt worden über das Motiv. Weder ein persönliches noch ein zunächst gemutmaßtes politisches Motiv konnte das Gericht im Laufe des Prozesses erkennen. „Er wollte einen Mord begehen und hat sich bewusst entschieden einen Menschen zu töten“, so der Richter.

Aufklärung über seine Hintergründe für die schreckliche Tat brachte der 30-jährige Angeklagte im Prozess nicht. Auch Reue zeigte er nicht. Er machte in seinem Abschlussplädoyer die Behörden verantwortlich. Dass jemand wie er überhaupt an eine Waffe komme, sei Schuld des Systems. Er sei geschwächt vom Alkoholrausch des Vorabends in der Toilette zusammengebrochen, beschreibt er den Tathergang. Als die Café-Inhaberin ihn dort fand und ihn rauswerfen wollte, hätten sich im Streit die Schüsse gelöst.

Besucherin: "Er soll in der Hölle schmoren"

Tränen, Wut und Unverständnis bei den Angehörigen der beliebten Café-Inhaberin. „Er soll in der Hölle schmoren“, sagt eine Anwesende nach den wirren Ausführungen des Killers.

Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft und sah einen Mord aus Heimtücke und Mordlust gegeben. Constantin S. wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Mord habe „Züge einer Hinrichtung“ gehabt und er wie ein "Profi-Killer" gehandelt. Eine anschließende Sicherungsverwahrung, wie sie die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, lehnte das Gericht ab.

+++ Tödliche Schüsse im Café Vivo: Tat im Duisburger Innenhafen glich einer Hinrichtung – Angeklagter überrascht mit dieser Aussage +++

DNA-Treffer überführt den Killer

Der Mord im Café Vivo hatte im Mai 2017 für Aufsehen gesorgt. Neun Monate hatte es gedauert, bis die Ermittler durch einen zufälligen DNA-Treffer dem Killer aus dem Duisburger Innenhafen auf die Schliche gekommen waren. Der in Venezuela geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Constantin S. war in Berlin untergetaucht, soll dort ohne festen Wohnsitz mithilfe der Plattform „Couchsurfing“ auf fremden Couches gelebt haben.

Erst nach einem Angriff auf eine Seniorin (65) mit einer Metallstange und einem Raubüberfall auf einen Supermarkt in Berlin wurde er geschnappt. Die DNA-Schuppen vom Duisburger Tatort passten zur Speichelprobe des empathielosen Killers.

 
 

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