Duisburg

Duisburg-Marxloh: Anwohnerin rechnet ein Jahr nach Besuch von Bundespräsident Steinmeier ab – „Geändert hat sich nichts!“

Sylvia Brennemann sagt über den Besuch von Frank-Walter Steinmeier: „Geändert hat sich nichts!“
Sylvia Brennemann sagt über den Besuch von Frank-Walter Steinmeier: „Geändert hat sich nichts!“
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services; Montage: DER WESTEN

Duisburg. Es regnete in Strömen an jenem März-Tag vor einem Jahr. Das Wetter passte irgendwie zu all den Klischees über den Stadtteil, den Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem Tag besuchte.

Steinmeier war seinerzeit zu Besuch in Duisburg-Marxloh, schaute sich unter anderem eine Grundschule und ein sogenanntes Problemhaus an. Auch Sylvia Brennemann (47) war damals vor Ort, als Zaungast schüttelte die Kinderkrankenschwester dem Bundespräsidenten sogar kurz die Hand.

Duisburg-Marxloh: Abrechnung nach Besuch von Bundespräsident Steinmeier

Zugegeben: Dass ein Besuch eines Bundespolitikers tiefergreifende Probleme eines Viertels ändern würden, das hatten in Duisburg-Marxloh ohnehin die meisten für illusorisch gehalten. Schließlich war drei Jahre zuvor auch schon Kanzlerin Angela Merkel dort gewesen.

Dennoch wollten wir von Sylvia Brennemann wissen: Was hat sich seither in Duisburg-Marxloh aus ihrer Sicht getan? „Nichts“, bringt es Brennemann kurz und knapp auf den Punkt. Das Dilemma sei nach wie vor das gleiche. Der Stadtteil habe ein Armutsproblem.

„Solche Besuche werden gemacht, wenn es politisch sinnvoll ist. Doch geändert hat sich dadurch nichts“, sagt die Dreifachmutter aus Duisburg-Marxloh.

Kinderkrankenschwester klagt: Probleme nur verlagert

„Ich merke, dass die Regierenden kaum politisches Interesse haben, die Menschen hier wirklich zu integrieren. Die Räumung der Problemhäuser zum Beispiel ist ja nur eine Verschiebung des Problems in andere Stadtteile oder Straßen“, so Brennemann.

Nicht nur mit Blick auf die vielen Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, auch auf die Politik gegenüber Libanesen spricht sie von einer politischen Hetzkampagne: „Die Politik bietet keine Alternative. Niemand spricht den Kern der Sache an, nämlich dass die Menschen aus dem Libanon sich in Kettenduldung befinden und null Perspektive haben.“

------------------------------------

• Mehr Themen aus Duisburg:

Es wirkte ein bisschen wie im Zoo - so lief der Steinmeier-Besuch und das denken die Marxloher

Rätselhafte Vermisstenfälle in NRW - von diesen Kindern fehlt seit Jahren jede Spur

• Top-News des Tages:

Essen: Serdar Somuncu bricht Auftritt mit Niels Ruf mittendrin ab – das ist seine Begründung

Waffenverbot im Hauptbahnhof Essen: Auch Alltagsgegenstände nicht erlaubt – auf diese Reisende hat die Polizei es abgesehen

-------------------------------------

Marxloherin: „Hier muss man keine Angst haben“

. Hier gründeten 2014 Ärzte und Pflegekräfte eine Praxis für Menschen ohne Krankenversicherung.

+++ „Duisburg besteht definitiv nicht nur aus Problemimmobilien“ - So reagiert OB Sören Link auf Steinmeiers Besuch in Marxloh +++

Sie ist hier aufgewachsen und fühlt sich nach vor sicher: „Hier muss man keine Angst haben. An gar keiner Ecke.“ Doch sie beobachtet auch, dass viele Alteingesessene das mittlerweile anders sehen.

„Das ist Marxloh, wenn kein Politiker rum rennt“

Im vergangenen August hatte DER WESTEN mit Thorge Fischer gesprochen. Auch er ist in Marxloh groß geworden. Und auch er äußerte eine deutliche Meinung zum Besuch des Bundespräsidenten. „Das ist Marxloh, wenn kein Politiker rum rennt...Schade, dass man den Pipi-Geruch nicht auf den Bildern riechen kann...“, postete er damals auf Facebook, versehen mit Bildern von einigen wilden Müllkippen. (Hier die ganze Geschichte)

Mittlerweile ist er weggezogen aus Marxloh. Er sagt: „Ich würde sogar sagen: Es hat sich sogar verschlechtert.“

Über den Besuch von Steinmeier sagt er: „Damals waren alle Straßen abgesperrt. Die Straßen, die Herr Steinmeier entlang gegangen ist, waren wie leergefegt.“

+++ Anwohner in Duisburg-Marxloh fühlen sich vernachlässigt – doch ein Duisburger überrascht mit seiner Aussage +++

Das sieht ein Jahr danach anders aus. Diesmal zeichnet sich das normale Tagesbild, unaufgeräumt, aber auch mit pulsierendem Leben auf den Straßen Marxlohs. Einzig das Wetter, das ist genauso wie vor einem Jahr. (ms)

 
 

EURE FAVORITEN