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Anwohner in Duisburg-Marxloh fühlen sich vernachlässigt – doch ein Duisburger überrascht mit seiner Aussage

Duisburg-Marxloh Weseler Straße
Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg. 

Die Marxloher sind sich einig: Ein sozialer Brennpunkt ist ihr Viertel nicht, dafür aber vernachlässigt. Sauberere Straßen und Investitionen würden aus ihrer Sicht gegen das schlechte Image des Stadtteils im Duisburger Norden helfen.

Duisburg-Marxloh: „Die Kaiser-Wilhelm-Straße war früher eine angesehene Gegend“

„Die Kaiser-Wilhelm-Straße war früher eine angesehene Gegend. Als Türke hätte man dort keine Wohnung mieten oder kaufen können“, sagt Erkan Adan, der eine Schneiderei an der Weseler Straße in Duisburg-Marxloh betreibt.

Heute jedoch habe diese Gegend ihren alten Glanz verloren. „Wenn du da heute reingehst, siehst du die einst sauberste Straße im Viertel vermüllt. Da geht keiner mehr gerne durch“, schildert der Schneider. Die einst so hohe Nachfrage nach einer Wohnung in der Kaiser-Wilhelm-Straße existiere nicht mehr.

Die ehemals angesagte Einkaufsmeile führt durch ein Stadtteil, der an einem Image-Problem leidet. Marxloh sei ein sozialer Brennpunkt, eine No-Go-Area geworden. Erkan Adan sieht das jedoch anders: „Hier gibt es zwar Probleme, aber gefährlich ist diese Gegend nicht.“

Das ernsthafte Problem in Duisburg-Marxloh sei ihm zufolge die Vermüllung: „Wenn die Menschen die vermüllten Straßen sehen, fühlen sie sich in ihren Vorurteilen über dieses Viertel bestätigt. Das schreckt sie dann ab.“

Dieses Problem in den Griff zu bekommen, würde bereits gegen das schlechte Bild von Marxloh helfen, meint Erkan Aran: „Würde Duisburg etwas dagegen tun, könnte diese Gegend ein besseres Image bekommen und damit käme auch mehr Kundschaft hierher. Aber hier sind wir auf uns alleine gestellt.“

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Beschwerden nicht entgegengenommen

Auch eine Betreiberin (50) klagt über das Müllproblem in Marxloh. Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg kämen gar nicht mehr hinterher, sodass die Straßen dreckig bleiben würden.

Das hauptsächliche Problem sei aus ihrer Sicht jedoch ein anderes: „Meine Beschwerden werden bei der Stadtverwaltung nicht entgegengenommen. Entweder werde ich ständig nach zehn Minuten automatisch aus der Warteschleife geworfen oder eine Stadtangestellte geht nicht ans Telefon, wenn ich eine direkte Durchwahl wähle.“

Ob es eine Lösung gebe, um das schlechte Image von Marxloh aufzupolieren, zweifelt die 50-Jährige. Sie glaubt, dass der Eindruck lediglich entzerrt werden könnte: „Die Probleme, die hier vorherrschen, sind in jedem Stadtteil von Duisburg zu finden und existieren nicht nur im Norden.“ Als Beispiele für die Probleme, die in Marxloh existieren würden, nennt ihre Mitarbeiterin (32) unter anderem den Drogenhandel in der Wilhelmstraße oder Belästigung.

Anwohner mit Clans in Verbindung gebracht

Ein Mitarbeiter (23) eines Handyladens sieht die Klischees über den Duisburger Stadtteil, eine Problemzone zu sein, ebenfalls als nicht gerechtfertigt. „Probleme hast du überall in Duisburg, nicht nur in Marxloh. Selbst in einem noblen Viertel kann dir schlimmes widerfahren“, erklärt der 23-Jährige.

Warum der Teil des Duisburger Nordens als sozialer Brennpunkt wahrgenommen wird? „Die hier lebenden Araber werden schnell mit Clans in Verbindung gesetzt“, antwortet der Mitarbeiter.

„Ich will hier gar nicht mehr weg“

Beraattin Günay betreibt seit 20 Jahren eine Werkstatt in Duisburg-Marxloh. Anfangs sei der Prüfingenieur zwar skeptisch gewesen, ob er eine weitere Filiale in dem Hamborner Bezirk öffnen sollte. Doch seit die Toren morgens hochrollen, bereut er diese Entscheidung nicht: „Ich fühle mich wohl hier. Ich will hier gar nicht mehr weg.“

Über den Stadtteil selbst könne er nichts Negatives sagen. Das einzige Problem, das für ihn dort existiere: „Marxloh kommt herunter, weil hier nicht investiert wird.“