Duisburg

Duisburg: Mutmaßlicher 'Ndrangheta-Kopf aus NRW angeklagt! Die Spur führt zum Mafia-Massaker von 2007

Die Paten von Rhein und Ruhr - die Mafia in NRW: So operiert die Ndrangheta

Die Paten von Rhein und Ruhr - die Mafia in NRW: So operiert die Ndrangheta

Die Ndrangheta ist die mächtigste Mafia der Welt. Auch in NRW operiert sie.

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Duisburg. 13 Jahre ist es her, da erschütterten die Mafia-Morde von Duisburg ganz Deutschland!

In der Nacht zum 15. August 2007 wurden sechs Männer vor der Pizzeria „Da Bruno“ mit Kopfschüssen förmlich hingerichtet. Mehr als 50 Schüsse aus ihren automatische Pistolen des Typs Beretta 93R trafen die sechs Männer – fünf waren sofort tot, einer starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Sie hatten zuvor eine Aufnahme eines neuen Mitglieds in die 'Ndrangheta gefeiert.

Duisburg: Spur führt vom „Pollino“-Verfahren zu Mafia-Morden von 2007

Im Herbst 2020 steht Duisburg wieder im Zusammenhang mit der Mafia in den Schlagzeilen. Am Landgericht Duisburg startete der Prozess gegen 14 Angeklagte wegen Drogenhandel, darunter fünf mutmaßliche Mitglieder der mächtigsten Mafia-Organisation 'Ndrangheta. Aus Sicherheitsgründen findet der Prozess im sogenannten „Terrorbunker“ in Düsseldorf statt.

Zwischen dem aktuellen Prozess und dem Massaker von 2007 gibt es laut den Ermittlern deutliche Verbindungen – jedoch anders als vielleicht zu erwarten gewesen wäre.

'Ndrangheta-Kopf aus NRW wegen Drogenhandel angeklagt

Dem 35-jährigen mutmaßlichen Kopf der angeklagten NRW-Gruppierung wird vorgeworfen, nach der Verhaftung seines Onkels 2016 die Drogengeschäfte in Nordrhein-Westfalen übernommen zu haben.

Schon zuvor soll er Kontakte zu Mafiosi in Nordrhein-Westfalen geknüpft haben. Nachdem er die Geschäfte übernahm, gründete er laut Anklage Scheinfirmen, um Kokain aus Südamerika nach Deutschland zu schmuggeln und hinterging mit fingierten Einbrüchen in Restaurants Versicherungen.

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Mehr zur Mafia in NRW in unserer Serie „Die Paten von Rhein und Ruhr“:

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Brisant: Seine DNA stimmte mit einer im Zuge der Mafia-Morde in Duisburg 2007 gefundenen überein. Die Ermittler sind überzeugt, dass er sich schon als junger Mann im Dunstkreis der 'Ndrangheta aufhielt, 2007 im Duisburger Restaurant der Massaker-Opfer tätig war.

Zugleich unterhielt er laut Anklage auch enge Verbindungen zum damaligen Haupttäter Giovanni Strangio und soll später mit den Täter-Familien von einst zusammengearbeitet haben.

Ermittler beobachten Zusammenarbeit einst verfeindeter Clans

Für die Ermittler ist vor allem letzteres interessant und ein klares Zeichen für einen „Burgfrieden“ unter den kalabrischen Familien. Längst lasse sich laut Anklageschrift eine Zusammenarbeit ursprünglich verfeindeter Clans beobachten – solange diese den (finanziellen) gemeinsamen Interessen dienen. Im Pollino-Verfahren sollen sich die 'Ndrangheta-Clans „PelleVottari“ und „Giorgi“ (alias „Ciceri“) mit dem „Cua-Ietto“-Clan zusammengetan haben, um im großen Stil mit Drogen zu handeln.

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Die Hintergründe der Mafia-Morde von Duisburg:

  • Die Mafia-Morde gelten als der Höhepunkt einer Fehde zwischen den Familien Strangio-Nirta und Pelle-Vottari-Romeo.
  • Auslöser soll ein Karnevalsscherz 1991 in San Luca/Kalabrien gewesen sein. Es kam zum heftigen Streit und einer Schlägerei, Tage danach wurden zwei junge Männer ermordet aufgefunden.
  • Am 25. Dezember 2006 wird Maria Strangio (33), die Ehefrau des Clanchefs Giovanni Strangio, ermordet. Der Hinterhalt diente eigentlich dem Clanchef selbst.
  • Die dabei verwendeten Waffen kamen aus Duisburg.
  • Die Rache mit den Mafia-Morden von Duisburg sei daher ein „symbolischer Akt“ gewesen, so Mafia-Experte Francesco Forgione.

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Experte spricht von Kolonialisierungsstrategie

Das Pollino-Verfahren zeigt einmal mehr die Präsenz der 'Ndrangheta in Deutschland auf. „Die 'Ndrangheta reproduziert ihre Verbrechen auch in Deutschland“, sagte Francesco Forgione, Buch-Autor und einst Leiter der parlamentarischen Anti-Mafiakommission, kürzlich.

„Wir sollten von Kolonialisierung sprechen, wenn wir von der 'Ndrangheta sprechen“, machte er deutlich und brachte die Bedeutung der Mafia-Morde von Duisburg noch einmal auf den Punkt: „Das Massaker von Duisburg war ein Wendepunkt in der Öffentlichkeit. Man entdeckte eine Mafia, die man vorher nicht kannte.“

+++ NRW: Mafia-Prozess mit nächstem Corona-Aufreger – Verteidiger spricht plötzlich von „Superspreader-Event“ +++

Die „strage di Duisburg“ dürfte auch im laufenden Prozess noch eine Rolle spielen. Doch in diesem Jahr wird sich nichts mehr tun. Der Mammut-Prozess ist zum wiederholten Male wegen eines Coronafalles ausgesetzt – diesmal hat sich ein Angeklagter infiziert.

Mehr zum Massaker von Duisburg, dem Pollino-Verfahren und der Mafia in Nordrhein-Westfalen gibt es auch bei einer Online-Diskussion von „MafiaNeinDanke“ am Donnerstag, 18 Uhr, mit DER WESTEN-Redakteur Marcel Storch und Oliver Huth (stell. Landesvorsitzender des BDK-NRW).