Duisburg ist seit der Loveparade eine gespaltene Stadt

Thomas Richter
Rund 79.000 Unterschriften zur Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland haben die Mitglieder der Initiative - Neuanfang für Duisburg gesammelt.
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Rund 79.000 Unterschriften zur Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland haben die Mitglieder der Initiative - Neuanfang für Duisburg gesammelt. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Seit der Loveparade-Katastrophe sind die Fronten in Duisburg verhärtet. Das Abwahlverfahren ist aber kein Lagerwahlkampf bei dem das Parteibuch eine Rolle spielt. Hier geht es um die sachliche Einordnung, ob ein Oberbürgermeister noch in der Lage ist, sein Amt auszuüben.

Duisburg. Nun zählen sie also fleißig, die Menschen im Wahlamt. Sie zählen, wie viele der knapp 80.000 Menschen, die sich mit ihrer Unterschrift für die Einleitung eines Abwahlverfahrens gegen OB Sauerland ausgesprochen haben, teilnahmeberechtigt sind. Die Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ ist sich sicher, dass trotz fehlender Hausnummern bei einigen Adressangaben sowie Unterzeichnern aus Nachbarstädten, die alle von den Listen gestrichen werden, am Ende die erforderliche Anzahl von 55.000 Unterschriften bleibt.

In dieser Stadt waren die Fronten aber schon vorher verhärtet. Hier die Kritiker Sauerlands, die die Stadt seit der Loveparade-Katastrophe als „führungslos und im Lähmungszustanddämmernd“ beschreiben. Dort seine Befürworter, die eine Kampagne gegen das Stadtoberhaupt wittern und hinter der Initiative parteipolitisches Interesse vermuten. Diese Gruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Ein Keil spaltet Bevölkerung und Stadt. Jede Sachdiskussion wird durch diesen Grundkonflikt überlagert. Sollte das bis zum regulären Ende von Sauerlands Amtszeit in 2015 so bleiben, stünden der Stadt weitere vier Jahre dieses Zustands bevor. Eine Katastrophe!

Ist ein OB noch in der Lage, sein Amt auszuüben

Menschen und Medien, die von außen auf Duisburg blicken, haben sich in ihrer Einschätzung mehrheitlich auf die Seite der Sauerland-Gegner gestellt. Die „Süddeutsche Zeitung“ nannte ihn „OB Schäbig“ und warf ihm fehlende Demut vor den Opfern und den Vorwürfen seiner Kritiker vor. Die Nordwest-Zeitung in Oldenburg kommentierte, „es sei höchste Zeit für den OB zu gehen“. Und die „Frankfurter Allgemeine“ hielt ihm vor, dass Sauerland, „statt seiner Stadt als Tröster zu dienen“, er sich „mit ungeschickten Worten aus der Affäre zu ziehen“ versuchte.

Sollte es zum Abwahlverfahren kommen, sei nochmals klargestellt: Hier geht es nicht um SPD oder CDU. Es ist kein Lagerwahlkampf. Hier geht es um die sachliche Einordnung, ob ein Oberbürgermeister – egal, welches Parteibuch er hat – noch in der Lage ist, sein Amt auszuüben. Natürlich wird von mancher Seite versucht, die parteipolitische Karte als vermeintlichen Trumpf ins Spiel zu bringen. Dieser leicht zu durchschauende Emotionalisierungsversuch wird scheitern. Die Bürger werden eine Entscheidung nach Herz und Verstand fällen. Und diese werden dann alle zu akzeptieren haben. Auch der OB.