Duisburg: Helle Empörung über Votum des Integrationsrats

Diese Mitglieder des Integrationsrates stehen jetzt massiv in der Kritik.  Nach Worten von Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) „offenbaren sie ein mehr als fragwürdiges Demokratieverständnis."
Diese Mitglieder des Integrationsrates stehen jetzt massiv in der Kritik. Nach Worten von Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) „offenbaren sie ein mehr als fragwürdiges Demokratieverständnis."
Foto: Grün
Gremium bezeichnete Bundestagsabgeordnete als „Terroristen“ und „Verräter“. Der allgemeine Zorn und das Entsetzen über das sich hier offenbarende Selbstverständnis von türkischen Migrantenvertretern ist groß.

Duisburg.. Helle Empörung, großes Unverständnis, ein gehöriger Zorn: Einen Tag nach der Berichterstattung über den umstrittenen Beschluss des Integrationsrates der Stadt Duisburg, in dem die türkischstämmigen Mitglieder des deutschen Bundestages als „Verräter und PKK-Terroristen“ bezeichnet wurden, baut sich in Duisburg vor allem in den sozialen Netzwerken wie Facebook, aber auch auf der Website der NRZ (www.nrz.de/duisburg) eine massive Welle der Empörung auf.

In Hunderten von Reaktionen wurde das Vorgehen des Integrationsrates (in durchaus gesitteter Form) gerügt und die schnelle Reaktion des Duisburger Oberbürgermeisters, den Beschluss des Integrationsrates sofort zu beanstanden, begrüßt.

Zahllose Kommentatoren auf dem Online-Auftritt der NRZ zeigten sich „sprachlos“ und „schockiert“ über das sich hier offenbarende Selbstverständnis von türkischen Migrantenvertretern in Duisburg.

„Fragwürdiges Demokratieverständnis“

Auch OB Sören Link greift auf seinem persönlichen Facebook-Auftritt auch noch einmal persönlich in die lebhafte Debatte, die auch auf seinem Account geführt wird, ein. Er sagt: „Sowohl das fast schon subversive Einbringen dieser unzulässigen Resolution als auch die dazugehörige Debatte und eine Abstimmung gegen die klare rechtliche Position der Verwaltung offenbaren ein mehr als fragwürdiges Demokratieverständnis einiger Mitglieder des Integrationsrates und lassen mich zweifeln, ob sie den wirklichen Sinn dieses kommunalen (sprich für das gedeihliche Zusammenleben der Menschen in Duisburg zuständigen) Gremiums tatsächlich verstanden und verinnerlicht haben. Ich bin entsetzt.“

Auch der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Moers und langjährige Vorstandsvorsitzende eines der größten christlichen Hilfswerke in Deutschland, die „Kindernothilfe“, Pfarrer Jürgen Thiesbonenkamp hat sich mit einem Leserbrief an die NRZ-Redaktion in dieser Debatte zu Wort gemeldet. Zitat: „Die Sprache dieser Erklärung zeigt ihre geistige und politische Herkunft. Sie übernimmt im Kern die Wortwahl des türkischen Staatspräsidenten. Seine Rhetorik aber ruft die Ressentiments hervor, die Hass und Ausgrenzung schüren.“ Der Integrationsrat habe mit diesem Beschluss sein Mandat verfehlt. Es wäre gut, wenn ihm die widersprächen, deren Interessen er vorgibt zu vertreten.

Linke spricht von rassistischen Angriffen

Zudem macht Kenan Ilhan, stellvertretender Vorsitztender des Integrationsrates und energischer Kritiker des Beschlusses in einer Pressemitteilung der Linksfraktion deutlich: „Nicht nur die Resolution des Integrationsrates ist skandalös. Darüber hinaus kam es auch zu rassistischen Angriffen auf unser Integrationsratsmitglied Birane Gueye. Er wurde seitens Bekir Sipahi (DSP) aufgrund seiner afrikanischen, senegalesischen Herkunft rassistisch diffamiert.“

Zur Erinnerung: Nicht alle Mitglieder des Integrationsrates hatten am vergangenen Dienstag diesem Beschluss, der von DAL-Mann Rainer Grün eingebracht wurde, ihre Stimme gegeben. Sämtliche Ratsherren aus SPD, CDU (Ausnahme Gürsel Dogan), Linken, Grünen haben aus Protest an der Abstimmung nicht teilgenommen. Somit haben am Ende nur die Migrantenvertreter, die über türkische Migranten-Organisationen, aber auch zum Teil über CDU- oder SPD-Listen in dem beratenden Gremium sitzen, abgestimmt.

FSV: Die Vielfalt unserer Vereinsmitglieder ist unsere Stärke

Und der Hamborner Fußball Sportverein Duisburg 1989 e.V., von dem in dieser Woche ebenfalls Kritik an dem Duisburger Bundestagsabgeordneten Mahmut Özedmir (SPD) zu hören war, meldete sich gestern sicherheitshalber noch einmal mit einer Klarstellung zu Wort: Der Fußballverein sei „parteipolitisch und weltanschaulich neutral“. Individuelle Einzelmeinungen aus dem Verein dürften aber nicht mit der offiziellen Vereinshaltung in Zusammenhang gebracht werden, dessen Vielfalt der Herkunft seiner Mitglieder gerade seine besondere Stärke sei.

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