Duisburg-Hamborn war mal ein Paradies für Kino-Fans

Großes Gedränge vor dem „Capitol“ in Obermarxloh in den Nachkriegsjahren. Foto: Hamborner Verlag/Repro: Klinkhardt
Großes Gedränge vor dem „Capitol“ in Obermarxloh in den Nachkriegsjahren. Foto: Hamborner Verlag/Repro: Klinkhardt

Duisburg.. Vorm Siegeszug des Fernsehens zog es die Leute in die Kinos. Hgaeimatforscher Hans-Joachim Meyer denkt gerne an die Zeit zurück, als es noch etliche Lichtspielhäuser

Noch in den 1960er Jahren gab es in Hamborn elf Kinos, heute kein einziges mehr. Mit den großen und kleinen Filmhäusern kam die große weite Welt in die Stadt. Ein Kinobesuch war zwischen 1920 und 1970 Vergnügen pur, ein Ausflug in die große weite Welt. Großes Theater war da­mals angesagt. Hans-Joachim Mey­er, Herausgeber meh­rerer Bildbände über die Geschichte Hamborns, schwärmt bis heute vom üppigen Leinwandangebot jener Zeit.

Denn als es das Fernsehen noch nicht gab bzw. es noch in den Kinderschuhen steckte, da zog es die Menschen in den schönsten Stunden ihrer Freizeit in die Lichtspielhäuser, wo Streifen mit Heinz Rühmann, Zarah Leander oder Hans Albers Idole ganzer Ge­nerationen hervorbrachten.

„Das älteste Kino Hamborns ist um 1910 in einer Gaststätte am Altmarkt eingerichtet worden“, berichtet Heimatforscher Meyer. Die damaligen Stummfilme, meist nur 15 Mi­nuten lang, seien ja noch von Hand gekurbelt worden. Die Entwicklung muss dann ra­sant verlaufen sein, obwohl der Tonfilm erst Anfang der der 1930er Jahre aufkam. „Bis dahin“, so Meyer, „wurden die Stummfilme in den Kinos auf dem Klavier begleitet.“

Kein einziges blieb

Allein in Hamborn und seinen Ortsteilen hat Hans-Joachim Meyer für die Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939) neun Kinos ausgemacht. Heute gibt es hier kein einziges mehr. Eindeutige Hochburg dabei war Marxloh. Dort scheuten sie sich alle nicht, sich „Theater“ zu nennen, ob­wohl sie doch nur Filme zeigten: „Modernes Theater“ an der Weseler Straße mit 523 Plätzen und täglichen Vor­führungen. Es war schon 1915 entstanden und existierte bis Ende der 60er Jahre. Zur Zeit wird das Lokal zu einem weiteren Brautmodengeschäft umgebaut.

An der Weseler Straße gab es aber seit 1920 auch noch das „Provinzial-Theater“, das nach dem Krieg bis in die 60er Jahre als „Provi“ weiter firmierte. Es bot 878 Plätze und ebenfalls tägliche Vorführungen. Und dann gab es noch zwei große Lichtspielhäuser an der Kaiser-Wilhelm-Straße, das „National-Theater“ (558 Plätze, täglich), Hausnummer 293, seit den 20er Jahren („ur­sprünglich Union-Lichtspiele’,“ sagt Me­yer). Das Gebäude wurde im Krieg zerstört. Und das „Tivoli-Theater“, Hausnummer 247, von 1932 (391 Plätze, täglich), das damals jüngste Kino also. Auch sein Gebäude wurde im Krieg zerstört, das Kino da­nach aber wieder eröffnet. „Es bestand bis Anfang der 60er Jahre“, so Meyer, und sei eines der ersten gewesen, die zugemacht hätten. Noch heute gebe es dort die „Gaststätte Tivoli“.

Heute ein Schnäppchen-Markt

In Hamborn selbst gab es vor dem Krieg dagegen nur zwei Kinos: die „Lichtburg“ (345 Plätze, täglich) an der Al­leestraße/Ecke Emscherstraße, im Anschluss an das heutige Brillengeschäft, und das „Me­­tropol“, ebenfalls Alleestraße (heute Jägerstraße), da­mals mit 996 Plätzen das größte. Heute ist im Ge­bäude ne­ben der Gaststätte „Alte Post“ der Schnäppchen-Markt.

Weitere drei Kinos existierten in Neumühl („Corso“, Lehrerstraße, sowie „Schauburg“, Holtener Straße) und Bruckhausen („Pa­last“, Im Kringelkamp).

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