Duisburg: Ausgerechnet „Feine Sahne Fischfilet“-Sänger zeigt Hitlergruß? Ex-AfD-Vorstand postete perfides Bild – das hat nun Folgen

Jan Gorkow, Sänger der Band „Feine Sahne Fischfilet“, soll einen Hitlergruß gezeigt haben. Dahinter steckte ein fieser Fake.
Jan Gorkow, Sänger der Band „Feine Sahne Fischfilet“, soll einen Hitlergruß gezeigt haben. Dahinter steckte ein fieser Fake.
Foto: imago images

Duisburg/Oberhausen. Ausgerechnet Monchi soll einen Hitlergruß gezeigt haben? Wohl kaum. Mit einer juristisch schwierigen Frage musste sich die 8. Strafkammer des Landgerichts in Duisburg am Mittwoch beschäftigen.

Der Angeklagte Marco P. aus Oberhausen hatte auf seiner öffentlich einsehbaren Facebook-Seite Anfang September 2018 ein Bild gepostet, dass Jan Gorkow, Sänger der Band „Feine Sahne Fischfilet“, zeigt, wie er vermeintlich einen Hitlergruß macht. Dazu schrieb der ehemalige Vorstand der AfD Oberhausen zynisch: „Oh nein, er ist einer von uns, das ist Steinmeier Lieblingsband Feine Sahne Fischfilet“. Den Post versah er mit zwei lachenden Emojis.

Duisburg: Ex-AfD-Vorstand postet Bild von „Feine Sahne Fischfilet“-Sänger mit Hitlergruß

Wie also ist das Bild zu deuten? Das Amtsgericht in Oberhausen wertete es als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und hatte den 54-jährigen gelernten Maler und Lackierer zu 30 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt. Der Angeklagte legte dagegen Berufung ein. Jetzt musste das Landgericht in Duisburg darüber entscheiden.

Es hätte auch Angela Merkel oder Armin Laschet mit Hitlergruß sein können

„Ich wollte nichts Böses“, sagte P. dem Vorsitzenden Richter. Er habe das Bild des Sängers der bekennend linken Band „Feine Sahne Fischfilet“ im Internet gefunden und auf seiner Seite gepostet. „Das kursierte auf sämtlichen Seiten“, erklärte er. Dass es sich dabei um ein aus dem Zusammenhang gerissenes Bild handelte, darüber habe er sich keine Gedanken gemacht. Das Portal „Mimikama“ hatte seiner Zeit aufgedeckt, dass das Foto des Sängers ein Screenshot aus einem kurzen Video der Band war und er keinesfalls einen Hitlergruß zeigt.

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„Das war im Lächerlichen gemeint“, gab der Angeklagte vor Gericht an. Genauso gut hätte es ein Bild von Angela Merkel oder Armin Laschet in gleicher Pose sein können. „Es ging darum, dass Björn Höcke wegen dieser Geste zerrissen wurde“, sagt P., der sich mit eben jenem rechtsextremen AfD-Politiker auf Facebook gemeinsam zeigt. Das gepostete Bild sei daher als eine Art Gegendarstellung zu verstehen gewesen.

„Feine Sahne Fischfilet“ trat bei Anti-Rassismus-Konzert auf

Hintergrund seines Facebook-Posts im September 2018 war ein Anti-Rassismus Konzert in Chemnitz, für das auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geworben hatte. Zuvor hatte es rechte Demos in der sächsischen Stadt gegeben, weil zwei Migranten einen 35-Jährigen bei einer Messerattacke tödlich verletzt hatten.

Bei dem Konzert trat unter anderem „Feine Sahne Fischfilet“ auf. Die Band aus Mecklenburg-Vorpommern gilt als bekennend links und war in der Vergangenheit wegen „linksextremistischer Bestrebungen“ und „Gewaltbereitschaft“ auch im Verfassungsbericht des Landes aufgetaucht.

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Zum Verfahren gegen Marco P. war es überhaupt erst gekommen, weil der Angeklagte eine linke Seite angezeigt hatte, die seine Posts aufgegriffen und kritisiert hatte. Im Zuge der Anzeige hatte die Staatsanwaltschaft letztlich auch gegen ihn ermittelt.

Angeklagter war Vorstandsmitglied der Oberhausener AfD

Marco P., der mit mit einem Wärmebus Obdachlosen hilft und von sich selbst sagt, dass er verfassungsfeindliche Organisationen ablehne und „sehr sozial“ sei, war bis zu einem Zerwürfnis im Vorstand der AfD Oberhausen und soll dort auch Administrator der Facebook-Seite gewesen sein.

Nach einem Bericht der „WAZ“, dass dort fremdenfeindliche Kommentare geduldet werden, hatte die Partei die Seite des Oberhausener Kreisverbands gelöscht. Auf P.s privater Seite fand sich dagegen noch jede Menge weitere Hetze: „Dem Altenpfleger tut der Rücken weh! Doch die Regierung sorgt sich um Mehmet und seinen BMW.“ Urlaubsgrüße kommentierte er so: „Ferner waren wir auch mit dem Schlauchboot auf dem Mittelmeer. Und wir hätten jeden erschlagen, der uns gerettet hätte und nach Deutschland bringt.“

Urteil: 750 Geldstrafe bleibt bestehen

Das Urteil war nach wenigen Stunden gefällt. Der Vorsitzende Richter verwarf die Berufung als unbegründet. Es bleibt also bei der Geldstrafe von 750 Euro. Das Urteil ist rechtskräftig.