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Duisburg: Frau bekommt Zwillinge, plötzlich stirbt der Vater der Babys – „Alles in einem schreit“

Andrea Sobolewski aus Duisburg trauert um ihren Ehemann

Andrea Sobolewski aus Duisburg hat im Juli Zwillinge geboren. Nur sechs Wochen später verstarb ihr Mann Markus. Vor Weihnachten hat die dreifache Mutter und Witwe zwei wichtige Botschaften.

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Duisburg. Es sind emotionale Worte, die unter die Haut gehen. „Ich liebe dich bis in die Unendlichkeit und noch viel weiter.“ Mit diesem abgewandelten Zitat aus dem Film „Toy Story“ verabschiedet sich Markus Sobolewski (†41) aus Duisburg im September von seiner Frau Andrea (40).

Das erste Mal Joggen nach der Geburt der Zwillinge sechs Wochen zuvor. Neben der vierjährigen Jule machen Jonas und Jakob das Familienglück in Duisburg perfekt. Andrea Sobolewski tanzt mit ihrem Mann in der Küche.

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Die dreifache Mutter ahnt nicht, dass es die letzten gemeinsamen Momente ihrer Ehe sein werden.

Duisburg: Dreifach-Mutter verliert ihren Ehemann – ein Anruf, der alles verändert

Die 40-Jährige setzt sich zu den Zwillingen auf die Couch. Überwacht ihren Schlaf. Plötzlich klingelt das Telefon. Ein Anruf, der alles verändern sollte. Am anderen Ende der Leitung ist die Frau des besten Freundes von Markus. Viel weiß sie nicht, nur dass Markus beim Joggen mit ihrem Mann umgekippt sei.

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„Erst hab ich gedacht: Okay, Markus ist Diabetiker. Der ist unterzuckert. Dann werde ich mit ihm schimpfen“, erinnert sich Andrea Sobolewski. Sie will ihn abholen, bittet ihre Freundin Regina und deren Partner, auf die Zwillinge und die schlafende Jule aufzupassen. Dabei malt sie sich aus, wie ihr Mann am Tropf hängt, mit dem Rettungsdienst scherzt.

Was sie nicht weiß: Zu dem Zeitpunkt hat der Notarzt bereits zwei Mal defibrillieren müssen.

„So grausam ist doch niemand“

Als die Duisburgerin am Unglückort ankommt, sind die Türen des Rettungswagens verschlossen. Es geht ins Krankenhaus. Als Ehefrau darf sie auf dem Beifahrersitz des Notarztes mitfahren.

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Ob er denn stabil sei, fragt sie. Der Notarzt schüttelte den Kopf. „Da habe ich nur noch gebetet. Aber ich hatte noch so viel Hoffnung. So grausam ist doch niemand. Das werden schon Leute irgendwie verhindern.“

„Die Panik werde ich nie vergessen“

Es war nicht zu verhindern. Eine Stunde kämpften die Ärzte um das Leben des fünffachen Vaters, dessen Söhne aus erster Ehe schon Teenager sind - vergeblich. Markus Sobolewski verstarb mit 41 Jahren an einem Herzinfarkt.

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Bis in die Unendlichkeit und noch viel weiter. „Seine letzten Worte haben für mich da noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen“, sagt Andrea Sobolewski. Sie will nur noch nach Hause, bittet ihren Bruder darum, sie abzuholen. „Die Panik in seinem Gesicht, als ich sagte, dass Markus tot sei, werde ich nie vergessen.“

„Das war für mich das Schlimmste“

Zu Hause kommt die Familie zusammen. Ratlosigkeit. Immer wieder die Frage: Gab es irgendein Anzeichen? „Aber es war einfach nichts. Wenn er sich schlecht gefühlt hätte, wäre er ja nicht joggen gegangen.“

Doch die härteste Prüfung steht noch bevor. Wie der Tochter erklären, dass der Papa niemals wieder kommt? Wenn man es selbst nicht wahrhaben kann und will. „Er hat sie noch ins Bett gebracht. Das war für mich das Schlimmste. Ich konnte gar nicht ins Bett gehen.“

„Vielleicht ist Papa nur verschwunden“

Alles ist taub, der Kopf „wie in Watte“ gepackt. „Ich war wie gelähmt“, sagt sie. Umso glücklicher schätzt sie sich für die Menschen, die ihr in der schwersten Stunde ihres Lebens beistehen. Etwa ihre Freundin Regina, die sich mit einer Weiterbildung als Notfallseelsorgerin beschäftigt.

Ihre Freundin rät der Mutter dazu, Jule die Hiobsbotschaft persönlich zu übermitteln. Sie versucht es. Mit einfachen, klaren Worten. „Aber in ihrem Alter versteht man so etwas ja noch nicht.“ „Sie hat dann auch gesagt: ‚Vielleicht ist der Papa nur verschwunden.‘“

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Als ersten Impuls will die Vierjährige ihre Mutter trösten. „Ist vielleicht alles nicht so schlimm“, sagt Jule.

Ihr größter Wunsch: „Lasst mich nicht allein!“

Doch die Realität bleibt brutal. Und mit der Trauer kommt die Angst. Angst vor der Isolation. Wenn sie als Betroffene schon nicht mit dem Schicksalsschlag umgehen kann: Wie sollen dann erst andere damit zurecht kommen?

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Zusammen mit Regina fasst die Witwe deshalb einen Entschluss: Gleich am Tag nach dem Tod weihen sie eine Nachbarin ein. Mit der Bitte, ihren größten Wunsch in der Nachbarschaft zu verbreiten: „Lasst mich nicht allein!“

Die Mühen der Nachbarin sollten Früchte tragen. Immer wieder stehen in den nächsten Tagen und Wochen Nachbarn auf der Matte. Mit selbstgebackenem Kuchen und vor allem mit offenen Ohren. „Ich habe die tollsten Nachbarn der Welt.“

Große und kleine Gesten

Das Reden hilft ihr, sagt sie. Auch bei Instagram verarbeitet sie von Zeit zu Zeit ihre Trauer. Die Anteilnahme ist überwältigend.

Auch dem Kindergarten sagt sie zeitnah Bescheid. Die Reaktion dort: „großartig“. Kinder und Erzieher fangen ihre Tochter auf. Eltern hängen Windeln, Spielzeug und Kleidung an Jules Haken, um die Familie zu unterstützen.

Der Kindergarten organisiert einen Spendenlauf, damit die Familie sich ein Familienbett finanzieren kann. Ein Projekt, das Markus begonnen hatte. Sein bester Freund setzt es schließlich gemeinsam mit dem Vater von Jules Kindergartenfreund in die Tat um.

Emotionale Botschaft kurz vor Weihnachten

Selbst ihre Schwägerin Martina kümmert sich rührend um die Familie - trotz ihrer eigenen Trauer um den kürzlich verstorbenen Bruder. Martina hat ihr sogar ein Auto geliehen, bis wieder Geld für ein eigenes da ist. „Ich habe jederzeit die besten Leute um mich herum, die ich mir wünschen konnte“, so Andrea Sobolewski.

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Dazu zählt auch Haushaltshilfe Annette Laskowski, die jeden Morgen unterstützend zur Seite steht. Der Postbote bringe häufig Päckchen von Menschen, die die Familie nur über Ecken kenne. Mit Geschenken und rührenden Botschaften.

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Witwe aus Duisburg bedankt sich

Für all die Nächstenliebe möchte sich die Witwe aus Duisburg vor Weihnachten bedanken. Eine Zeit, die besonders schwer wird, zumal Markus an Heiligabend 42 Jahre alt geworden wäre.

„Wir haben immer gesagt, wenn der eine geht, kommt der andere mit.“ Gemeinsam mit Jule steht Andrea Sobolewski vor ihrem aufgebahrten Mann. Sie muss ihn vertrösten. Mit Blick auf die gemeinsamen Kinder. Sie flüstert in sein Ohr: „Du, ich kann noch nicht.“

 
 

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