Duisburg fördert Jugend-Projekt gegen Hooligan-Krawalle

Ein Zeichen gegen rechte Gewalt setzten die Fans des MSV im November: Im Heimspiel zuvor wurde eine Ultra-Gruppierung von Hooligans angegriffen.
Ein Zeichen gegen rechte Gewalt setzten die Fans des MSV im November: Im Heimspiel zuvor wurde eine Ultra-Gruppierung von Hooligans angegriffen.
Foto: WAZ FotoPool
Dass der Fußball ein Problem mit Hooligan-Krawallen hat, steht außer Frage. Besonders bei Fans von Borussia Dortmund, Eintracht Braunschweig und MSV Duisburg sei das Gefahrenpotential groß, so DFL-Geschäftsführer Rettig. Die Stadt Duisburg beteiligt sich und fördert ein Projekt der Jugendhilfe.

Duisburg.. Ob der Fußball ein Problem mit Gewalt - und ganz besonders derer aus der rechten Ecke - hat, stellt sich angesichts der jüngsten Hooligan-Krawalle in Köln oder Ausschreitungen innerhalb der Duisburger Fan-Szene in der Vergangenheit kaum noch; einzig die Frage, wie der Eskalation vor und im Stadion Einhalt geboten werden kann, bestimmt aktuell die Diskussionen zwischen Fußball-Funktionären, Fan-Gruppierungen und Vertretern. Ein erster Lösungsansatz scheint gefunden: Es soll künftig mehr Geld für die Bekämpfung von Gewalt in der Kurve geben.

Beim bundesweiten Fan-Congress vergangenes Wochenende in Berlin sicherte Andreas Retting, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), 1,5 Millionen Euro für Anti-Gewalt-Projekte zu. Auch die Stadt Duisburg will das Duisburger Fanprojekt in diesem Jahr mit mehr Geld bezuschussen. Das Projekt der Jugendhilfe soll erstmals auch 5000 Euro aus dem Sportetat bereitgestellt bekommen, der Sportausschuss will dies in einer Sitzung Ende Januar absegnen.

Duisburg Hochburg der Neonazis?

Und das scheint bitter nötig, glaubt man den Aussagen von DFL-Geschäftsführer Rettig. Dieser sieht vor allem bei Fans von Borussia Dortmund, Eintracht Braunschweig und dem MSV Duisburg ein großes Gefahrenpotenzial. Ein Satz, der aufhorchen lässt. Und eine These, der Rebecca Ellmann so nur widersprechen kann.

„Duisburg ist keine exklusive Neonazi-Hochburg“, stellt die Leiterin des Fanprojekts Duisburg klar. „Aber im Stadion sind nun mal alle Gesellschaftsschichten vertreten“. Sie kümmert sich vorrangig um das Thema Gewaltprävention bei Jugendlichen, insbesondere bei Fans des MSV. Sie und ihre Mitarbeiter kennen das Problem Rechtsextremismus in der Fankurve, arbeiten deshalb mit der Neonazi-Aussteigerorganisation NinA zusammen. Doch ihr eigentlicher Ansatz soll schon weit früher greifen. Sie wollen dafür sorgen, dass junge Fußball-Anhänger gar nicht erst anfangen, eine Verknüpfung zwischen Sport und Gewalt zu sehen.

"So sollen Feindbilder abgebaut werden"

Dafür stellen ihr der Deutsche Fußball Bund (DFB), das Land NRW und die Stadt Duisburg jährlich 120.000 Euro zur Verfügung. Mittel, mit denen zwei feste Mitarbeiter, eine Honorarkraft, die Räumlichkeiten im „Parkhaus“ Meiderich in der Bürgermeister Pütz Straße, sowie die zahlreichen Aktivitäten bezahlt werden müssen: Dazu gehören neben Auswärtsfahrten, die allerdings ganz ohne Alkohol, Nikotin und Pyrotechnik auskommen müssen, auch Ausflüge nach Winterberg oder ins Sea-Life in Oberhausen.

Außerdem organisieren Ellmann und ihr Team vor Ligapartien Freundschaftsspiele gegen Fanclubs des gegnerischen Vereins: „So sollen Feindbilder abgebaut werden. Die Jugendlichen sollen sehen, dass auch hinter den Anhängern der anderen Mannschaften Leute wie sie stehen.“

Nur interne Sanktionen möglich

Doch das ist nicht immer einfach: „Wir haben es mit einem sehr selbstbewussten Klientel zu tun. Gerade deshalb sind von uns veranstaltete Fan-Treffen sehr wichtig, nur durch Diskussionen können wir ihnen einen Spiegel vorhalten, wenn etwas nicht gut gelaufen ist.“

Wenn etwas schlecht läuft, sind dem Fanprojekt Duisburg aber häufig die Hände gebunden, beklagt Ellmann. Sanktionen könne sie nur gegen eigene Aktivitäten aussprechen. Ein Jugendlicher, der sich bei der Auswärtsfahrt geprügelt oder der unerlaubt Alkohol getrunken hat, müsse aber andersweitig bestraft werden können. So ist und bleibt die Basis des Projektes die Freiwilligkeit: „Nur wer von sich aus zu uns kommt, dem können wir helfen.“ Es gilt einen Draht zu den jungen Sportbegeisterten aufzubauen. Einen, der auch dann noch hält, wenn es einmal zu kritischen Tönen komme. Doch sobald Fans den offenen Weg der Eskalation einschlagen, seien sie nicht mehr die Zielgruppe der Einrichtung. Ellmann: „Dann muss sich die Polizei um sie kümmern.“

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