Duisburg

Duisburg: Angeblicher Arzt behauptet, er könne Krebs und HIV heilen – für einen Patient endete das fatal

Nicht nur Corona: das waren die größten Epidemien der Menschheit

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Duisburg. Sein Wundermittel soll HIV, Krebs und Diabetes über Nacht heilen. Doch für einen Patienten endete das im künstlichen Koma.

Am Freitag musste sich Max Robin S. vor dem Landgericht Duisburg verantworten.

Duisburg: Falscher Arzt verkaufte angebliches Wundermittel

Die Anklage wirft ihm gefährliche Körperverletzung, gewerbsmäßigen Betrug, Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz und Missbrauch von Titeln vor.

Der 49-jährige Deutsche, in Kingston auf Jamaika geboren, will von all dem nichts wissen. „Ich habe alle Beweise für meine Unschuld dabei“, verkündet er schon vor der Verhandlung im Amtsgericht Duisburg.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, dass er von 2015 bis 2017 in 15 Fällen sein selbstgemachtes Präparat mit dem Namen „Egyptian Cobra Antidote“ verkauft haben soll.

Wirre Ergüsse über Hitler, Scientology und die CIA

Fast 2.500 Euro verdiente der Angeklagte, der sich selbst Dr. Stunny Pharouk nennt und auf seinen Online-Auftritten über Hitler, George W. Bush, Scientology und die CIA philosophiert, durch die Verkäufe des wirkungslosen Heilmittels mit Schlangengift an Schwerkranke. Die Patienten forderte er darüber hinaus auf keine anderen Medikamente zu nehmen.

Diabetes-Patient liegt 18 Tage im Koma

Das hatte in einem Fall fatale Folgen. Ein Mann aus Duisburg, der an Diabetes erkrankt war, erlitt einen Herzstillstand, nachdem er eine halbe Flasche des Präparats getrunken hatte. Er musste reanimiert werden. Damit nicht genug: durch eine Wärmflasche auf seinem Rücken erlitt der Mann schwere Verbrennungen, musste sich einer Hauttransplantation unterziehen und lag 18 Tag im künstlichen Koma.

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Wie am Rande des Prozesses bekannt wurde, handelt es sich nicht um den einzigen Fall dieses Ausmaßes, wegen dem die Staatsanwaltschaft in Deutschland gegen den falschen Arzt ermittelt.

Angeklagter verschwand in die Türkei

Eigentlich sollte der mutmaßliche Scharlatan bereits 2018 vor Gericht erscheinen. Doch vorher war er in die Türkei entschwunden, angeblich wegen dringender Geschäfte. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland klickten die Handschellen.

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Der Prozessauftakt gestaltete sich schwierig. Der Angeklagte wollte seine Beweise für seine Unschuld, in dicken Aktenstapeln hatte er sie mitgebracht, vortragen. Doch das Gericht und die Staatsanwaltschaft wollen den Angeklagten zunächst psychiatrisch begutachten lassen, um seine Schuldfähigkeit einschätzen zu können. Hintergrund ist ein Vermerk in einem Verfahren aus dem Jahr 2012, in dem von einer schizoaffektiven Störung die Rede war.

Doch an einer solchen Untersuchung hatte der Angeklagte wenig Interesse: „Wieso soll ich mich untersuchen lassen? Wir sollten bei den Fakten bleiben“, schlug er vergeblich vor. Ein Antrag auf Aussetzung des Haftbefehls, den sein Verteidiger Rene Graf von Berckheim stellte, wies das Gericht ab. Der Angeklagte bleibt weiter in U-Haft.

Angeklagter verflucht Wagen eines Richters

Von dort aus hatte der Angeklagte zuletzt unzählige Briefe an die Justiz geschrieben. Darin ließ er sich über die WHO, Covid-19 und AIDS aus, sie hätten „einen seltsamen Eindruck vermittelt“, berichtet die Staatsanwältin. Auch das Auto eines Duisburger Richters hatte der Angeklagte einst verflucht - ohne Wirkung. Der Richter hat inzwischen ein neuen Wagen.