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Duisburg: Verkäufer kritisiert Corona-Regeln scharf – „Maßnahmen haben uns erschüttert“

Duisburg: Die Nachfrage nach den Kleidern auf der Brautmeile in Marxloh ist aufgrund der neuen Corona-Regeln zurzeit eher gering.
Duisburg: Die Nachfrage nach den Kleidern auf der Brautmeile in Marxloh ist aufgrund der neuen Corona-Regeln zurzeit eher gering.
Foto: Aaron Tanzmann

Duisburg. An der Weseler Straße in Duisburg-Marxloh reiht sich ein Brautmoden-Geschäft an das andere. Vor allem Menschen aus dem türkischen und arabischen Raum gehören hier zu den Stammkunden.

Für sie sind Hochzeiten traditionell riesige Events mit der gesamten Großfamilie. Doch Duisburg gilt seit einiger Zeit als Corona-Risikogebiet und hat die erlaubten Gästezahlen für private Feiern drastisch gesenkt. Und die mehr als 25 Geschäfte an der Brautmoden-Meile in Marxloh haben plötzlich kaum noch Kunden zum Einkleiden.

Duisburg: Verschärfte Corona-Regeln erschweren das Brautmode-Geschäft

Einer der betroffenen Verkäufer ist Ahmed Yelman. Der 28-Jährige arbeitet seit drei Jahren im Hochzeitsmode-Geschäft „Yargiç“. Die Kette betreibt auf der Weseler Straße sowohl einen Laden für Brautmode als auch einen für die Bräutigame.

Doch die Nachfrage hält sich aktuell in Grenzen. Am Dienstagabend lag der Corona-Inzidenzwert in Duisburg bei 55,5. Daher sind seit Kurzem bei Feiern außerhalb privater Wohnungen maximal nur 25 Personen zugelassen – zu wenig, als das sich eine Hochzeit nach der Tradition der meisten Kunden lohnen würde.

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„Unsere Stammkundschaft feiert immer groß“, erklärt Yelman im Gespräch mit DER WESTEN. Wenn die Mitglieder aller Familienzweige zum Feiern zusammen kämen, könne die Gästezahl auf über 300 anwachsen. Ein Hochzeitsfest mit lediglich 25 Personen gleiche laut Yelman einer „Erniedrigung“.

Verkäufer Yelman spricht von 50 Prozent Verlust

Zurzeit werden die meisten Ehen nur noch auf dem Standesamt geschlossen, meint der 28-Jährige. Die Kleider für die großen Feiern im „Yargiç“-Sortiment werden nicht mehr gebraucht – und Ahmed Yelman brechen die Kunden weg.

Von Verlusten von über 50 Prozent ist die Rede – und Yelmans Mitarbeiter, drei an der Zahl, „müssen auch irgendwie ihr Brot nach Hause bringen.“

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Nicht nur die „Yargiç“-Geschäfte, sondern alle Brautmoden-Läden auf der Meile in Duisburg-Marxloh leben von der Hochzeitsbranche. Dass diese jetzt so drastisch eingeschränkt bzw. verboten werden soll, will Ahmed Yelman nicht einsehen – und kritisiert das Vorgehen der Gesundheitsämter deutlich.

Yelman: Corona-Maßnahmen „klingen nicht logisch“

„Die Maßnahmen haben uns erschüttert“, gibt Yelman zu. Er sieht sie zudem als völlig ungerecht an. Auf einer Hochzeit mit Freunden und Verwandten seien alle Anwesenden bekannt, was eine Nachverfolgung im Infektionsfall doch sehr einfach mache. Trotzdem seien diese Feiern untersagt, während aber gleichzeitig in den Clubs und Discos in Duisburg Veranstaltungen mit 100 bis 200 Gästen stattfinden würden.

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Letzteres bestritt die Stadt Duisburg auf Anfrage von DER WESTEN vehement: „Nichts davon entspricht der Realität.“

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„Die Maßnahmen der Gesundheitsämter klingen nicht logisch“, meint Ahmed Yelman. Seine Argumentation: Eine Reduzierung der Gäste bringe nichts, weil ein Corona-Infizierter auf einer Hochzeit mit 25 Gästen genauso ansteckend sei wie auf einer mit 50 Gästen. „Wir Menschen wollten tanzen und feiern. Alle Feste zu verbieten, hätte einen negativen Effekt.“

Bessere Zusammenarbeit oder neuer Lockdown?

Seine Forderung: Entweder die Gesundheitsämter „arbeiten besser mit den Menschen zusammen“ und finden einen Weg, „damit wir weiterarbeiten können“ – oder es muss einer neuer Lockdown für vier bis fünf Wochen her. „Aber diesmal für alle“, sagt Yelman. Verärgert erzählt der 28-Jährige von einem Freund, der bei einem Unternehmen arbeitet, das trotz mehrerer Corona-Fälle weiter produzieren dürfte. „In Deutschland herrscht der Kapitalismus“, schimpft der Verkäufer. (at)

 
 

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