Duisburg

Duisburg: Bande macht Riesenbeute – mit diesem Psychoterror-Trick

Fünf Angeklagte sollen mitgewirkt haben Senioren in Duisburg und anderen NRW-Städten um fast 800.000 Euro zu bringen.
Fünf Angeklagte sollen mitgewirkt haben Senioren in Duisburg und anderen NRW-Städten um fast 800.000 Euro zu bringen.
Foto: DER WESTEN/dpa

Duisburg. Die Masche war immer ähnlich. Die Opfer immer ältere Menschen.

Die Hintermänner riefen aus dem Ausland an und gaben sich als Polizeibeamte aus. Sie warnten die älteren Männer und Frauen am Telefon davor, dass in der Umgebung eine Einbrecherbande unterwegs sei und sie ihr Geld in Sicherheit bringen müssten.

Dann machte sich Jamila Y. (28) auf den Weg, um die ahnungslosen Opfer um ihr Erspartes oder ihren Schmuck zu bringen. Jetzt steht sie gemeinsam mit vier Mittätern vor dem Landgericht Duisburg. Der Vorwurf: besonders schwerer Betrug.

Duisburg: Bande macht als falsche Polizisten große Beute

Jamila Y. aus Duisburg ist die Haupttäterin in diesem Verfahren. Sie soll Daniel V. (30) und Daniel S. (26) als Fahrer eingespannt haben, Jasmin B. (32), Melanie D. (34) und ein gesondert verfolgter Mann sollen ebenfalls involviert gewesen sein. In elf Fällen zwischen März und September 2018 soll die Bande laut Anklage zugeschlagen und so eine Beute im Wert von 770.000 Euro ergaunert haben.

Ihre Hintermänner riefen bei den Senioren an und gaben sich als Polizeikommissar Bach oder Walther aus. Sie spielten den teils über 90-jährigen und mitunter dementen Senioren vor, dass Einbrecherbanden in der Nähe aktiv seien oder bei geschnappten Einbrechern ihre Adressen und Kontodaten gefunden worden seien. Daher sollten sie schnellstmöglich ihr Geld von der Bank holen und an Polizeibeamte übergeben. Diese würden das Geld verwahren, bis die Lage geklärt sei. Dazu wurden die Opfer massiv telefonisch unter Druck gesetzt. Sie sollten niemandem davon berichten.

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Ahnungslose Seniorin übergibt Beute im Wert von 450.000 Euro

Dann kam laut Anklage Jamila Y. ins Spiel. Von einem Mittelmannes namens „Khaled“ soll sie die Anrufe bekommen haben, dass die Beute abgeholt werden könne. Gemeinsam mit ihren Fahrern sei sie dann in elf Fällen unter anderem nach Köln, Düsseldorf, Emmerich, Duisburg oder Goslar gefahren, so die Anklageschrift. Die Senioren deponierten das Geld für gewöhnlich in Plastiktüten an der Haustür, in Koffern in der Papiertonne oder gaben den Gaunern den Code zum Schließfach. Bei einer Frau in Duisburg soll Jamila Y. und ein Mittäter das Geld persönlich abgeholt haben. Beute hier: unglaubliche 450.000 Euro.

Der Anteil der fünf Angeklagten soll in der Regel bei 5.000 Euro gelegen haben. Das große Geld machten wohl die Hintermänner. Die 28-jährige Duisburgerin ließ sich auch von einer zwischenzeitlichen Verhaftung im Juni 2018 nicht stoppen. Sie machte bis September 2019 weiter, finanzierte sich gemeinsam mit ihren Mittätern und Mitwissern ihren Lebensunterhalt. Erst die anschließende U-Haft beendete ihre Umtriebe.

Psychoterror mit Senioren

Wie die falsche Polizisten vorgehen und Senioren mit brutalem Psychoterror in Angst und Schrecken versetzen, schilderte die Tochter einer Geschädigten aus Kreuzau. Sie sei mit ihrem Mann zum Frühstück zu ihrer 87-jährigen Mutter gekommen. „Meine Mutter war total verstört. Sie sagte, sie stehe unter Polizeischutz und dürfe nicht drüber reden“, berichtete die Zeugin. „Man hat sie in Angst und Schrecken versetzt und zugleich wieder beruhigt“, erklärt sie die Masche. Die Anrufer hätten sich in regelmäßigen Abständen gemeldet und der 87-Jährigen erklärt, bei ihrer Bank gäbe es einen Maulwurf und ihr Geld sei dort nicht mehr sicher.

Um 28.000 Euro wurde die Seniorin letztlich gebracht. Abgeholt hat die Tüte mit dem Geld mutmaßlich Jamila Y. Doch auch danach gaben die Betrüger keine Ruhe, wollten mehr Geld. Mithilfe der echten Polizei versuchten die Zeugin und ihre Mutter, die Bande in eine Falle zu locken - vergeblich.

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„Wir wollen das ganze Geld, sonst stürmen wir das Haus“

Als sie merkten, dass ihr Opfer und deren Tochter nicht auf ihre Forderung eingingen, drohten sie: „Wir wollen das ganze Geld, sonst stürmen wir das Haus.“ So schildert es die Zeugin.

„Ich habe gedacht, das überlebt die arme alte Frau nicht“, erzählt sie über die Folgen für ihre Mutter. „Sie ist seither nicht mehr die selbe wie vorher. Ich glaube, die Leute wissen nicht, was sie den älteren Menschen antun.“ Der Vorfall habe ihr „Herz gebrochen“, auf die Idee, dass etwas nicht stimmen könne, sei sie nicht gekommen, erklärt ihre Tochter.

Angeklagte helfen älterem Passanten

Die Angeklagten schwiegen zum Auftakt. Kurios: Nach Ende des ersten Prozesstages stürzte vor dem Landgericht ein älterer Herr, er blutete stark am Kopf. Erste Helfer sind ausgerechnet vier der Angeklagten, die zuvor noch mitgewirkt haben sollen, Senioren knallhart abzuzocken. Vor Gericht wird ihnen das aber wohl nicht helfen.

 
 

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