Duisburg: ARD-Loveparade-Film sorgt für Diskussionen – „Schlag ins Gesicht aller Opfer“

Duisburg: Die Loveparade-Katastrophe jährt sich zum zehnten Mal.
Duisburg: Die Loveparade-Katastrophe jährt sich zum zehnten Mal.
Foto: Andreas Buck / FUNKE Foto Services

Antonia, eine junge Frau, randaliert an der Gedenkstätte der Loveparade-Opfer. Als die Polizei eintrifft, flüchtet sie.

Warum sie die Gedenkstätte verwüstet hat, will später Taxifahrer Sascha (Carlo Ljubek) wissen. „Weil sie tot sind, und ich lebe“, erklärt Antonia, Hauptfigur im Spielfilm „Das Leben danach“. „Die Toten, das sind die Guten. Die, die überlebt haben, sind die Kaputten.“

Am Freitag jährt sich die Loveparade-Tragödie von Duisburg zum zehnten Mal. Die ARD zeigte dazu nochmal den Film „Das Leben danach“ aus dem Jahr 2017 mit der Fuck ju Göthe-Schauspielerin Jella Haase in der Hauptrolle.

Chronik der Loveparade-Katastrophe: Das sind die Funksprüche aus Duisburg
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Duisburg: Loveparade-Film sorgt für gespaltene Meinungen

Der Spielfilm setzt nach den tragischen Ereignissen vom 24. Juli 2010 ein, zeigt die Geschichte von Antonia, die die Katastrophe überlebt hat. 21 Menschen starben damals in Duisburg, weit über 500 wurden verletzt. Ein Selbsthilfeverein berichtet von mehreren Suiziden, die mit den Ereignissen des Sommers 2010 in Verbindung gebracht werden.

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Auch bei Antonia haben die Ereignisse der Katastrophe schwere Folgen hinterlassen. „Die meisten von uns kriegen gar nichts mehr auf die Reihe“, schildert sie die Folgen. Nach der Katastrophe ist für sie nichts mehr wie es einmal war.

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Das Loveparade-Unglück in Duisburg:

  • ereignete sich bei der 19.Veranstaltung der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg
  • durch fehlgeleitete Besucherströme und Planungsfehlern kam es zu einer Massenpanik an dem Tunnel des ehemaligen Güterbahnhofs
  • 21 Menschen kamen ums Leben, über 541 wurden schwer verletzt
  • wegen der Katastrophe beendete der Veranstalter die Partyreihe
  • im Februar 2014 erhob die Staatsanwaltschaft Duisburg gegen zehn Personen Anklage – im Mai 2020 wurde das Verfahren eingestellt, ohne Urteil eingestellt
  • der damalige OB Adolf Sauerland (CDU) wurde in der Folge durch einen Bürgerentscheid im Februar 2012 von den Duisburgern abgewählt

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1,83 Millionen Zuschauer schalteten am Mittwochabend bei der ARD ein. Ein Marktanteil von 6,9 Prozent. Im Anschluss lief am Themenabend noch die Doku „Loveparade - Die Verhandlung“.

„Das Leben danach“ hinterließ bei den Zuschauern gespaltene Reaktionen.

„Ein völlig klischeehafte Aufarbeitung der Loveparade mit erwartbaren Dialogen, die erahnen lassen, wie viele Leute da noch ins Drehbuch hineingeredet haben. Dazu ein gewohnt hölzernes Schauspiel. Mutlos und Mittelmäßig. ARD konform eben“, schreibte eine Twitter-Userin.

Noch weiter geht eine andere Twitter-Userin: „Ich empfinde den Film als Schlag ins Gesicht aller Opfer. Der Film kreiste um sich und hat in mir keinerlei Empathie entfacht. Er hatte für mich nichts mit dem Ergeignis zu tun.“

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Doch es gibt auch viel Zustimmung. Etwa zum Instagram-Post von Jella Haase, die auf die Ausstrahlung des Filmes nochmal hinwies.

  • „Richtig guter Film“
  • „Grandios gespielt“
  • „Gucke den Film gerade im Fernsehen und er ist so so emotional und stark! Unglaublich gute schauspielerische Leistung!! wow“

Am Freitagabend wird in Duisburg der Toten der Loveparade-Tragödie gedacht. Bereits am Donnerstag fand traditionell die Nacht der Tausend Lichter.

 
 

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