Duisburg

Duisburg: Altenheim geht DIESEN unglaublichen Schritt, um Demenzkranken zu helfen – „Bei fast allen Bewohnern positive Wirkungen“

Duisburg: Um den demenzkranken Bewohnern zu helfen, greifen die Pfleger im Malteserstift St. Nikolaus auf eine ungewöhnliche Maßnahme zurück. (Symbolbild)
Duisburg: Um den demenzkranken Bewohnern zu helfen, greifen die Pfleger im Malteserstift St. Nikolaus auf eine ungewöhnliche Maßnahme zurück. (Symbolbild)
Foto: imago images / photothek

Duisburg. Zeitreise im Malteserstift St. Nikolaus in Duisburg!

Um die Erinnerungen ihrer an Demenz erkrankten Bewohner wieder zu wecken, greifen die Pfleger in Duisburg auf eine ungewöhnliche Maßnahme zurück.

Duisburg: Altenheim baut 60er-Jahre-Kneipe für Demenzkranke

Aufwendig und detailgetrau haben die Mitarbeiter in St. Nikolaus eine Kneipe im Originalstil der 60er-Jahre nachgebaut! Schlagermusik, das Köpi-Schild an der Wand, durcheinanderschwirrende Stimmen – sogar Bier wird ausgeschenkt. Für die, die es vertragen, auch mit Alkohol.

Der Plan: Die Bewohner sollen sich ihren früheren Alltag zurückversetzt fühlen, als sie 20 bis 30 Jahre alt waren. Und das funktioniert erstaunlich gut.

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„Wir erreichen bei fast allen Bewohnern positive Wirkungen“, sagt Pflegedienstleiterin Heike Petzold. Die Menschen werden ruhiger, die Mitarbeiter müssen deutlich seltener zu Medikamenten greifen. „Morgens immer zur gleichen Zeit waschen und Tee aus Kannen ausschenken beim Abendbrot, das reicht nicht mehr, das macht nicht fröhlich und glücklich“, sagt Petzold.

Altbekannte Tätigkeiten geben Sicherheit

„Psychobiografisches Pflegemodell“ heißt das Konzept im Haus: Alte Menschen sollen nicht einem Heimablauf zwangsangepasst werden, sondern die Pfleger beschäftigen sich intensiv mit der Biografie der Bewohner und sprechen sie mit Angeboten an, die zu ihrem einstigen Alltag passen und ihnen Sicherheit geben.

Dazu zählt nicht nur die 60er-Jahre-Kneipe. Es gibt zusätzlich noch eine nachgebaute „Waschküche“ im Altersheim mit Waschmaschine, Wäschekörben und Leine zum Aufhängen oder eine „Mädelsecke“ mit Schminkpalette und Nähzeug. „Natürlich haben wir einen professionellen Wäscheservice und die Wäsche, die in der „Waschküche“ aufgehängt wird, ist manchmal gar nicht nass“, sagt Petzold – aber die altbekannte Tätigkeit hilft.

Pfleger lernen Heimbewohner besser kennen

Nach langen Biografie-Gesprächen können die Mitarbeiter nun etwa besser verstehen, wieso ein einstiger Rheinschifffahrtskapitän nachts partout wachbleiben wollte – das war früher seine Arbeitszeit. Und eine alte Dame, die immer mit vielen Geschwistern und Kindern gelebt hat, und im Heimalltag schlecht zurecht kam, bekam eine Großpuppe zum Wickeln – und ist nun viel zufriedener.

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Bis 2024 wollen die Malteser in allen 35 Häusern des Anbieters solche Angebote schaffen, die auf Forschungen des österreichischen Pflegewissenschaftlers Prof. Erwin Böhm zurückgehen, sagt der Malteser-Pflegefachmann Raphael Käsch.

Rund drei Millionen Demenzkranke bis 2050?

Eine bundesweite Weiterentwicklung der Pflegepraxis ist dringend nötig, denn auf die Altenheime kommt allein wegen der Alterung der Gesellschaft ein erheblicher Anstieg von Demenzkranken zu. Nach Schätzungen leben derzeit rund 300 000 Menschen in NRW und 1,5 Millionen deutschlandweit mit dem Befund. Experten schätzen, dass sich ihre Zahl bis 2050 verdoppeln wird. (at, mit dpa)

 
 

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