Duisburg

Er legte die A59 wochenlang lahm – vor Gericht überrascht der Duisburger Feuerteufel mit einer skurrilen Aussage

Marcel K (29) legte einen Brand unter der A59-Brücke - mit verherrenden Folgen.
Marcel K (29) legte einen Brand unter der A59-Brücke - mit verherrenden Folgen.
Foto: Feuerwehr/Marcel Storch Montage: DER WESTEN
  • A59-Brücken-Brandstifter gesteht vor Gericht
  • Mit einer skurrilen Aussage überrascht er Richter und seinen eigenen Anwalt
  • Nicht die erste Brandstiftung

Duisburg. Er legte die A59 für zwei Wochen lahm. Marcel K. wird Brandstiftung und Zerstörung eines Bauwerks vorgeworfen. Der 29-jährige Duisburger gestand die Tat: „Ich habe die Tat begangen, war mir aber der Folgen nicht bewusst“, sagte der Angeklagte zu Prozessbeginn am Duisburger Landgericht.

Er legte A59 zwei Wochen lahm: Brandstifter überrascht mit skurriler Aussage

Marcel K., arbeitslos, ohne festen Wohnsitz, bereits für mehrere Jahre in Haft, überraschte bei seiner Vernehmung zunächst mit einer skurrilen Aussage: „Ich wurde quasi dazu gezwungen.“ Er habe mit seiner Ex-Freundin, einer Prostituierten, immer wieder Stress gehabt. Zwei Männer aus dem Rockermilieu hätten ihn deshalb ein paar Tage vor dem Brand abgepasst, ihm zwei Knarren an den Kopf gehalten und ihm gedroht. „Schöne Grüße von deiner Ex-Freundin, wenn du nicht tust, was wir sagen, bringen wir deinen Bruder um“, sollen sie gesagt haben.

Er solle einen Lkw anzünden, der unter der A59-Brücke in Duisburg-Meiderich steht. Warum die vermeintlichen Rocker ihm drohten und wollten, dass er den LKW anzünde, konnte er dem Richter auf Nachfrage allerdings nicht plausibel erklären. Vielleicht ein Angriff auf die Infrastruktur, mutmaßt der Angeklagte.

Der Richter und selbst sein eigener Anwalt zeigten sich überrascht von den widersprüchlichen Aussagen des 29-Jährigen, der offenbar mit seinem skurrilen Geständnis auf mildernde Umstände gehofft hatte.

Anwalt revidiert Aussagen

Nach einer zehnminütigen Unterbrechung dann der Rückwärtssalto. Sein Anwalt revidierte die vorher gemachten wenig glaubhaften Aussagen seines Mandanten: „Die Aussagen waren ein Produkt seiner fehlgeleiteten Fantasie.“

Die Wahrheit sei, dass er in seinem Leben nicht mehr zurande kam und Drogen- und Alkohol konsumiert hatte. „Ich wollte ins Gefängnis“, hatte er deshalb bei seiner Polizeivernehmung bereits gesagt. Zuvor hatte ihn ein Kumpel bei der Polizei verpfiffen, nachdem der Brandstifter bei ihm mit der Tat geprallt hatte.

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Sonderschule, Drogen, Hartz4

Die Geschichte von Marcel K. liest sich nach der eines verpfuschten Lebens. Die Eltern getrennt, ging er auf die Sonderschule und geriet früh mit Alkohol und Drogen in Kontakt. Eine Ausbildung machte er nicht, ab und zu habe er Gelegenheitsjobs gehabt, ansonsten Hartz4 bezogen. Er berichtet von verstorbenen Kindern und einer Beziehung zu einer Prostituierten, genaueres will er dem Richter dazu aber nicht verraten.

Bereits schonmal gezündelt

Mehr als vier Jahre saß der Feuerteufel im Gefängnis - auch weil er schon mal ein Auto und eine Mülltonne in Brand gesetzt hatte. Am 16. April war K. dann - vermutlich betrunken und unter Einfluss von Amphetaminen und Marihuana - gemeinsam mit seinem Bruder unter der Autobahnbrücke unterwegs.

Als sein Bruder austreten war, legte Marcel K. drei Pizzakartons auf einen Reifen des dort geparkten Lasters. Die Folge: der Lkw geht in Flammen auf, der Brand greift auf weitere Autos über. Die Hitze zerstört Stahlträger der A59-Brücke. Weil die Statik gefährdet war, musste die Brücke für zwei Wochen für den Verkehr gesperrt werden.

Ein Urteil gegen Marcel K. soll in zwei Wochen fallen. Ihm drohen bei einer Verurteilung ein bis zehn Jahre Freiheitsstrafe.

 
 

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