Drohende Abschiebung - Der kleine Harishan will nicht gehen

Von Svenja Aufderheide
Der sechsjährige Harishan ist ein glühender Anhänger des MSV. Er und seine Familie sollen nach Sri Lanka abgeschoben werden.
Der sechsjährige Harishan ist ein glühender Anhänger des MSV. Er und seine Familie sollen nach Sri Lanka abgeschoben werden.
Foto: privat
Der Bund hat entschieden, dass die Familie Arulantham nach Sri Lanka abgeschoben wird. Die Rechtsmittel der tamilischen Familie, die mit einer Unterbrechung, seit 16 Jahren in Deutschland lebt, sind erschöpft. Nun wollen die Arulanthams die Härtefallkommission des Landes anrufen.

Duisburg. Harishan spielt gerne Fußball. So wie fast alle Jungs in seinem Alter. Der Sechsjährige ist seit einem Jahr bei Tura 88 in der Bambini-Mannschaft, mal im Feld, aber auch schon mal im Tor. Außerdem ist er ein glühender Anhänger des MSV Duisburg. Doch damit ist bald Schluss. Harishans Familie soll abgeschoben werden.

Am 30. Mai geht der Flieger in Richtung Sri Lanka. Die Rechtsmittel der Familie, die mit einer Unterbrechung, seit 16 Jahren in Deutschland lebt, sind erschöpft. Nun wollen die Arulanthams die Härtefallkommission des Landes Nordrhein-Westfalen anrufen, um die Abschiebung doch noch auf den letzten Drücker zu verhindern. Die Arulanthams sind Tamilen und flohen aus Angst vor Verfolgung aus dem Land, in dem ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen erst 2009 endete.

Unterschriften gesammelt

Der evangelische Kindergarten an der Gustav-Adolf-Straße in Neudorf, den Harishan zur Zeit besucht, hat Unterschriften für den Verbleib gesammelt. Marko Occhipinti ist dort im Elternbeirat und hat Harishan bei Tura 88 trainiert, wo ebenfalls Unterschriften gesammelt wurden. Occhipinti setzt sich für den Verbleib der Familie ein, vor allem der Kinder wegen, die die Heimat ihrer Eltern nicht kennen, die Sprache nicht sprechen: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden sollen.“ Schließlich sei die Familie im Stadtteil super integriert. Der Vater habe seit einigen Monaten sogar eine Arbeitserlaubnis und einen festen Job. Occhipinti: „Man kann also wirklich nicht sagen, dass die Familie hier auf Staatskosten lebt.“

Er selbst, sagt Occipinti, sei niemand, der sich überall einmische, aber der Fall in seiner unmittelbaren Umgebung, der wurmt ihn. „Ich frag mich, ob das Gesetz hier sinnvoll angewandt wird. Die Familie würde aus dem Flieger steigen und hätte nichts. Die Kinder können doch nichts dazu.“ Die Stadt kann zu dem Fall nicht Stellung beziehen, verweist auf den Datenschutz.

Als nett, freundlich und aufgeschlossen beschreibt Occhipinti Harishan, seine neunjährige Schwester und den kleinen Bruder. Er sei ein helles Köpfchen, spreche hervorragend deutsch, habe hier in Neudorf sein Umfeld, wollte im Sommer auf die Hebbelschule gehen, die schon die ältere Schwester besucht. „Gestern kam der Bescheid, dass sich die Familie am 23. Mai beim Ausländeramt einfinden muss, um ihre Ausreisewilligkeit zu zeigen. Doch sie sind natürlich nicht ausreisewillig.“ Im Gegenteil, seit dem 1. Mai habe die Gemeinde den Arulanthams eine neue Wohnung besorgt, so Occhipinti.

Zebrakids helfen

Um die Abschiebung vielleicht doch noch zu verhindern hat der Fußballer Occhipinti den Vorsitzenden der Zebrakids, Detlev Gottschlich angesprochen. Der Verein sorgt durch diverse Aktionen dafür, dass zu jedem MSV-Heimspiel mehr als 70 sozial benachteiligte Kinder kommen können. Gottschlich: „Wir sind zwar eigentlich in einem anderen Sozialbereich aktiv. Aber in so einem Fall helfen wir gerne.“ Die Zebrakids haben einen Hilferuf direkt auf die Homepage des Vereins und bei Facebook gestellt: „Wir vom Zebrakids e.V. wollen uns für den kleinen Harishan und seine Familie einsetzen: Wir bitten Euch alle uns hier - so gut es geht - zu unterstützen. In diesem konkreten Fall sollte eine Härtefallregelung greifen. Bitte helft Harishan! Danke“, heißt es auf der Homepage.