Doku über Duisburger Brautmoden-Meile feiert Premiere im UCI

Ihre Doku „Dügün – Hochzeit auf Türkisch“ stellten die Regisseure Ayse Kalmaz und Marcel Kolvenbach im UCI am Hauptbahnhof vor. Die Braut-Models Jasmin (l.) und Gulsah schauten auch zu.
Ihre Doku „Dügün – Hochzeit auf Türkisch“ stellten die Regisseure Ayse Kalmaz und Marcel Kolvenbach im UCI am Hauptbahnhof vor. Die Braut-Models Jasmin (l.) und Gulsah schauten auch zu.
Foto: Funke Foto Services
„Dügün – Hochzeit auf Türkisch“ feierte im Duisburger UCI-Kino seine Vorpremiere. Brautmoden-Meile steht im Fokus des Films. Regisseure waren zu Gast.

Duisburg. Ein Schlüsselsatz fällt gegen Ende des Films: „Eine Heirat schafft immer ein Zuhause“, sagt ein älterer Herr in türkischer Sprache auf der Leinwand. Und seine Überzeugung in der Stimme lässt erahnen, dass dies für ihn keine Phrase, sondern Lebenserfahrung ist. Das Thema Trauung spielt im Dokumentarfilm „Dügün – Hochzeit auf Türkisch“ eine zentrale Rolle. Am Montagabend feierte das 90-minütige Werk, das in Marxloh und Umgebung gedreht wurde und ab Donnerstag bundesweit in ausgewählten Kinos läuft, seine Vorpremiere in Duisburg. Und das UCI am Hauptbahnhof erstrahlte dank einiger wundervoll ausgestatteter Brautmodels ganz in Weiß.

„Marxloh ist ein alter Industrie-Stadtteil, in dem mit den Brautmoden-Läden eine eigene Hochzeitswelt aufgeblüht ist. Eben diesen Kontrast wollten wir aufzeigen“, erzählten Ayse Kalmaz und Marcel Kolvenbach. Die beiden Regisseure waren am Montag nach Duisburg gekommen, um ihren Film vorzustellen. Und nach der mit viel Applaus bedachten Vorführung erzählten sie dem Publikum, wie sie den Kontakt zu ihren Protagonisten hergestellt hatten. „Zuerst sind wir einfach in die Geschäfte rein. Dort bekamen wir sofort Tee oder einen Mokka angeboten und haben zusammen getrunken und gequatscht“, sagte Ayse Kalmaz. „Aber kein einziger wollte von uns wissen: Was macht ihr hier?“

Drei Hochzeits-Paare während der Dreharbeiten begleitet

Als das Duo dann rausrückte, dass es ein Filmprojekt plant, sei die Überraschung groß gewesen. „Aber wir hatten bei vielen gleich ein familiäres Gefühl“, so Marcel Kolvenbach. „Und wir sind dann bei jenen hängen geblieben, bei denen wir gespürt haben, dass diese Menschen etwas Spannendes zu erzählen haben.“

Die Auswahl hat sich als eine glückliche erwiesen: Drei Hochzeitspaare durfte das filmende Duo während der halbjährigen Dreharbeiten begleiten. Der Fokus wird aber nicht nur auf die Brautleute, sondern auch auf ihre Familien gerichtet. Tränen fließen, als einer Mutter klar wird, dass ihre heiratende Tochter bald die heimische Wohnung verlassen wird. Und der Vater gibt zu: „Ich wünschte, dass sie immer bei uns bleibt!“ Doch sein melancholisches Lächeln verrät, dass er genau weiß, dass es nun anders kommen wird.

Die Zuschauer werden Zeuge von Feilschereien um den Preis für ein Hochzeitskleid, sie sehen wie Einzelstücke nach Maß geschnitten werden und sie lernen die Vermieter von Festhallen kennen, in denen die bis zu 1000-köpfigen Hochzeitsgesellschaften Platz finden. Die Protagonisten erzählen auf Türkisch (mit Untertiteln), auf Deutsch oder sie springen permanent zwischen beiden Sprachen hin und her. Natürlich auch, als es um das Thema „Liebe“ geht. „Liebe ist Arbeit“, sagt ein älterer Mann auf der Leinwand. „Und wir haben es nicht geschafft, der nächsten Generation zu vermitteln, was Liebe ist.“ Es sind Momente wie diese, die beweisen, wie nah die Marxloher das Filmduo an sich herangelassen haben.

Eine gelungene Milieustudie

Das lobte auch Jutta Krug, WDR-Redakteurin und Projektbetreuerin: „Dieser Film ist eine gelungene Milieustudie, die engagierte, tolle Leute zeigt, die in Marxloh leben.“ Sie ist sich sicher, dass der Film auch in zehn Jahren noch großen Schauwert besitzt.

Vielleicht hilft diese Doku auch dabei, dass Außenstehende einmal mit anderen Augen auf Marxloh blicken. Denn dies ist eben nicht nur ein Stadtteil mit großen sozialen Problemen. Sondern für Tausende auch lieb gewonnene Heimat. „Wir leben da“, sagt Alis Kuru nach Filmende im Kinosaal. „Wir arbeiten da. Und wir erfüllen da die Träume von vielen Menschen.“

Die Doku „Dügün“ ist in Duisburg das nächste Mal am Dienstag, 13. September, im UCI am Hauptbahnhof zu sehen. Beginn: 17.45 Uhr. Das Filmforum am Dellplatz nimmt ihn vermutlich im Oktober noch einmal ins Programm auf.

Ein Kritikpunkt: Beim Blick auf Marxloh haben sich die Autoren ausschließlich auf die tristesten Ansichten beschränkt. So wird das Klischee des „verfallenen Stadtteils“ bedient.

 
 

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