Digitale Tortenwürfe und Volksmusik gegen OB Adolf Sauerland

Philipp Wahl
Martin Tazl aus Duisburg zeichnet OB Adolf Sauerland vor dem Bürgerentscheid am 12. Februar als Comicfigur „Der kleine Bürgermeister". In einem Online-Spiel Tazls gewinnt, wer der Comicfigur die meisten Torten ins Gesicht wirft. Bild: Martin Tazl
Martin Tazl aus Duisburg zeichnet OB Adolf Sauerland vor dem Bürgerentscheid am 12. Februar als Comicfigur „Der kleine Bürgermeister". In einem Online-Spiel Tazls gewinnt, wer der Comicfigur die meisten Torten ins Gesicht wirft. Bild: Martin Tazl
Foto: Martin Tazl
Die Initiative „Neuanfang für Duisburg“ setzt im Finale des Abwahlkampfes auf Popkultur: Am Stand der Gruppe spielt „Die Bandbreite“ ihren „Sauerland“-Song, Cartoonist Martin Tazl zeichnet seinen kleinen Bürgermeister. Dem kann man bei einem Spiel online nun auch mit Torten bewerfen.

Duisburg. Die Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ und das Abwahl-Bündnis setzen im Endspurt zum Bürgerentscheid über die politische Zukunft von Oberbürgermeister Sauerland auch auf die Mobilisierung der (jungen) Duisburger durch Popkultur: An ihrem Stand in der Fußgängerzone (Königstraße, Ecke Düsseldorfer Straße) geben am Freitag, 10. Februar, die Polit-Popper der Gruppe „Die Bandbreite“ („Dat is Duisburg“, „Sauerland“) ein Konzert. Am Donnerstag, 9. Februar, erteilt Martin Tazl Interessierten ab 15 Uhr eine Zeichenstunde. Der Designer ist der Erfinder der Comicfigur „Der kleine Bürgermeister“, die dem umstrittenen OB sehr ähnlich sieht...

Wie die Sauerland-Gegner der Abwahlinitiative hat sich auch Martin Tazl in den vergangenen Tagen ordentlich ins Zeug gelegt, um für die Teilnahme am Bürgerentscheid am 12. Februar zu werben: So hat „Der kleine Bürgermeister“ mittlerweile eine eigene Website, auf der Nutzer seit Montag auch Torten werfen können... genau: auf den kleinen Bürgermeister. Für OB Sauerland, findet Tazl, sei das „doch eine nette Form der Anerkennung“. Schließlich habe auch Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg humorvoll auf die Sahnetorten-Attacke auf sich reagiert.

Loveparade-Demos und Sauerlands-Wahlwerbung als Comic

Das Spielchen in 90er-Jahre-Moorhuhn-Ästhetik hat der Duisburger, der früher selbst Computerspiele designte, ruckzuck mit einem befreundeten Programmierer umgesetzt. „Die Idee hatten wir aber vor dem Sahne-Angriff auf zu Guttenberg.“ Und Tazl, über dessen Comics mittlerweile Sat.1, das ZDF, mehrere Axel-Springer-Titel und Zeitungen bundesweit berichteten, hat sich auch neue Zeichnungen einfallen lassen: Eine Karikatur zeigt die Demonstrationen gegen die Stadtspitze in den Tagen nach der Loveparade. Der aktuellste Comicstrip nimmt Adolf Sauerlands Werben um die Stimmen der türkischen Migranten auf und zeigt einen misslungen Versuch des kleinen Bürgermeisters, sich als „freund aller Migranten darzustellen“.

Wie schon im Youtube-Video (siehe Textende) wird Tazl bei der Abwahlinitiative am Donnerstag ab 15 Uhr zeigen, wie einfach es ist, den kleinen Bürgermeister zeichnen. Mitglied von „Neuanfang für Duisburg“ – auf diesen Hinweis legt Tazl Wert – ist der Cartoonist übrigens nicht. Aber dennoch „siegessicher. Ich bin fest davon überzeugt, dass Adolf Sauerland am Sonntag abgewählt wird. Er und die CDU, die wissen schon, dass es vorbei ist.“

Inhaltlich und musikalisch Volksmusik

Marcel Wojnarowicz, Kopf der umstrittenen Polit-Popper „Die Bandbreite“, wird bei seinem Auftritt am Stand der Abwahlinitiative am Freitag ab 11 Uhr sicher auch diese Zeile singen: „Unseren Bürgermeister schicken wir ins Sau-, Sau-, Sauerland“. Bereits Anfang 2011 hatten Wojna und DJ Torben den Protestsong – stilistisch und inhaltlich Volksmusik – aufgenommen. Das mittlerweile über 36.000-mal abgerufene Video (siehe Textende) drehte die Band auf dem Rosenmontagszug 2011.

Der Auftritt in der Fußgängerzone steht übrigens unter dem Motto „School’s out – zwei Tage vor der Wahl“. Auch andere Rapper aus Duisburg und „The Pursuit“ (Moritz Steckenstein und Matthias Meyke) werden bis 14 Uhr musikalisch auf den Bürgerentscheid einstimmen.

WDR sendet live, Steegmann interviewt Josef Krings und Jürgen Hagemann

Danach wird Theo Steegmann, einer der beiden Sprecher der Initiative „Neuanfang für Duisburg“ ebenfalls am Platz vor dem Lifesaver Mitglieder „der freien Szene“ interviewen. Um 16 Uhr treffen sich am selben Tag die Erstunterzeichner des Wahlaufrufs zu einer Abschlusskundgebung. Ab 16.30 Uhr spricht Steegmann in aller Öffentlichkeit mit Jürgen Hagemann (Vorsitzender des Vereins Loveparade Selbsthilfe) und dem Journalisten Lothar Evers (DocuNews).

SpezialseitenAuch am Tag darauf, wenn der „Hallo Ü-Wagen“ des WDR am Stand Station macht (Thema der WDR-5-Sendung von 11 bis 13 Uhr: „OB auf Abruf – Mehr Macht für Bürger?“), erwartet Steegmann wieder Gäste zum Gespräch: um 14 Uhr Alt-Oberbürgermeister Josef Krings, um 14.30 Uhr erneut Martin Tazl, der im Anschluss auch seine Malbücher mit Motiven des kleinen Bürgermeisters signiert.