Dieter Nuhr, der Welt-Erklärer

Martin Kleinwächter
Dieter Nuhr erklärt die Welt, „Nuhr unter uns“. Foto: Sebastian Konopka/WAZ-FotoPool
Dieter Nuhr erklärt die Welt, „Nuhr unter uns“. Foto: Sebastian Konopka/WAZ-FotoPool
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Duisburg. Mancher Gelehrte grübelt ein Leben lang darüber, wie man die Welt erklären kann und schafft es nicht. Dieter Nuhr ist damit seit über zehn Jahren erfolgreich, tat es am Donnerstag vor vollem Haus im Theater am Marientor .

„Nuhr unter uns“, so heißt das neue Programm des ZDF-Jahresrückblickers und Moderators der ARD-Sendung „Satire Gipfel“. Und offenbar ist es diese Art, im Schmeichelton zum Rundumschlag anzusetzen, die die Zuhörer in den Bann zieht. Dabei agiert der 50-Jährige im Tonfall eines Selbstgesprächs.

So erfahren die großen Ereignisse unsere Zeit seine Würdigung. „Ihre Eintrittskarte ist nachher soviel wert wie eine griechische Anleihe“, meinte er. Immerhin bescheinigte er dem Besuch seiner Vorstellung aber „therapeutischen Wert“. Überhaupt könne in den Zeiten der Finanzkrise nur gelten, „hauen Sie es raus“, das Geld, ehe es nichts mehr wert sei. Auf staatlicher Ebene gehe es auch nur noch um die Frage, „wie kriegt man so viel Schulden zusammen, dass man sich retten lassen muss?“

Die Amerikaner, so diagnostizierte Nuhr, lösten das Problem, indem sie Geld druckten, es damit aber entwerten würden. Und deshalb seien auch die Chinesen die eigentlichen Verlierer der Finanzkrise: „Die haben nämlich mehr Dollars als die Amerikaner.“

Früher, war der Kabarettist sich sicher, wären solche Konflikte in Krieg gemündet. Dagegen erweise sich die Globalisierung als Segen. „Das geht heute nicht mehr. Den Chinesen gehört ja halb Amerika.“

Dass es vor diesem Hintergrund immer mehr „Wutbürger“ gebe, wunderte Nuhr nicht. Obwohl es uns ja objektiv gut gehe. „Der zufriedene Mensch“, dozierte er, „hat sich in der Evolution nicht durchgesetzt“. Sein zufriedenes Lächeln, vor der Höhle in der Sonne sitzend, habe jemanden so geärgert, dass er ihm den Schädel eingeschlagen habe. Immerhin würden in der Demokratie nicht mehr die Gewalttätigen entscheiden, sondern die Mehrheit. „Die Araber beneiden uns darum, dass wir wählen können. Wir selbst aber gehen schon gar nicht mehr hin.“

Der Sozialismus sei auch keine Lösung, befand der Spaßmacher. Erstens seien schon heute in Griechenland 25 % der Leute beim Staat beschäftigt. Und mehr als Toten noch Renten auszuzahlen, wie es dort geschehe, gehe doch gar nicht.

Nuhr warnte davor, sein Heil in religiösem Eifer zu suchen. Sicher, die Taliban seien robuster als wir, „die schicken ihre Kinder zum Explodieren“. Aber der Glaube an die Wiedergeburt klappe irgendwie nicht. „Es leben heute mehr Menschen auf der Welt, als jemals zuvor gestorben sind.“

Da machten es viele Jugendliche mit ihrer Flucht ins Virtuelle schon richtig, auch wenn sie gar nicht mehr wüssten, wie man sich ohne Facebook verabreden kann. Immerhin bräuchte man für sie bei Partys gar keinen Alkohol mehr vorzuhalten. „Den trinken sie vorher schon an der Tankstelle.“