Diese fünf Sehenswürdigkeiten an Rhein und Ruhr sind einen Tagesausflug wert

Für die einen ist es die Rehberger Brücke, für die anderen "Slinky springs to fame". So oder so: die Brückenskulptur über den Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen ist einen Besuch wert.
Für die einen ist es die Rehberger Brücke, für die anderen "Slinky springs to fame". So oder so: die Brückenskulptur über den Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen ist einen Besuch wert.
Marxloh ist eine Sehenswürdigkeit? Unbedingt – wenn man sich dem Problemviertel aus der richtigen Perspektive nähert. Dann lohnt sich für Nachbarn und Tagestouristen dorthin ein Ausflug ebenso wie zur Landmarke "Tiger & Turtle", zur Rehberger Brücke in Oberhausen, zum Ringlokschuppen in Mülheim und in Schimanskis Heimat.

Duisburg/Oberhausen/Mülheim. Diese fünf Sehenswürdigkeiten im westlichen Ruhrgebiet sind noch relativ neu, noch immer Geheimtipps oder einfach nicht als Attraktionen bekannt. Zu allen aber lohnt sich für Bewohner der Nachbarschaft oder Tagestouristen aus dem Rest des Landes NRW ein Ausflug: zur Landmarke "Tiger & Turtle" in Duisburg-Wanheim, zur Brückenskulptur "Slinky springs to fame" am Kaisergarten in Oberhausen (Artikelseite 2), nach Duisburg-Marxloh (Artikelseite 4), zum Ringlokschuppen in der Mülheimer Gartenschau (Artikelseite 4) und in den "Schimanski"-Stadtteil Ruhrort (Artikelseite 5). Aber der Reihe nach und ausführlich:

Eine Achterbahn für Fußgänger auf dem Zauberberg im Duisburger Süden

Duisburg hat viele grüne Seiten. Das lässt sich vor allem ganz oben auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe sehen. Dort steht das jüngste Wahrzeichen der Stadt, die Landmarke Tiger & Turtle. Ein Ausflugstipp für Liebhaber von Natur und Industriekultur. Ein Hingucker war der rund sechs Hektar große Angerpark im Duisburger Süden lange nicht. Hier stand einst die Zinkhütte der Sudamin MHD, auf deren Werksdeponie entstand dann die Heinrich-Hildebrand-Höhe. Als die Firma 2005 in die Insolvenz ging, blieben nicht nur diverse Werkshallen, sondern vor allem ein hoch belasteter, mit Schwermetallen und Giftstoffen verseuchter Boden zurück. Es sollte bis 2008 dauern, bis alle Abbrucharbeiten, Abdichtungs- und Sanierungmaßnahmen abgeschlossen waren und der Angerpark fertig war.

Dann wuchs auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe (so hieß der 2004 verstorbene Heimatforscher, der sich sehr um den Duisburger Stadtteil Wanheim verdient gemacht hatte, in dem die Halde liegt) das Kunstwerk Tiger & Turtle. Eine begehbare Achterbahn aus 90 Tonnen Stahl auf 17 Stützen, die es sogar bis in die LA Times geschafft hat und seit ihrer Eröffnung im November 2011 Hunderttausende anlockte.

Landmarke ist beleuchtet und rund um die Uhr geöffnet

Nimmt man Berg und Skulptur zusammen, dann schauen Besucher aus über 80 Metern Höhe in die Landschaft: vom Düsseldorfer Fernsehturm im Süden bis zum Gasometer Oberhausen im Norden. Direkt zu Füßen liegt ihnen aktuelle Industriekulisse: das Hüttenwerk Krupp-Mannesmann.

War bis Juni 2012 abends immer Schicht, kommen seit Jahren auch nächtliche Besucher auf ihre Kosten. Nachdem die Stadt Duisburg die Beleuchtungs-Technik nachgerüstet hat und die Kamerazählung funktioniert, muss die Landmarke nicht mehr um 21 Uhr geschlossen werden, sondern darf rund um die Uhr begangen werden. Außer es ziehen Unwetter auf – dann wird aus Sicherheitsgründen dicht gemacht.

Mit Beginn der Dämmerung schalten sich 880 LED-Module ein, damit sich die gewundenen Wege der sogenannten „Achterbahn“ als Lichtband am dunklen Himmel abzeichnen. So ist die Skulptur auch nachts weithin sichtbar und wie bei der feierlichen Eröffnung im November 2011 begehbar.

Das kostet es:

Der Zugang zur magischen Achterbahn ist frei und kostet nichts.

Was es direkt um die Ecke zu sehen gibt:

Von der Halde aus haben Sie einen schönen Blick über den gesamten Duisburger Süden und den Rhein. Wenn Sie den Rhein noch einmal näher betrachten und am Ufer entlang spazieren möchten, bieten sich zwei Punkte an. Zum Einen die neu gestaltete Rheinpromenade in Wanheim. Diese können Sie, wenn Sie von der Heinrich-Hildebrand-Höhe kommen, nach einem kleinen Fußmarsch erreichen. Halten Sie sich an der Ehinger Straße rechts und dann geht es an der Kreuzung Am Tollberg/Friemersheimer Straße nach links in Richtung Rhein.

Oder Sie fahren mit der Straßenbahn 903 zurück zum Bahnhof Hochfeld-Süd, wo sich der Rheinpark befindet (Autofahrer: Liebigstraße, dort befindet sich auch ein Parkplatz). Zwischen Kultushafen und Brücke der Solidarität (erinnert an den Krupp-Arbeitskampf) können die Besucher im Sand liegen, auf Holzplateaus die Sonne genießen und den Schafen auf der anderen Rheinseite beim Grasen zuschauen.

Nach 150 Jahren industrieller Nutzung wurde das weiträumige Areal in einen grünen Farbtupfer verwandelt. Doch nicht nur Relaxen können die Anwohner im Rheinpark, auch sportliche Betätigung ist dort möglich. Ein Klettergarten, ein Skatepark, Streetball- und Beachvolleyballfelder sind entstanden, die auch Sportbegeisterte in das neue Stadtquartier locken sollen. Eine kleine Gastronomie, der "Ziegenpeter", ist hier ebenfalls zu finden. Im Sommer ist das Restaurant jeden Tag von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Und so kommen Sie hin:

Die Heinrich Hildebrand Höhe liegt im Angerpark in 47249 Duisburg (Wanheim-Angerhausen). Navi-Nutzer mit Auto oder Zweirad können als Adresse die Ehinger Straße, Höhe Richard-Seiffert-Straße, angeben. Dort befindet sich die Halde. An der Ehinger Straße und der Kaiserwerther Straße befinden sich auch Parkplätze.

Wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, können Sie vom Duisburger Haupbahnhof in die Straßenbahn-Linie 903 steigen, die in Richtung "Duisburg Mannesmann Tor 2" fährt. Haltestelle wäre in diesem Falle "Tiger and Turtle" (früher "Berzelius"). Dort befindet sich die Anhöhe auch direkt.

Alternativ können Bahn-Nutzer, die mit der Regionalbahn RB33 nach Duisburg kommen, am Haltepunkt Hochfeld-Süd/Rheinpark aussteigen. Dort geht es dann ebenfalls mit der Linie 903 in Richtung Mannesmann-Werk weiter bis zur Haltestelle „Berzelius“. (Marc Wolko)

Auf der Oberhausener Brückenskulptur „Slinky springs to fame“ ist der Weg das Ziel

Viele Brücken führen über den Rhein-Herne-Kanal, aber auf keiner ist der Weg so sehr das Ziel wie auf der „Rehberger Brücke“. Dieser Rufname klingt zwar unspektakulär, aber die Brückenskulptur „Slinky springs to fame“ in Oberhausen ist eine echte Sehens-, ach was: Gehenswürdigkeit.

Die 460 Meter lange Spannbandbrücke, die sich der Frankfurter Bildhauer Tobias Rehberger ausgedacht hat, verbindet den Kaisergarten am Schloss Oberhausen mit den Rad- und Wanderwegen der Emscherinsel. So heißt der Landstreifen zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. „Die Rehberger Brücke“, sagt Touristiker Michael Schmitz von der Tourismus & Marketing Oberhausen GmbH, „hat das Zeug, ein neues Wahrzeichen unserer Stadt zu werden.“ Das liegt vor allem daran, dass sie aussieht wie das „Slinky“ genannte Spielzeug aus Schraubenfedern: 496 Spiralen umhüllen die scharfkurvige Konstruktion. Rehberger schwebte ein über den Schifffahrtsweg geworfenes Lasso vor. 16 Farbfelder hat er den Fußgängern auf den geschwungenen Weg gelegt, auf dem sie in zehn Metern Höhe und auf federndem Tartanbelag übers Wasser gehen. In den Abendstunden setzt auch noch LED-Beleuchtung in 16 Farbtönen den Überbau des Kunstwerkes in Szene.

Rehberger-Brücke gewann den „Oscar der Stahlbau-Branche“

Die fünf Millionen Euro teure Brücke der Emschergenossenschaft war 2013 ein Dreh- und Angelpunkt der Emscherkunst. Dabei war sie bereits das Vorzeigeexponat der 2010er Ausgabe – aber damals eben noch nicht fertig. Erst im Juni 2011 wurde „Slinky springs to fame“ nach 15 Monaten Bauzeit und etlichen Verzögerungen eröffnet.

Die Oberhausener schlossen die Brücke jedoch schnell ins Herz, von den Kritikern wurde sie fast ausschließlich mit Lob bedacht – und auch noch mit einem Preis: dem Stahl-Innovationspreis, dem „Oscar der Stahlbau-Branche“, so die Emschergenossenschaft. „Bezogen auf die Hauptspannweite ist dieses Bauwerk Europas längste Spannbandbrücke aus hochfestem Stahl. Sie zeigt eindrucksvoll die technischen Möglichkeiten materialeffizienter Systembauteile in der modernen Stahlbrückenarchitektur“, urteilte das Stahlinformationszentrum in Düsseldorf Ende Juni.

Das kostet es:

Der Zugang zur Rehberger Brücke ist frei und kostet nichts.

Was es direkt um die Ecke zu sehen gibt:

Was für Besucher der Rehberger Brücke aber sicher noch wichtiger als das Urteil des Stahlinformationszentrums ist: Auch um sie herum gibt’s einiges zu sehen und zu erleben. In den Kaisergarten am Fuße der Brücke lockt nicht nur ein Biergarten, sondern auch ein Tiergehege. Dort leben 450 Tiere, vor allem heimische Wild- und Haustiere. Die Publikumslieblinge der kleinsten Besucher sind im Streichelzoo untergebracht.

Das Gehege ist im Sommer täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist ebenfalls frei. Im April 2012 weihten Stadt und Emschergenossenschaft vor Ort den neuen Spielplatz "Kaiserkrone" ein.

Im Schloss Oberhausen um die Ecke ist außerdem die Ludwiggalerie zu Hause. Das Museum präsentiert in den weitläufigen Räumen der klassizistischen Schlossanlage Leihgaben aus aller Welt. Neben der Sammlung des Ehepaares Peter und Irene Ludwig sind im Schloss auch „Die populäre Galerie“ und „Die Landmarkengalerie“ zu besichtigen. Bis zum 7. September ist im Großen Schloss noch die Foto-Ausstellung "Eve Arnold (1912-2012) - Eine Hommage an die große Magnum-Fotografin" zu sehen. Die Galerie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Wer’s geschäftiger mag: Das Centro und die Neue Mitte liegen gerade mal 800 Meter Luftlinie vom Schloss entfernt. Am 2. August findet in der Marina Oberhausen am Centro wieder die Open-Air "Summer Musical Night" statt.

Ausstsellung

Und so kommen Sie hin:

Autofahrer können auf den Parkplätzen am Tiergarten und am Schloss Oberhausen parken. Die Adresse des Schloss-Park- und Wohnmobilstellplatzes für Navigationsgeräte: Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen. Bus- und Bahnfahrer kommen an weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei: am preisgekrönten Busbahnhof Neue Mitte des Architekten Christoph Parade und am Oberhausener Wahrzeichen schlechthin, dem Gasometer. Vom Busbahnhof am Centro aus sind es etwa zehn Minuten Fußweg bis zur Rehberger Brücke: an der Arena und am Gasometer vorbei, am Rhein-Herne-Kanal entlang den Schildern Richtung Schloss Oberhausen folgen. Dort und am Hauptbahnhof stehen auch Metropolräder bereit.

Das Schloss ist übrigens auch eine der Stationen, die der Doppeldecker-Cabriobus der „City Tour Oberhausen“ bis Ende Oktober mittwochs, freitags und sonntags ansteuert. Passagiere können am Schloss aussteigen, die Brücke besichtigen und einige Erinnerungsfotos schießen.

Bei Fragen zu den Ausflugszielen erreichen Sie die Tourismus & Marketing Oberhausen GmbH (TMO) online hier und telefonisch unter der Nummer 0208/82 45 70. (Philipp Wahl)

Duisburg-Marxloh ist ... eine Sehenswürdigkeit

Klein-Istanbul, Ghetto, Schmuddelviertel: Was wurde Marxloh nicht schon alles angedichtet? Bei Schimanski hieß es einst sogar, selbst die Polizei traue sich nur mit der Einsatzhundertschaft in den wohl bekanntesten Stadtteil des Duisburger Nordens. Okay, Marxloh hat es nicht leicht und Marxloh ist auch keine echte Schönheit – sehr wohl aber eine Sehenswürdigkeit.

„Hier lässt sich das Ruhrgebiet im Miniaturformat erleben“, sagt Mustafa Tazeoğlu. Der junge Mann ist in Marxloh aufgewachsen. Seit 2008 zeigt Tazeoğlu Besuchern aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt bei mehrstündigen Rundgängen die spannendsten Ecken seines Stadtteils, der auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis ist – und dieses längst gefunden zu haben scheint.

Slogan "Made in Marxloh" als Ausdruck neuen Selbstbewusstseins

Marxloh ist bunt. Marxloh ist multikulturell. Rund 60 Prozent der Menschen, die hier leben, haben einen Migrationshintergrund. Der stolze Slogan „Made in Marxloh“, der sich auf Postkarten und T-Shirts findet, ist Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins. Mutige Existenzgründer bringen den Stadtteil nach vorn. Die Probleme, die das Ende der Stahlindustrie mit sich brachte, sind noch nicht vergessen, doch sie verblassen zunehmend.