Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf still legen? „Das wäre Irrsinn“

Ingo Blazejewski
Soll die Linie U 79 zwischen Düsseldorf und Duisburg in Zukunft an der Haltestelle Am Froschenteich enden? Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Soll die Linie U 79 zwischen Düsseldorf und Duisburg in Zukunft an der Haltestelle Am Froschenteich enden? Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
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Duisburg. Wie intensiv die U79 genutzt wird, zeigt sich nicht nur an Karnevalstagen. Die Stadtbahn-Linie ist mit Abstand die am stärksten frequentierte Linie der DVG, sie zählt jeden Tag 64.400 Fahrgäste.

Doch seit einigen Monaten wackelt bekanntlich die Zukunft der gemeinsam mit der Düsseldorfer Rheinbahn betriebenen Linie. Die Zugsicherung muss erneuert, die Fahrzeuge angepasst werden, all das kostet nur für den Duisburger Streckenabschnitt 36 Millionen Euro. Weil der VRR die Förderanträge zurückgewiesen hat, wird wild diskutiert: Endet die Linie bald am Froschenteich in Wittlaer? Soll das finanzkräftige Düsseldorf nicht gleich den Duisburger Abschnitt übernehmen?

Klaus-Peter Wandelenus winkt ab. „Dass Düsseldorf den Duisburger Abschnitt mal eben mitmacht, das funktioniert nicht“, sagt der DVG-Technikvorstand.

Gutachter prüfen

Solche Szenarien habe man bereits per Gutachten prüfen lassen. „Es ist bereits die dritte oder vierte Untersuchung über mögliche Synergiepotenziale und es wird solche Überprüfungen wegen der sich verändernden Rahmenbedingungen natürlich auch in Zukunft immer wieder geben. Aber wirtschaftlich rechnet sich das Modell nicht.“ Auch in anderen Bereichen nicht: Was die Wartung angeht, verweist Wandelenus auf die gut funktionierende Kooperation mit Mülheim und Essen unter dem Dach der gemeinsamen Verkehrsgesellschaft „Via“.

Die Gemeinschaftslinie an der Stadtgrenze zu kappen, hält der DVG-Vorstand für „einen Schildbürgerstreich erster Güte“. Die U79 sei die „Vorzeigestrecke“ der DVG. An der Erneuerung der Zugsicherung bis 2024 kommt Duisburg ohnehin nicht vorbei. „Sonst müsste ich als Betriebsleiter irgendwann die Strecke stilllegen“, sagt Wandelenus und fügt schnell hinzu: „Das macht natürlich keiner, das wäre Irrsinn“. Schließlich müsse die Stadt dann auch Millionen an Fördergeldern zurückzahlen, die in den Tunneln verbaut worden sind.

StadtbahnAlso: Investiert werden muss so oder so. Aber wenn die Finanzierung bis zum Sommer nicht steht? „Dann muss man brutal erkennen: Düsseldorf macht es alleine“. Dort müssen sogar 50 Millionen Euro investiert werden, doch offenbar ist die Finanzkraft ist in der Landeshauptstadt eben eine andere. „Klar ist: Ohne Bund und Land geht es nicht“, sagt Wandelenus.

Die Städte Düsseldorf und Duisburg sowie die DVG und die Rheinbahn haben einen gemeinsamen Brief an NRW-Verkehrsminister Michael Groschek geschrieben und die Problematik geschildert. Weil ab 2015 Einzelkomponenten nicht mehr lieferbar sind, steige die Ausfallrate, die Zuverlässigkeit der Zugsicherungsanlage werde „bis zum Komplettausfall sinken“, heißt es in dem Brief. Sollte sich der Austausch der Zugsicherung verschieben, werde „das Risiko des Komplettausfalls der Technik“ ab 2017 nicht mehr tragbar.

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Der Knackpunkt in der Förder-Problematik: Der VRR legt die Rechtslage so aus, dass es durch die neue Zugsicherung keine „Funktionsverbesserung“ für den ÖPNV gibt. Die Städte und ihre Verkehrsgesellschaften sind anderer Meinung: Es handele sich um „substanzielle Erneuerungsmaßnahmen“ und nicht um Kosten für Instandhaltung und Unterhaltung. Jetzt soll das Verkehrsministerium entscheiden.

Ein Jahr bis zur Vergabe

Es habe einen ersten gemeinsamen Termin gegeben, sagt Wandelenus. „Es tut sich etwas. Aber daraus positive Signale zu deuten, dazu ist es noch zu früh.“ Die Zeit allerdings drängt: Die Arbeiten müssen im Sommer ausgeschrieben werden, seit einem halben Jahr läuft dafür die Vorbereitung, ein weiteres Jahr würde alleine bis zur Vergabe vergehen. „Es ist ja nicht so, dass wir kurz nach der Ausschreibung die Angebote auf dem Tisch liegen haben.“ Weil die Zugsicherung bei laufendem Betrieb installiert werden muss, beträgt die Bauzeit rund vier Jahre. „Und bei der U79 müssen bei jeder Änderung die Duisburger Fahrzeuge auf der Düsseldorfer Strecke und umgekehrt geprüft werden“, sagt Wandelenus. Zudem muss die alte und neue Technik rund drei Jahre im Parallelbetrieb laufen, bis alle auch alle Fahrzeuge entsprechend umgerüstet sind.

Es wird wohl nicht die letzte Debatte über Investitionen in die Infrastruktur des ÖPNV bleiben. Wandelenus schätzt den weiteren Bedarf für Investitionen in Gleise und Fahrleitungen In Duisburg auf rund 200 Millionen Euro bis 2025, innerhalb der Verkehrskooperation Via seien es insgesamt 800 Millionen Euro. „Das ist kein Sanierungsstau“, sagt der DVG-Vorstand und Via-Geschäftsführer, „Das sind Investitionen in die Zukunft unseres Angebots.“