Die Reise eines Tuareg

Duisburg. Der erste Träger des mit 3500 Euro dotierten Filmpreises „Große Klappe“ ist der Italiener Fabio Caramaschi. Das hat die Jugendjury von „doxs!“, der Jugendsektion der Filmwoche, einstimmig entschieden.

Die acht Schüler von drei Duisburger und einem Bochumer Gymnasium haben neun Filme gesichtet: Warum sie „Solo andata, il viaggo di un Tuareg/One Way, a Tuareg Journey“ ausgewählt haben: „Der Regisseur greift aktuelle Entwicklungen auf, wie zum Beispiel Migration, Integration, den Wandel von Traditionen und vermittelt dies emotional und anschaulich Kindern und Jugendlichen. Wir zeichnen einen Film aus, der das Publikum dafür sensibilisiert, sich mit dem Thema Heimat und Familie auseinanderzusetzen“.

Zwei verschiedene Lebenswelten

Das gelingt ihm nicht nur bei jungen Zuschauern. Der Film stellt eine Tuareg-Familie aus dem Niger vor, die in in der norditalienischen Stadt Pordenone Fuß gefasst hat. Ein Kind musste zurück bleiben, weil er keine Reisepapiere hatte: So hütet der kleine Alkassum die Ziegen in der Wüste, während der 13-jährige Sidi die italienische Schule besucht und Journalist werden möchte. Schließlich darf Alkassum zu seiner Familie ziehen und wird vom Vater abgeholt.

Der Film zeigt zwei Lebenswelten, die kaum miteinander zu vereinbaren sind, und macht damit deutlich, wie groß der kulturelle Graben ist, den die Familie zu überwinden hat. Er schildert das Leben in einem Land „auf der anderen Seite der Wüste“, in dem es kalt wird und schneien kann. Der Vater arbeitet in einer Fabrik, die Familie lebt bescheiden. Die Lega Nord demonstriert gegen Ausländer, die Einheimischen sind aber nicht unfreundlich. Afrikaner aus ganz unterschiedlichen Völkern pflegen Kontakt miteinander. Sidi zieht mit einer Kamera los, filmt dieses Leben. Die Kamera verschaffe ihm Respekt, sagt er. Sidi stellt viele kluge Fragen – vor allem an seinen Vater: Warum hat er sein Land verlassen? Was ist besser in Italien? Was hat er verloren?

Ein bewegender Film

Caramaschi stellt dagegen Bilder vom Leben Alkassums im Wüstendorf. Als sein Vater kommt, um ihn nach Italien zu holen, bleibt er stumm. Doch in seinem Gesicht spiegeln sich die Gefühle: Trauer, Verunsicherung, Angst – dann das Staunen über das Angebot im italienischen Supermarkt und die unsichtbare Stimme, die Waren anpreist. Ein bewegender Film.

Gestiftet hat den Preis die Bundeszentrale für politische Bildung zum Zehnjährigen von „doxs!“.

„One Way, a Tuareg Journey“ wird am Sonntag, 13. November, um 15.30 Uhr im „Abenteuer Kinderkino“ im Filmforum gezeigt (sehenswert ab zehn Jahren). Er wird deutsch eingesprochen. Barbara Dünnweiler von der Kindernothilfe stellt die Kampagne für Kinderrechte vor.

 
 

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