„Die Mittel waren bescheiden“

Anne Horstmeier
Der frühere Duisburger Kulturdezernent Dr. Konrad Schilling wird am 26. Juni 85 Jahre alt.
Der frühere Duisburger Kulturdezernent Dr. Konrad Schilling wird am 26. Juni 85 Jahre alt.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Vor 20 Jahren ist Dr. Konrad Schilling als Kulturdezernent in den Unruhestand gegangen. 16 Jahre hatte der gebürtige Leipziger das Amt ausgefüllt. Nach seiner Pensionierung war er weiter im Ruhrgebiet aktiv. Duisburg ist er verbunden geblieben, sein Blick gilt auch dem Kulturleben, aus dem er sich – natürlich – nicht verabschiedet hat.

Seinen 85. Geburtstag feiert Schilling am Dienstag, 26. Juni, bei bester Gesundheit. „Ich leide nur unter dem Wetter“, sagt er. Und er bedauert, dass man „im Alter langsamer wird“. Umgeben von Büchern und Kunst, schreibt er an seinen Lebenserinnerungen, deren erster Band noch diesem Jahr erscheinen soll.

Die Frage, ob es es als Kulturdezernent leichter gehabt habe, weil die Kassen voller waren, beantwortet er mit einer Schilderung der Situation 1976 in Duisburg: „Die Stadt war gerade in der Fläche und der Bevölkerungszahl größer geworden, hatte 600.000 Einwohner. Ein wichtiges Ziel war, die so unterschiedlich aufgestellte Stadt zusammenzuführen.“ Erster Ansatz: Das Kindertheater-Programm „Der Spielkorb“ oder der Kulturaustausch zwischen den Stadtteilen. „Alle Aktivitäten kamen ohne große Gelder aus.“

"Sie waren äußerst bescheiden"

Als Partner habe er etwa das Wuppertaler Kultursekretariat gewonnen, weil Duisburg die einzige große Stadt in Deutschland ohne Schauspiel war (und ist). Das Theatertreffen wurde zur Keimzelle eines großen Kulturfestivals. „Aus dem Stand wurden 1977 die Akzente gegründet. Ich weiß nicht mehr genau, mit welchen Haushaltsmitteln, aber sie waren äußerst bescheiden.“ Gleich im ersten Jahr ein Eklat: „Der Kämmerer verhängte eine Haushaltssperre.“

Im Laufe der nächsten Jahre konnte der Etat verstärkt werden auf 400.000 D-Mark „in den besten Zeiten“. Damals sei alles selbst gemacht worden – vom Inhalt bis hin zur Werbung. Das Problem überall sei, so Schilling, dass heute Agenturen beauftragt würden, „die dann die Veranstalter an der Leine hinter sich her ziehen“. Oft gehe es nur um „persönlichste Geschmäcker“, um das „eigene Steckenpferd“. Schillings Beispiel: „Das Traumzeit-Festival ist in einer finanziell so angespannten Stadt unwichtig wie ein Kropf.“

Das Klima sei anders gewesen

„Wir haben uns damals Partner ins Boot geholt.“ Stets habe der Ministerpräsident die Schirmherrschaft für die Akzente übernommen, damit sei die Landeszentrale für politische Bildung eingebunden worden. Die Akzente „Goethe & Co“ 1978 wurden vom Sekretariat für Kulturarbeit, der Uni und dem Goethe-Museum Düsseldorf gefördert. Bei den „DDR-Akzenten“ habe sich die DDR präsentieren wollen und Kosten für Transport und Programm übernommen.

Auch das Klima sei anders gewesen. Über 40.000 Besucher habe ein Festival rund um die jüdische Kultur gehabt, mehr als 130.000 die „DDR-Akzente“. Schilling: „Es gab damals eine breite Schicht, die das bewusst wahr genommen hat und stolz darauf gewesen ist.“