Die Hälfte der 500 Prostituierten stammt aus Südosteuropa

Die Bordellmeile an der Vulkanstraße in Duisburg.
Die Bordellmeile an der Vulkanstraße in Duisburg.
Foto: WAZ
Die Stadt Duisburg legt einen neuen Sachstandsbericht zur Armutszuwanderung vor und will an der Vulkanstraße eine Beratungsstelle einrichten.

Duisburg. Bei ihrem Konzept zum Umgang mit der Armutszuwanderung aus Südosteuropa rückt die Stadt jetzt auch das Thema Prostitution stärker in den Fokus. Die Hälfte der Prostituierten, die in den zehn Bordellen rund um die Vulkanstraße mit insgesamt 440 gewerblich zu mietenden Zimmern tätig sind, stammen inzwischen aus Rumänien oder Bulgarien.

Die Zahl der in Duisburg „täglich in der Sexarbeit“ tätigen Frauen beziffert die Stadt auf 500. Das geht aus einem neuen Sachstandsbericht hervor, mit dem sich in der kommenden Woche die politischen Gremien beschäftigen werden.

Beratungsstelle für Prostituierte

Jetzt will die Stadt unter der Verantwortung des Gesundheitsamtes in der Nähe der Bordellbetriebe eine lange diskutierte Anlauf- und Beratungsstelle einrichten. Mitarbeiterinnen sollen Prostituierte über soziale, gesundheitliche und arbeitsrechtliche Fragen aufklären und ihnen Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Sexarbeit aufzeigen. Zusätzlich soll es in der Anlaufstelle ein Angebot zur Beratung und Untersuchung sexuell übertragbarer Krankheiten geben. Entsprechende Mittel für die Beratungsstelle hat das Landesministerium bereits genehmigt, heißt es in dem Bericht.

Die Problemlage ist lange bekannt. Schon vor drei Jahren lagen erste Zahlen über die Ausbreitung von Infektionskrankheiten vor. Weil es keine Beratungsstelle gab, hat das Gesundheitsamt mit Dolmetscherinnen Prostituierte aus Südosteuropa aufgesucht.

Preisverfall und Infektionen

Knapp 200 ließen sich untersuchen, rund ein Viertel hatte sich mit Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien oder Gonorrhö infiziert. Doch nur ein Drittel ließ sich später behandeln: Entweder waren sie gar nicht mehr in Duisburg oder erschienen nicht zu dem Termin.

Laut einer Expertin im Gesundheitsamt sei es „der finanzielle Druck“, der dazu beiträgt, dass Zuwanderinnen häufiger Infektionsrisiken eingehen. Seit Jahren gebe es einen „Preisverfall“, sexuelle Dienstleistungen würden schon ab 20 Euro angeboten. Nach Angaben des Hilfsverein Solwodi, der eine Beratungsstelle in Duisburg betreibt und auch Schutzwohnungen bietet, steigere die Armutszuwanderung „kontinuierlich das Prostitutionsangebot in der Region“.

Die Folge: Die Preise sinken, während die Nachfrage „insbesondere nach jungen und minderjährigen Frauen und Mädchen“ steigen würde. Die Situation sei laut Solwodi „ein Einfallstor für Schlepper und Schleuser“, die Frauen und Mädchen in die Prostitution drängen würden.

Zuwanderung steigt kontinuierlich an

Die Zuwanderung steigt weiterhin kontinuierlich an: Rund 700 EU-Bürger aus Bulgarien und Rumänien ziehen pro Monat nach Duisburg, rund 400 werden von Amts wegen abgemeldet, heißt es in dem neuen Sachstandsbericht, der Erfolge aber auch Misserfolge der Konzeptumsetzung auflistet.

 
 

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