Die Fans des MSV Duisburg fiebern um den Klassenerhalt

Alle für den MSV: Der Fanclub Innenhafen ist vor dem Spiel gegen Leipzig sichtlich optimistisch.
Alle für den MSV: Der Fanclub Innenhafen ist vor dem Spiel gegen Leipzig sichtlich optimistisch.
Foto: FUNKE Foto Services
Jetzt gilt es: Der MSV Duisburg spielt am Sonntag gegen RB Leipzig um die letzte Chance, in der 2. Liga zu bleiben. Fans und Offizielle fiebern mit.

Duisburg.. Frank Motulla zieht sein MSV-Trikot über. Mit der Nummer 67, das ist sein Jahrgang. Gleich wird er mit ein paar anderen Mitgliedern des Fanclubs Innenhafen auf dem kleinen Kunstrasenplatz der Anlage von TuRa 88 Duisburg in Neudorf ein bisschen kicken. Zwei Stunden lang abschalten und den Kopf frei kriegen. Ansonsten kreisen seine Gedanken wie bei allen Anhängern der „Zebras“ ständig nur um das eine Spiel an diesem Sonntag, ab 15.30 Uhr gegen RB Leipzig. Die Relegation ist möglich, mit ganz viel Glück sogar der direkte Klassenerhalt. Aber auch Abstiegstränen könnten fließen.

„Alle hoffen natürlich auf einen Sieg“, sagt Frank Motulla. Der Ablauf ist bei ihm vor jedem Spiel gleich. Beim Frühstück wird der Neudorfer (49) wieder aus seiner MSV-Tasse trinken, sich dann irgendwann mit Freunden zu Fuß auf den Weg zum Stadion machen, um sich dort immer eine Stunde vor dem Anpfiff am Bierwagen vor der Nordkurve zu treffen. Feste Rituale, an denen man sich bei aller Nervosität festhalten kann.

Anspannung seit Spiel gegen Sandhausen nicht verflogen

„Ich werd wohl am Sonntag erst einmal Blutdrucksenker nehmen“, sagt Jens Thiem. „Die Hände werden furchtbar zittern.“ Die Anspannung sei schon direkt nach dem hart erkämpften 2:2-Unentschieden am vergangenen Spieltag in Sandhausen sofort wieder da und seitdem eigentlich nie weggewesen, gibt der 50-Jährige zu.

Der Web-Entwickler und Macher der früheren legendären Ultraschall-Partys hat den Fanclub Innenhafen vor knapp drei Jahren mit ein paar Freunden gegründet. Die Initialzündung fiel beim großen Fanmarsch zur Arena – zu einer Zeit, als der MSV aufgrund großer Finanznöte am Ende sogar froh sein konnte, wenigstens die Lizenz für die Dritte Liga zu erhalten. „Das war am 8. Juli 2013“, erinnert sich Thiem. Und genau an diesem Tag ist der Fanclub aus der Taufe gehoben worden.

Motto: "Streifen zeigen"

„Uns war klar geworden, dass es nicht mehr ausreicht, einfach nur alle zwei Wochen ins Stadion zu gehen“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, der die „Zebras“ anfangs mit 13 und mittlerweile mit 63 Mitgliedern unterstützt. „Streifen zeigen“ lautet das Motto – ganz bewusst und erst recht an diesem Sonntag.

Frank Motulla wird dann ein altes Retro-Trikot tragen, um dem MSV-Aufruf im Vorfeld zu folgen, den Traditionsgedanken gegenüber der als Retortenklub verschrienen Truppe aus Leipzig zusätzlich in die Waagschale zu werfen.

Alle und alles für den Klassenerhalt – egal wie und wann...

MSV-Geschäfstführer hofft auf weitere Finalspiele

Es wird eine „Zitterpartie“, aber MSV-Geschäftsführer Peter Mohnhaupt ist zuversichtlich mit seinem Tipp: Die Zebras bleiben nach dem Herzschlag-Finale am Sonntag mit einem 1:0-Sieg beim Heimspiel gegen Leipzig auf dem Relegationsplatz. Dann kämen die beiden weiteren „Finalspiele“ gegen Drittligist Würzburg. „Dafür müssen wir den Tacho auf Null stellen. Mit zwei komplett neuen Spielen können wir die Saison abhaken.“ Und nach vorne blicken.

„Hoffen reicht nicht, wir müssen daran glauben“, zitiert Mohnhaupt den Trainer Ilia Gruev, dem er bescheinigt, dass er den Zebras neue Impulse gegeben hat, nachdem die Saison nach „einer Verkettung unglücklicher Umstände“ mit vielen Verletzten und wenig Spielfluss den MSV zum Kellerkind machte.

Mit „unbändigen Teamgeist“ hat es der MSV nach der ungeahnten Aufholjagd nun selbst in der Hand, in der 2. Liga zu bleiben. Dazu braucht der MSV am Sonntag und in den Relegationsspielen noch einmal Unterstützung von den Rängen. „Unsere Fans sind erstklassig. Allein sie haben es verdient, dass wir in der 2. Liga bleiben“, meint Mohnhaupt. Bis auf rund 2000 Karten ist die Arena am Sonntag ausverkauft. Ein volles Haus, das würde den bisherigen stattlichen Zuschauerschnitt von etwa 17 000 noch mal steigen lassen. Das mögliche Relegationsspiel-Rückspiel am Dienstag, 24. Mai, um 19.10 Uhr (leider nicht 19.02 Uhr) gegen Würzburg würde der Arena übrigens ein technische Neuerung bringen: Der DFB schreibt dafür die Torlinientechnik vor. Und wenn am Sonntag das Zweitliga-Aus käme? „Das wäre ein Rückschlag, aber kein K.o.“, meint Mohnhaupt. Aber sein Tipp ist ja ohnehin ein 1:0.

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