Der Riesen-Spitzkohl

Thomas Richter
Francesco Docimo (72) präsentiert in seiner Parzelle in der Kleingartenanlage des KGV Ruhrau inDuissern seinen 9 Kilogramm schweren Spitzkohl. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Francesco Docimo (72) präsentiert in seiner Parzelle in der Kleingartenanlage des KGV Ruhrau inDuissern seinen 9 Kilogramm schweren Spitzkohl. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Duisburg. Wer im Supermarkt an der Gemüsetheke nach einem handelsüblichen Spitzkohl greift, der hat normalerweise ein anderthalb bis zwei Kilogramm schweres Gewächs in der Hand. Über solch ein Nettogewicht kann Francesco Docimo nur höflich schmunzeln.

Das selbst gezüchtete und soeben geerntete Prachtstück des Kleingärtners bringt satte neun (!) Kilo auf die Waage. Und das ist nicht die erste Riesen-Ernte, die der in Neudorf lebende Docimo einfährt.

Der gebürtige Italiener ist nun seit 36 Jahren – also genau der Hälfte seines Lebens – Pächter einer rund 380 m² großen Parzelle auf dem Gelände des Kleingartenvereins Ruhr-au in Duissern. Trotz der hohen Lärmschutzwand ist das Rauschen des Verkehrs auf der nahe gelegenen A 40 in jeder Sekunde zu hören. Doch den 72-Jährigen stört das nicht, er hat sich im Laufe der Jahrzehnte längst daran gewöhnt. Den Genuss an seinem Garten kann das nicht schmälern.

Jeden, aber auch wirklich jeden Tag kommt der frühere Baustellen-Facharbeiter in seinen Grüngürtel. Und seitdem er 1999 in Rente gegangen ist, widmet sich der Mann mit dem grünen Daumen mit noch mehr Hingabe als zuvor seinem allerliebsten Hobby: der Pflege des Gartens.

Und was ist nun das Geheimnis sein es überdimensionalen Erfolges? Kennt er spezielle Tricks, die seine Saat in solch dicke Brocken verwandeln? „Nein, eigentlich nicht. Das Wichtigste ist, dass der Kohl jeden Tag genügend Wasser bekommt“, sagt Docimo. Zudem benutze er einen trockenen Kuhdünger und achte darauf, dass der Boden im Beet regelmäßig aufgelockert wird. Aber ansonsten? Alles ganz normal, keinerlei Geheimzutaten. Es scheint tatsächlich die besondere Zuwendung des aus der süditalienischen Region Kalabrien stammenden Kleingärtners zu sein, der für diesen Wahnsinns-Wuchs verantwortlich ist.

Und was geschieht nun mit dem Riesenkohl? „Den nehme ich mit nach Hause. Und dort macht meine Frau Anneliese daraus einen wunderbaren Gemüsetopf“, verrät der Senior die Aufgabenteilung im Hause Docimo. „Aber von der Portion würden wahrscheinlich vier Familien satt werden“, sagt Docimo und lacht.

Die zartesten Blätter im Inneren würde seine Frau zum Zubereiten von besonders leckeren Kohlrouladen nutzen. „Und ich weiß, dass ich nichts gespritzt oder mit Schädlingsbekämpfern behandelt habe. Das da“, sagt Docimo und deutet auf seinen Spitzkohl, „das da ist wirklich Bio!“ Und so etwas hat natürlich auch Auswirkungen auf das Aroma. „Also ich schmecke einen Unterschied zwischen meinem Spitzkohl und dem aus dem Supermarkt.“

Doch nicht nur der Kohl gedeiht derart prächtig. Auch Kürbisse oder Kohlrabi verwandeln sich regelmäßig in einen echten Kaventsmann. „Letztes Jahr hatte ich eine Kohlrabi, die wog 15,5 Kilo.“ Die Ausmaße zeigt der Kleingärtner mit seinen Händen an. Und wer den Riesen-Spitzkohl neben ihm liegen sieht, der glaubt ihm sofort jedes Wort.

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