Der "Pottkoch" eröffnet ein Suppen-Lokal mitten in Duisburg

In den Ferien freut sich Tom Waschat über die Unterstützung von Tochter Marlene an den Suppentöpfen.
In den Ferien freut sich Tom Waschat über die Unterstützung von Tochter Marlene an den Suppentöpfen.
Foto: Stephan Eickershoff
Der Duisburger Koch Tom Waschat liebt Suppen. In seinem neuen Lokal in der Innenstadt verkauft er sie – und verschenkt sie auch an Obdachlose und Kinder. Bis in einem Jahr möchte er drei "Supper"-Standorte im Ruhrgebiet haben und setzt dabei auf freundschaftliche Hilfe.

Duisburg.. Der Deutsche Sprachrat kürte vor zehn Jahren klebrig-kitschig den Begriff „Habseligkeiten“ zum „schönsten deutschen Wort“. Unfug wie „Rhabarbermarmelade“ landete ebenfalls auf einem vorderen Platz. Das ist ungefähr so einfallsreich wie die Bezeichnung „Deutscher Sprachrat“ selbst. Die richtige Wahl wäre so einfach gewesen. Es gibt ein Wort, das altmodisch klingt, ein bisschen verblüht, aber auch nach Zuhause, nach gutem Gefühl. So schlicht: Suppe. Alle Empfindungen, die beim Hören aufkommen, hat der Duisburger Koch Tom Waschat ein einen kleinen Laden gepackt. Er verkauft sie – und verschenkt sie auch.

„Das war mein Schulweg“, erzählt Waschat und lässt den Arm von der Wallstraße zum Sonnenwall hinüberschwingen. „Da hinten war früher ein Bäcker, bei dem es manchmal Kuchenreste gab. Ich bin mit geringen Mitteln groß geworden und war glücklich, wenn ich mal einen Amerikaner vom Vortag bekommen habe. Aber danach zu fragen, das hat Überwindung gekostet.“ Der Koch macht es Kindern, die Hunger haben, leichter. „Einfach reinkommen und Suppe essen! Ihr bezahlt nix“, hat Waschat auf einen Zettel geschrieben, der vor seinem neuen Laden „Supper“ in der Stadtmitte auf einem Tisch steht. Diese Einladung gilt auch für Menschen ohne Heim. „Das ist mein Punk-Gedanke“, erzählt er, lächelt dabei selbst über den Ausdruck. „Die Menschen können sich gegenseitig helfen. Wer einen Euro übrig hat, finanziert das mit. So funktioniert Gesellschaft.“

Pasteurisierte Suppe wird "reaktiviert"

Tom Waschats Suppen-Laden ist keine reine Hilfseinrichtung. Er ist ein Geschäft. Und er ist Luxus – aber nur aus Sicht des erfolgreichen Kochs, dessen gewöhnliche Tagessätze höher sind als das, was er in einem ganzen Monat mit „Supper“ verdienen könnte.

Zwei Jahre machte er sich über das Konzept Gedanken. Neu ist es nicht, in größeren Städten sind Suppen und Eintöpfe längst eine Alternative auf dem Fast-Food-Markt. Aber Waschat wollte mehr. 15 Suppen zu rezeptieren war dabei wohl die kleinste Herausforderung. Komplizierter sei es, einen gleichbleibenden Geschmack zu gewährleisten. „Wenn ich einen Liter Suppe koche, ist das was anderes, als in meiner Zentralküche in Bad Münstereifel 100 Liter kochen zu lassen“, erklärt Waschat. Da tat sich das nächste Problem auf: Hunderte Liter Suppe sollen umweltschonend hergestellt, transportiert und gelagert werden. „Deshalb füllen wir sie in Gläser und pasteurisieren sie. Es gibt keine Kühlkette“, betont der Duisburger. „Im Laden wird die Suppe dann reaktiviert. So nennt man das – warm machen, das würde es aber genauso gut beschreiben“, sagt er lachend.

Auf Expansionskurs

„Dass ich den Laden im Hochsommer eröffne und Suppe anbiete, das ist schon mit einem betriebswirtschaftlichen Risiko behaftet“, formuliert Waschat vorsichtig. Doch so habe er die Möglichkeit, noch etwas an den Stellschrauben zu drehen und die Entwicklung des Ladens zu beobachten, bis die eigentliche Suppensaison einsetzt.

In einem Jahr soll es drei „Supper“-Standorte im Ruhrgebiet geben – mit dem gleichen Konzept, dem gleichen Geschmack und dem gleichen sozialen Engagement. „Suppe zeigt eine gewisse Haltung“, sagt Waschat. „Sie hat uns früher satt gemacht und dem Körper gleichzeitig das gegeben, was er brauchte. Die Suppe gehört zur Ruhrgebietskultur, aber auch zur christlichen Kultur.“ All das ist also auch in Waschats kleinen Töpfchen. „Auch wenn ich am Ende nur dastehe und eine heiße Suppe über die Theke reiche.“

Tom Waschat war als „Pottkoch“ im Fernsehen, wird auf der ganzen Welt gebucht, engagiert sich stets für sozial schwächere Menschen und ist nebenbei noch Musiker. In letztere Rolle schlüpfte er, als er die Standortanalyse für sein Ladenkonzept zwischen Wallstraße und Sonnenwall durchführte. „Ich habe mich mit einer Gitarre und einem Hut hier an die Ecke gestellt“, sagt er. Am Stromkasten gegenüber seines neuen Ladens spielte er fast den ganzen Tag. „35 Euro und 17 Cent waren später im Hut. Drei Tage später stand ich im Laden und habe ihn gekauft.“

Kollegen und Freunde

Das Einrichtungskonzept erarbeitete Waschat gemeinsam mit einem Kindergartenfreund seines Sohnes. „Marvin wird Bauingenieur und möchte seine Diplomarbeit über das Projekt schreiben.“ Anstatt einen externen Dienstleister damit zu beauftragen, ist das „Supper“-Konzept so im Freundeskreis geblieben. „Ich habe ihm dafür ein Golf 1 Cabrio für einen Urlaub in Südfrankreich gekauft und finanziere das Studium in Dublin an einer der besten Unis der Welt in diesem Bereich. Das wird später ein Türöffner für ihn sein.“

Die Geschäftsführung von „Supper“ übernimmt Waschats Kollegin Rosemarie Schmid-Denker. „Mit ihr habe ich schon für die Fanta 4, Metallica und Max Raabe gekocht. Sie wagt hier einen Neuanfang.“

Waschat könnte stundenlang mehr solcher ungewöhnlichen Geschichten erzählen, die hinter „Supper“ stecken. Für den Koch selbst sind sie nicht ungewöhnlich, was sie umso schöner macht. Sie sind selbstverständlich.

 
 

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