Der Mann mit dem goldenen Händchen in Duisburg

Genau unter die Lupe genommen: Joachim Struck vom Pfandverleiher Werdier überprüft ein Goldstück
Genau unter die Lupe genommen: Joachim Struck vom Pfandverleiher Werdier überprüft ein Goldstück
Foto: WAZ FotoPool
Joachim Struck ist Mitinhaber des Pfandverleihers Werdier. Er erkennt mit Hilfsmitteln, ob Schmuck echt ist. Die meisten Kunden kommen regelmäßig, um einen finanziellen Engpass kurzfristig auszugleichen. Die Stücke müssen innerhalb von vier Monaten ausgelöst werden, sonst werden sie versteigert.

Duisburg.. Für Joachim Struck vom Pfandleihhaus Werdier an der Königstraße läuft das Geschäft buchstäblich brillant. Denn die meisten der Kunden, die in das Leihhaus in der City kommen, versetzen Schmuck wie Brillanten oder Goldgeschmeide. Dabei kommen durchaus häufiger fünfstellige Beträge zusammen, die sie für die guten Stücke bekommen, erläutert Struck. Er ist Mit-Inhaber des Leihhauses, das acht Filialen bundesweit hat.

Die „teuersten“ Kunden sind laut Struck dabei „die vielen Stammkunden“, die regelmäßig ihre Wertsachen bringen. „Das sind meist Leute, die aus irgendeinem Grund keinen Bankkredit bekommen. Es können jüngere Menschen oder Rentner sein, aber auch ausländische Bürger oder Selbstständige, die einen finanziellen Engpass überbrücken müssen“, sagt Struck, der auch Vorsitzender des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes ist.

Nur neue Smartphones

Doch die Pfandverleiher akzeptieren nicht alles. „Über 90 Prozent der Sachen hier sind Schmuck oder hochwertige Uhren. Wir nehmen aber auch Sammlerstücke wie Porzellan und hochwertige Geräte wie aktuelle Smartphones, Tablet-PCs oder Laptops“, erklärt Struck. Die elektronischen Geräte dürften aber nicht ein älteres Modell sein. „Das iPhone 4 zum Beispiel nehmen wir gar nicht mehr.“ Auch bei Fernsehern, die nicht top-aktuell und teuer sind, gucken die Kunden in die Röhre. „Und Omas Pelzmantel geht auch nicht.“

Gerade bei Schmuck oder technischen Geräten versuchen die Leute aber immer wieder, den Pfandverleihern Imitate anzudrehen. Doch auf den vermeintlich schönen Schein fallen sie nicht herein. „Wir testen mit Lupen, Waagen und Säuren die Echtheit des Schmuckes. Für Diamanten haben wir ein Spezialgerät, das die elektrische Leitfähigkeit prüft“, sagt Struck. Und ein großes Glas Wasser ist nicht etwa dazu da, den Durst zu löschen. Vielmehr taucht Struck dort Edelmetalle ein, „weil sie im Wasser ein spezifisches Gewicht haben“. Bei technischen Geräten genüge meist ein Blick ins Innenleben, um zu sehen, ob nicht nur das Gehäuse eines Smartphones neuwertig sei.

Meist 35 bis 40 Prozent des Werts

In der Regel bekommen die Kunden, die sich immer ausweisen müssen, „35 bis 40 Prozent“ des Wertes von dem versetzten Gegenstand. Dann haben sie vier Monate Zeit, dieses wieder zurückzukaufen, die Pfandverleiher kassieren dafür Gebühre. Holt der Kunde die Sachen nicht innerhalb von vier Monaten ab, werden sie versteigert. Springt mehr heraus als der Pfandverleiher gezahlt hat, erhält der Kunde die Differenz. Und wenn er sich nicht innerhalb von zwei Jahren meldet, fließt das Plus „in die Stadt- oder Landeskasse“, so Struck. Doch: „95 Prozent der Menschen lösen ihre Sachen rechtzeitig aus.“

 
 

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