Der lange Weg zur Normalität

Hinter den Mauern des Rathauses: Stirnrunzeln, Ärger, große Trauer, Frustration und Wut gegen das Stadtoberhaupt - aber auch manches Verständnis für den OB. Foto: Clemens Bilan/ddp
Hinter den Mauern des Rathauses: Stirnrunzeln, Ärger, große Trauer, Frustration und Wut gegen das Stadtoberhaupt - aber auch manches Verständnis für den OB. Foto: Clemens Bilan/ddp
Foto: ddp

Viele Führungskräfte in der Duisburger Stadtverwaltung „schämen sich für das Verhalten ihres Oberbürgermeisters“. So hat ein prominentes Mitglied der Führungsriege der Stadt die aktuelle Stimmung vier Wochen nach dem Loveparade-Unglück beschrieben.

Deshalb werde auch die „Rückkehr in die Normalität“, so wie sie am Dienstag OB Adolf Sauerland bei einem Arbeitsfrühstück im Rathaus von seinen Führungskräften eingefordert hat, auch kein ganz schneller Prozess werden. Denn, so bringt es der Teilnehmer dieser Runde auf den Punkt: „Die Katastrophe der Loveparade „sei schon sehr schlimm gewesen“, doch was danach im Rathaus geschehen sei, sei „genau so schlimm“ gewesen.

Besonders übel nehmen viele Rathaus-Beschäftigte ihrem Chef, dass er in den Tagen nach der tödlichen Massenpanik vor die Medien getreten sei und dort seine persönliche Rolle im Zuge der Love-Parade-Vorbereitungen kleingeredet habe. Das sei ein schwerer „Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter“ gewesen. Diesen Schlag aber habe der OB als Dienstherr von 6000 Beschäftigten in der Stadtverwaltung „bis heute gar nicht realisiert.“

Ein anderer Beobachter der Runde spricht von einem „sehr, sehr, sehr langen Prozess der Rückkehr in die Normalität.“ Da gebe es viel „Stirnrunzeln, Ärger, große Trauer, aber auch Frustration und Wut“, die sich gegen den OB richte. Er sieht derzeit einen Bruch im Vertrauen zwischen vielen Beschäftigten und ihrem obersten Dienstherren. „Viele Beschäftigte in den Ämtern, die jetzt Sachverhalte genehmigen oder ablehnen müssen, haben große Hemmungen und auch Angst, wenn sie da jetzt im Namen des Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg Briefe oder Bescheide unterschreiben sollen.“ Ihre Sorge: Was wird daraus, wenn es heikel wird? Bleibt es am Ende an mir persönlich kleben?

Bleibt es am Ende an mir
persönlich kleben?

Doch es gab auch Teilnehmer der Führungsrunde, die mit der Haltung und der Argumentation des Oberbürgermeisters leben konnten. „Sein Bitten um Nachsicht für entstandende Missverständnisse konnte und mochte ich auch nachvollziehen“, so ein Teilnehmer. Unterschiedlich die Einschätzung ob eine Mehrheit der Rathaus-Beschäftigten „pro oder contra“ Sauerland eingestellt seien. Die Einschätzung einer Führungskraft lautet: Die Mehrheit der Rathaus-Beschäftigten steht misstrauisch, total irritiert und im Grunde ablehnend dem OB gegenüber. Eine andere erklärt: Es gibt keinen großen Dissens mehr.

Und der Applaus? Wieso gab es Applaus von den Mitarbeitern und wofür? „Du lieber Himmel“, so ein Teilnehmer, zwischen höflichem Klatschen und frenetischem Applaus lägen doch Welten und hier sei stets nur höflich geklatscht worden – denn da trete immerhin der Chef vor die Mitarbeiter und dann sei es gar nicht so leicht, einfach im stummen Protest vor ihm zu stehen oder zu sitzen. Also werde brav geklatscht.

„Viele“, so sagt ein Mitarbeiter zur NRZ, „wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen.“ So etwas, wie die Loveparade-Katastrophe sei schließlich noch nie passiert. Außerdem gebe es immer noch den Unterschied zwischen der „privaten“ und der „dienstlichen“ Meinung. Lautstarker Protest formiere sich nicht: „Die Leute wollen hier ja noch weiter arbeiten.“

 
 

EURE FAVORITEN