Der Landschaftspark Nord - früher "Apotheke des Ruhrgebiets", heute Freizeitort

Willi Mohrs
Seit 1996 erstrahlt das alte Hüttenwerk durch die Lichtinstallation von Jonathan Park.
Seit 1996 erstrahlt das alte Hüttenwerk durch die Lichtinstallation von Jonathan Park.
Foto: WAZ
Ob Extraschicht, Traumzeit-Festival oder Mai-Kundgebungen - der Landschaftspark Nord in Duisburg hat viel zu bieten. Einen einzigartigen Panoramablick kann man vom Hochofen genießen und der Erzbunker lädt zum Klettern ein. Dabei begann alles mit einem Hüttenwerk: der Apotheke des Ruhrgebiets.

Duisburg. Kultur, Natur, Sport, Freizeit, Politik, Abenteuer, Erholung, Erinnerung – all das bietet der Landschaftspark Nord in sicherlich einmaliger Vielfalt. Im Hellen oder im Dunkeln? Der Besuch lohnt sich im Hellen und im Dunkeln, ist abends oder nachts aber am spektakulärsten. Dank Jonathan Park, der Hochofen, Winderhitzer und mehr mit seiner Lichtinstallation seit 1996 zum Gesamtkunstwerk gemacht hat.

Ein Werk ganz anderer Art stand am Anfang der Parkgeschichte, nämlich ein Hüttenwerk, ab 1901 errichtet. 1903 wird der erste Hochofen angeblasen, 1912 sind fünf Hochöfen in Betrieb und in den nächsten rund acht Jahrzehnten werden auf der Meidericher Hütte 37 Millionen Tonnen Eisenspezialitäten hergestellt, was dem Werk den Namen „Apotheke des Ruhrgebiets“ einbrachte.

200 Hektar ausgedehntes Industriegelände

Ende der 60er Jahre begann der Niedergang der Hütte, zwei Hochöfen wurden abgerissen, zwei weitere 1982 stillgelegt. 1985 erlosch die letzte Glut im modernen Hochofen 5, der nur zwölf Jahre lang Roheisen lieferte. Thyssen konzentrierte die Produktion auf andere Standorte. Der geplante Verkauf des Hochofen-Jünglings nach China scheiterte – glücklicherweise, wie sich später herausstellte.

Was machen mit rund 200 Hektar ausgedienten Industriegeländes, war die Frage. Von Abriss der Anlagen und Gebäude war schnell die Rede. Dann kam die Internationale Bauausstellung IBA Emscherpark, und wie an vielen Stellen im Revier wurde bisher Undenkbares gedacht: Stehen lassen, was vielen als Schrott erschien, alten Strukturen neues Leben einhauchen, in und zwischen Industriebauten Freiräume schaffen für neues Erleben alter Architektur.

Panoramablick aus 70 Metern Höhe

Ein paar Highlights: Der Hochofen 5 lädt ein zu einem einzigartigen Panoramablick aus 70 Metern Höhe. Einzige Bedingung: Treppensteigen bis oben. Im früheren Gasometer, gefüllt mit 20.000 Kubikmeter Wasser wird getaucht, Teile der einstigen Erzbunker wurden vom Alpenverein zum anspruchsvollen Kletterpark ungenutzt. Kraftzentrale, Gießhalle und Gebläsehalle wurden zu Veranstaltungsorten für vielfältige Nutzungen – von Firmenpräsentationen bis zu Veranstaltungen der Hochkultur. Extraschicht, Traumzeit-Festival und Mai-Kundgebung gehören zum festen Landschaftspark-Terminkalender.

Abseits der augenfälligen Attraktionen locken ruhige Ecken und eine einzigartige Industrie-Natur mit Dutzenden von Vogel- und Hunderten von Pflanzenarten – zum Teil exotischen, die mit dem Erz nach Duisburg kamen.