Der durch die Wüste rennt

Die endlose Weite der Sahara: Tagsüber droht den 134 Läufern ein Sonnenbrand, nachts empfängt sie klirrende Kälte. Fotos: privat
Die endlose Weite der Sahara: Tagsüber droht den 134 Läufern ein Sonnenbrand, nachts empfängt sie klirrende Kälte. Fotos: privat
Abenteuer für Extremsportler: Der Neudorfer Martin Jansen ist in fünf Tagen 100 Kilometer durch die Sahara gelaufen.

Duisburg. Auf der letzten Etappe vertraut Martin Jansen auf die letzten Reserven seines Körpers. Den Verpflegungsstand lässt er links liegen. Wasser hat er noch im Rucksack, auf Datteln, Kekse und Honig, die von Helfern gereicht werden, verzichtet er. 14 Kilometer hat er an diesem fünften Tag in der Wüste bereits hinter sich, sieben Kilometer liegen noch vor ihm. Plötzlich steigen die Dünen an, manchmal beträgt der Höhenunterschied bis zu acht Meter. Die Sonnenbrille ist ihm am Vortag irgendwo abhanden gekommen, der feine Sand weht ihm ins Gesicht.

Jansen holt die Schneebrille heraus, kämpft sich weiter durch den endlosen Sand, der unter den Schritten nachgibt und die Beine seit fünf Tagen müde macht. Dann sieht er die Stadt Douz mit dem Ziel auftauchen, legt noch einmal zu und macht am Ende drei Plätze gut. Als 51. von 134 Extremsportlern kommt er ins Ziel, völlig erschöpft, aber glücklich. „Besser hätte es nicht laufen können“, sagt Jansen nach 100 Kilometern durch die Sahara.

Es war sein erstes Rennen durch die Wüste, er wollte gesund und sicher und nicht als Letzter das Ziel erreichen. „Mit so einem Ergebnis war nicht zu rechnen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit vorne lande“, sagt der 34 Jahre alte Neudorfer im Gespräch mit der NRZ. Schmerzen? „Die Knie tun noch reichlich weh“, sagt Jansen. Und sein Zeh ist lädiert, woran es gelegen hat, weiß er nicht genau. Die Schuhe mit den Wüstengamaschen haben gehalten. Seine Füße waren schnell so weit angeschwollen, dass ihm die anderthalb Nummer zu großen Spezialschuhe gepasst haben. Vom Sonnenbrand blieb er verschont - Lichtschutzfaktor 50 sei dank.

Der Wüstenlauf war vor allem auch Abenteuer mit Entbehrungen. Tagsüber die Hitze, nachts die klirrende Kälte, mitunter auch stürmischer Wind. „In der ersten Nacht ist mir das Kopfkissen weggeflogen“, erzählt Jansen. Geschlafen haben je sechs Läufer im dicken Schlafsack in einem Berberzelt, das an einer Seite offen ist. Der Wind hat das halbe Zelt auseinander genommen. „Als ich aufgewacht bin, war mein Kopfkissen schon irgendwo in der Sahara unterwegs“, flachst er.

Für ihn ein besonderes Ereignis: Der „Sprint“, ein Lauf durch die minus fünf Grad kalte Wüstennacht über sieben Kilometer, für die er knapp 36 Minuten brauchte. Die Läufer starten dabei zeitweise, Jansen war der Erste, der durchs Ziel lief. Am Ende freute er sich mit Rang 33 über seine beste Etappen-Platzierung. Wer sein Laufshirt zum Trocknen aufgehängt hatte, fand es am nächsten Morgen steif gefroren wie ein Brett wieder. Und da stand auch gleich schon wieder eine Marathon-Distanz auf dem Programm.

Schlapp macht der Neudorfer selbst nach 100 Kilometer durch die Sahara nicht. Am Sonntag will er in Dinslaken bei „einem kleinen Volkslauf“ starten: „Wenn meine Knie dann wieder mitspielen“.

 
 

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