Der Bluesrocker und der Fluss

„Born By The River“: Wolfgang Döhr ist in Laar und Beeck aufgewachsen, lebt heute in Aldenrade – und liebt „seinen“ Fluss, den Rhein.
„Born By The River“: Wolfgang Döhr ist in Laar und Beeck aufgewachsen, lebt heute in Aldenrade – und liebt „seinen“ Fluss, den Rhein.
Foto: Funke Foto Services
Wolfgang Döhr und seine Mitstreiter der Band Smoking Wolf erzählen auf ihrem Premieren-Album zwölf Geschichten aus der Heimat – und das ist Duisburg.

Duisburg..  Wolfgang Döhr ist nicht nur ein bekennender Bluesrocker, sondern vor allem ein überzeugter Lokalpatriot. In den zwölf Songs, die auf dem neuen Album seiner Band Smoking Wolf zu hören sind, hat der 56-jährige Musiker ausschließlich Geschichten aus seinem Leben verarbeitet. Fast alle davon spielen in Duisburg.

So auch „Born By The River“. Denn hier am Rhein, am großen Fluss, wurde er im Jahr 1958 geboren. Und zu diesem Stück hat der Sänger mit der rauchigen Stimme zusammen mit seinen Bandkollegen Michael Strohm (Bass) und Dirk Seiler (Drums) in Eigenregie ein Video aufgenommen. Zu sehen gibt’s darin vor allem ganz viel von Duisburg, also ganz viel Heimat.

Der Treffpunkt für das Interview liegt – natürlich – am Fluss. Genauer gesagt: am Anleger der Rheinfähre in Walsum. Drei Minuten Autofahrt von hier entfernt lebt er auf der Grenze zwischen Aldenrade und Fahrn. Döhr grüßt mit kräftigem Händedruck, er trägt Stiefel zum schwarzen Cowboyhut. „Ich gehöre aber nicht in die Countrymusik-Ecke“, sagt er mit Blick auf sein Garderobe. Nein, er liebt viel mehr das infernalische Gitarren-Gewitter eines Jimi Hendrix, die brettharte Soundwand von Deep Purple. Diese Künstler waren es, die Döhr einst inspirierten und mit dem Musikbazillus infizierten.

Hendrix im Transistorradio

„Mama, ich will auch mal ein Rock’n’Roller werden“, sagte Döhr emotional berauscht, nachdem er als Jugendlicher Anfang der 70er „Hey Joe“ von Hendrix in seinem Transistorradio gehört hatte. Als 13-Jähriger leiste er sich seine erste zusammengesparte E-Gitarre – natürlich eine Stratocaster. Das Spielen brachte sich Döhr selbst bei. Und zwar durch ständiges Hören seiner Lieblingsplatten. Mit ein paar Kumpels aus der Nachbarschaft probte er permanent. Im Keller der Eltern, damals in Beeck. „Das haben wir von morgens bis abends gemacht – so lange, bis meine Mutter den Stecker gezogen hat“, erzählt Döhr und lacht.

Sein Traum vom Berufsmusiker erfüllte sich jedoch nicht sofort: Stattdessen absolvierte er bei Thyssen eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Ein Job, den er viele Jahre ausübte. Doch die Musik blieb seine Berufung. Er studierte Gitarre an einem Institut in Offenbach. So schaffte er später den Sprung in Begleitbands berühmter Sänger – etwa bei Grand-Prix-Sieger Johnny Logan („Der heißt eigentlich Sean und ist gar kein Ire, sondern Australier“) oder Bobby Kimball, Stimme der Band Toto.

Nun ist der Traum von der eigenen Band endlich in Erfüllung gegangen. Smoking Wolf heißt das Trio. Im Frühjahr kam mit „Here Comes Trouble“ die erste eigene CD auf den Markt. Es ist torfiger, ehrlicher Bluesrock. „Das ist, was ich in mir fühle. Es muss ja auch authentisch sein. Die Leute vor der Bühne merken schnell, wenn du ihnen was vormachst“, sagt Döhr. Wer es heutzutage auf den schnellen Euro abgesehen habe, so Döhr, der müsste sich eigentlich dem so extrem beliebten Schlager zuwenden. „Aber das bin nicht ich: Volksmusik kann ich nicht!“

Immer weniger geeignete Auftrittsorte

Döhr würde mit seinen Bandkollegen gern viel öfter Konzerte geben. „Aber es gibt immer weniger Auftrittsmöglichkeiten – gerade in Duisburg“, klagt der Künstler. Dass er künftig wieder mehr Live-Gigs geben kann, dabei soll ihm ein Agent helfen. „Wir suchen jemand, der zu uns passt.“

Seine Lieblingsstelle in Duisburg ist die Mühlenweide unterhalb der Friedrich-Ebert-Brücke in Ruhrort. Dort fuhr er mit seiner damaligen Herzdame in seinem Käfer immer zum Knutschen hin.

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