Den besten EM-Song spielen Popolski-Mitglieder mit den „Funky Freaks“

„Ole Ole Ole Ole“: Die frisch gegründete Band „Funky Freaks“ aus Duisburg im Video zu ihrem ersten veröffentlichten Song.
„Ole Ole Ole Ole“: Die frisch gegründete Band „Funky Freaks“ aus Duisburg im Video zu ihrem ersten veröffentlichten Song.
Foto: Funky Freaks
Der vielleicht beste EM-Song kommt aus Duisburg. Wobei „Ole Ole Ole Ole“ ein Fußballsong über die Abseitsfalle aller ist, die sich zwischen König Fußball und ihrer Frau entscheiden müssen. Geschrieben haben ihn die „Funky Freaks“. Bei ihnen spielen sieben Popolskis mit.

Duisburg. Wenn über die hässlichen Seiten des Fußballs gestritten wird, verschweigen Kritiker immerzu eine, die ebenfalls Schmerzen verursacht: Fußballlieder. Man fragt sich, warum die DFL noch die das Abspielen von Vereinshymnen in der Bundesliga verbieten wollte. Und die meisten Fußballsongs, mit denen Spaßvögel aller Stilrichtungen vor großen Turnieren die Charts manipulieren wollen, fallen mittlerweile sogar am Ballermann durch. Bei der EM 2012 ist das nicht anders, wie zum Beispiel „Kollege Reiff“ (All you need is Löw), „Jogis Löwen“ („Fußball-Deutschland stark wie nie – we are creating history!“) oder die „Kneipenterroristen“ („2012 wird unser Jahr“) eindrucksvoll beweisen.

Ähnlich überraschend wie der EM-Gewinn der Griechen 2004 ist da, was die „Funky Freaks“ am Wochenende auf Youtube (siehe Video unten) ablieferten: einen Ohrwurm mit Stil; einen Rhythmus, bei dem der Funk-Fan mit muss – nicht weniger als eines der besten Fußballlieder seit Gerry & the Pacemakers „You’ll never walk alone“, Bums und Tomtes „Das hier ist Fußball“. (Zugegeben: So viele gute gibt’s auch nicht.) Wenn der Hamburger Werder-Fan Jan Delay zehn Lieder über Fußball schreiben müsste, klänge eines sicher wie das erste Lied überhaupt, das die „Funky Freaks“ veröffentlicht haben. Und das heißt auch noch wie der ultimative Fangesang, der von Spanien aus Mitte der 80-er die Stadien dieser Welt eroberte und heute vom unvermeidlichen Gegröle auf „Seven Nation Army“ übertönt wird: Olé, Olé, Olé – nur ohne accent aigu und mit einem Ole mehr. „Ole Ole Ole Ole.“

Mehr Groove und weniger Worte als Roger Cicero

Das nächste Fußballwunder: Dieses Lied hat einen deutschen Text, der nicht lächerlich ist oder für An- und Betrunkene verfasst wurde. Mehr noch: Er behandelt ein Dilemma, das viele Sportfreunde umtreibt, deren Lebensgefährtinnen nicht auch König Fußball huldigen. So gesteht Sänger Andreas Schleicher in „Ole Ole Ole Ole“ seiner eifersüchtigen Liebsten: „Elf Freunde und die Pille haben sich zwischen uns gestellt.“ Es wird erst alles gut, als er ihr eine Dreiecksbeziehung anbietet: „Komm her, mein Schatz, probier ob dir der Fußballschuh auch passt.“ Ein Glück auch, dass die „Funky Freaks“ dabei nicht so viele Worte machen wie Roger Cicero („Für nichts auf der Welt“) und überhaupt nicht pathetisch klingen. Bei ihnen geht es frei nach Bill Shankly nicht um Leben oder Tod – es geht um mehr oder weniger: den Haussegen und die Eroberung einer Männerdomäne.

Dass die bislang völlig unbekannten „Funky Freaks“ ihre Instrumente und das Liederschreiben derart meisterlich beherrschen, überrascht nur auf den ersten Blick. Denn in der neu gegründeten Formation geben sieben Mitglieder der legendären Familie Popolskiden Ton an: Andreas Schleicher („Andrzej“) singt, Mirko van Stiphaut („Mirek“) und Markus Grieß („Marek“) spielen Gitarre, Peter Deinum (kein Popolski) bedient den Bass, Daniel Basso („Danusz“) das Keyboard. Am Schlagzeug: Jörg Hamers a.k.a. „Bogdan“. Dazu machen Ludwig Götz („Henjek“, Posaune) und Rüdiger Testrut („Stenjek“, Trompete) als Bläser ordentlich Druck.

Erste Funky Freakshow am 29. Dezember im Grammatikoff

Seit 2004 sind die Popolskis live unterwegs, „und seit ewigen Zeiten schon wollten einige von uns mal gemeinsam Funk machen“, sagt Markus Grieß. Opa Popolski mag 128.000 Popsongs komponiert haben, die Darsteller seiner Nachfahren verehren aber auch den Godfather of Soul, James Brown und Prince. Das seit Jahren ungeborenen Baby der Profi-Musiker, das nun also auf den Namen „Funky Freaks“ hört, soll so in einer echten Marktlücke groß werden. Der ambitionierte Plan klingt nach Dauerspagat: Funk mit deutschen Texten zum Thema Fußball.

Die Konzerte sollen „Funky Freakshows“ mit zwei mal 45 Minuten Spiel- und Nachspielzeit werden. Und obwohl die Band noch keine elf Songs geschrieben hat, ist das Grammatikoff am Dellplatz bereits für die erste „Funky Freakshow“ gebucht: am 29. Dezember. So viel Selbstvertrauen hätte die Équipe Tricolore gern. Ideen jedenfalls haben die acht Freunde mehr als Ronaldo Tricks: vom „Ton des Monats“ bis zum Band-Maskottchen (ein Ball, na klar).

Den „Ole Ole Ole Ole“-Text aus der Feder Jörg Hamers’ nennt auch Familienvater Markus Grieß freilich „autobiografisch. Kennt man ja: Man will ins Stadion, und zu Hause ist der Spieleabend angesetzt.“ Beispielhaft für Fußballfreunde ist obendrein das friedliche Miteinander der Bandmitglieder, unter denen sich Schalker, BVB- und sogar Bayernfans finden. Im Video zu „Ole Ole Ole Ole“ treten sie aber alle im schwarz-weißen Funky-Freaks-Trikot auf.

Die Familie Popolski rockt weiter

Der Clip ist ein Schnellschuss, mitten in die EM. Grieß: „Ja, das passte gerade so gut.“ Der Manager und Alleskönner drehte das Webvideo mit einer Kamera an einem Wochenende in seiner Wohnung in Duissern. Und diese unwiderstehlich groovenden 3:35 Minuten erhöhen die Vorfreude auf die Spielfreude der Freaks und lassen hoffen, dass sie dauerhaft einen Beitrag zur Fußballkultur leisten werden. Schön wär’s.

„Ole Ole Ole Ole“ gibt’s übrigens auf www.funkyfreaks.de als Gratis-Download. Und: Ja, Der Familie Popolski macht weiter wie bisher.

 
 

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