Demonstranten fordern Sauerlands Rücktritt

Polizisten bewachen während einer Demonstration gegen die Verantwortlichen des Loveparade-Unglücks das Duisburger Rathaus. Foto:ddp
Polizisten bewachen während einer Demonstration gegen die Verantwortlichen des Loveparade-Unglücks das Duisburger Rathaus. Foto:ddp
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Duisburg.. Hunderte Menschen forderten Donnerstagmorgen bei einer Demo vor dem Rathaus den Rücktritt von OB Adolf Sauerland. Er war massiv in die Kritik geraten, nachdem nach einer Massenpanik bei der Loveparade 21 Menschen starben.

Die Stimmung vor dem Duisburger Rathaus ist aggressiv. Mehrere Hundert Bürger haben sich dort am Donnerstagvormittag zu einer Kundgebung versammelt, um gegen die Verantwortlichen der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten zu protestieren. Von der Treppe vor dem Rathaus aus wenden sich immer wieder Redner mit Megafonen an die Anwesenden und fragen nach den Schuldigen und den Konsequenzen aus dem Ereignis. Einige Menschen tragen Schilder, auf denen sie den Rücktritt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) fordern.

Sauerland steht an diesem Tag im Mittelpunkt der Kritik. Immer wieder skandiert die Menge „Sauerland raus!“ oder „Sauerland weg!“ Redner, die zu Besonnenheit aufrufen oder auch Verständnis für das Stadtoberhaupt zeigen, werden ausgebuht und kommen kaum zu Wort. Die Emotionen kochen hoch. Viele Teilnehmer der Loveparade melden sich zu Wort und schildern ihre Erlebnisse vom Samstag. Aus Kritik an der angeblichen Profitgier der Loveparade-Verantwortlichen und Behörden wirft ein Demonstrant Euro-Münzen auf die Rathaustreppe.

„Sauerland - Schämen Sie sich!“

„Wir wollen die Politiker unter Druck setzen, damit sie die Verantwortung für den Vorfall übernehmen“, sagt Markus Schröder. Der 40-jährige Maler und Lackierer hat die Protestkundgebung organisiert. Nach seiner Ansicht ist Oberbürgermeister Sauerland in seinem Amt „nicht mehr tragbar“. Eine Ansicht, die wohl von fast allen Anwesenden geteilt wird. So tragen einige Teilnehmer Sweat- oder T-Shirts mit der Aufschrift „Schuld ist persönlich“ oder „Sauerland - Schämen Sie sich!“

Zu den Teilnehmern der Protestaktion gehört Delia Schmidtke. Sie trägt ebenfalls ein Schild, auf dem sie den Rücktritt des Stadtoberhaupts fordert. „Es ist eine Unverschämtheit, dass der Oberbürgermeister so an seinem Stuhl klebt“, sagt sie. Auch aus persönlichen Motiven nimmt sie an der Veranstaltung teil - ihr Sohn war auf der Loveparade, er kam mit dem Schrecken davon.

Augenzeuge: „Polizei hat nicht geholfen“

Für Dominic Pavone ist die massive Kritik an Sauerland allerdings „zu einfach“ und nicht das alleinige Problem. „Auch die Polizei hat versagt. Sie hat den Leuten nicht geholfen und ist erst beim Wegtragen der Leichen wieder aktiv geworden“, kritisiert er. Mit seiner Freundin ist der 26-jährige Oberhausener nach Duisburg gekommen. Auch fast eine Woche nach dem Zwischenfall ist er noch immer außer sich, wenn er an die Vorfälle denkt, die er auf der Techno-Party erlebt hat. Die eingesetzten Securityleute hätten den Besuchern dagegen geholfen, sagt Pavone.

Viele Teilnehmer der Protestveranstaltung melden sich zu Wort - manche verlangen eine harte Bestrafung des Oberbürgermeisters. Immer wieder wird auch gefordert, dass sich die Politiker den Teilnehmern stellen. An diesem Tag zeigt sich jedoch niemand aus dem Rathaus. Ein Redner ruft überdies zum Boykott der Fitnesskette McFit auf - das Unternehmen gehört dem Geschäftsführer der Lopavent GmbH, Rainer Schaller, die die Loveparade organisiert hatte.

Organisator verodnet Schweigeminute zur Beruhigung

Als sich ein Redner für die eingesetzten Polizisten starkmacht und vor Vorverurteilungen warnt, wird er von den Anwesenden hart angegangen. Organisator Schröder muss eingreifen, um Handgreiflichkeiten zu verhindern. „Wir wollen kein Chaos. Das hatten wir letzte Woche schon genug“, mahnt er. Zur Beruhigung der Gemüter verordnet er eine Schweigeminute, an der sich die aufgebrachte Menge dann auch beteiligt. Anschließend ziehen die Teilnehmer in einem Protestzug in die Innenstadt. Dort sollte die Kundgebung bis zum Mittag fortgesetzt werden. (ddp)

 

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