Demo-Tag in Duisburg – ruhig und kurz

Christian Gerstenberger und David Huth
Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg. Vier Demonstrationen waren für Samstag in der Duisburger City angemeldet, drei gegen Rechts, eine gegen OB Adolf Sauerland wegen seines Verhaltens nach dem Loveparade-Drama. Nur wenige Leute kamen. Und schnell war Schluss.

Der Demo-Samstag in Duisburg – er war ebenso kurz wie ruhig: Vier Kundgebungen waren angemeldet, drei gegen Rechtspopulismus, eine gegen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wegen seines Verhaltens nach der Loveparade-Katastrophe. Schlussendlich kamen weniger als die insgesamt erwarteten 1000 Teilnehmer. Und bereits am Mittag statt wie angekündigt um 17 Uhr war Schluss (Bilder von den Veranstaltungen gibt es hier).

Ab 10 Uhr protestierte vorm Hauptbahnhof das „Duisburger Netzwerk gegen Rechts“ gegen Rechtspopulismus. Kurz vor 12 Uhr begann auf dem Burgplatz eine weitere entsprechende Kundgebung des DGB. Anlass war eine Demonstration der rechtsgerichteten Bürgerinitiative Pro NRW. Deren Anhänger, „97 Stück, handgezählt“, so Polizeisprecher Ramon van der Maart, trafen sich ab 11 Uhr an der Schifferstraße. Ab halb zwölf zogen sie über die Schwanenstraße zum Alten Markt hinterm Rathaus, um ihr Missfallen für den Duisburger OB Sauerland im Zusammenhang mit der Loveparade-Katastrophe auszudrücken. Wie viele andere auch fordert Pro NRW dessen Rücktritt oder Abwahl. Laut Anmeldung sollte die Veranstaltung bis 17 Uhr dauern. Doch bereits um kurz vor 13 Uhr war alles vorbei. Pro NRW zog ab, die Gegenveranstaltungen lösten sich auf.

„Ein Zeichen setzen“

Der DGB hatte bei seiner Kundgebung auf der anderen Rathaus-Seite ebenfalls Sauerland-kritische Redner auf dem Programm, wollte hier der rechten Bürgerinitiative nicht allein das Feld überlassen: Um 11.55 Uhr eröffnete Alt-Oberbürgermeister Josef Krings die Veranstaltung. Krings hatte in einem Medien-Kommentar, der unter DerWesten veröffentlicht wurde, Sauerland zum Rücktritt aufgefordert. Am Samstag betonte er: „Die Demokraten stehen vor dem Rathaus.“ Auch bei aller Kritik am „demokratisch gewählten“ Sauerland dürfe in Duisburg kein Platz für rechtes Gedankengut sein. Zu der Kundgebung kamen laut dem SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Bischoff, Vorsitzender des DGB Niederrhein, insgesamt etwa 200 Teilnehmer. Mit viel mehr habe man auch nicht gerechnet. Dennoch sei es wichtig gewesen, angesichts der Pro-NRW-Aktion „ein Zeichen zu setzen“.

Unterdessen hielten die Pro-NRW-Anhänger auf dem Alten Markt hinterm Rathaus ihre Abschlusskundgebung ab – begleitet von lautstarken Buh-Rufen einer Gruppe von linken Gegendemonstranten, die sich in der Nähe der Platz-Absperrung postiert hatten. Um kurz vor 11 Uhr hinderte die Polizei etwa 50 Anhänger der linken Szene daran, vom U-Bahnhof Burgplatz in den gesperrten Bereich am Alter Markt einzudringen. Drei Linke mussten ihre Vermummung ablegen und bekommen nun Strafanzeigen. Weitere Probleme habe es aber nicht gegebn.

Zur Demo des Netzwerkes gegen Rechts vorm Bahnhof kamen am Morgen zunächst etwa 80 Teilnehmer, später wuchs die Kundgebung auf rund 140 Demonstranten an, so die Polizei. Hier nahmen auch die Grünen teil – inklusive des Duisburger Stadtdirektors Peter Greulich. Der betonte gegenüber DerWesten, er finde es „widerwärtig“, dass Pro NRW die Loveparade-Katastrophe für die eigenen Zwecke ausnutzen wolle. Nach der Eröffnungskundgebung machte sich der Demonstrationszug über die Friedrich-Wilhelm-Straße auf in Richtung Rathaus.

Ruhe – wie erwartet

Die Polizei hatte im Vorfeld bereits einen ruhigen Demo-Samstag erwartet. Denn: „Alle Veranstalter hatten über gewisse Probleme berichtet, die eigenen Leute zu mobilisieren“, so van der Maart. Insgesamt seien 1000 Teilnehmer angemeldet gewesen: Je 300 erwarteten der DGB und das Netzwerk, 200 hatte Pro NRW eigentlich angekündigt. Weitere 200 Besucher hatte laut Polizei die Partei Die Linke für eine Demonstration auf dem Dellplatz avisiert – die vierte Kundgebung an diesem Samstag. Beginn sollte um 10 Uhr sein. Doch laut Polizei tat sich hier bis zum Ende der anderen Veranstaltungen nichts. Auf der Homepage der Duisburger Linken findet sich am Samstagnachmittag kein Hinweis auf eine eigene Kundgebung. Zu lesen sind Aufrufe, die Veranstaltungen von DGB und Netzwerk gegen Rechts zu unterstützen.

An verschiedenen Stellen in der City war die Polizei seit dem Morgen präsent, um für die Sicherheit der Kundgebungen zu sorgen. Für die Dauer der Pro-NRW-Demonstration wurde die Schifferstraße gesperrt, der Verkehr übers Marientor umgeleitet.

Schaller will in Offensive gehen

Unterdessen geht die Debatte um die Schuld am Loveparade-Drama in die Nächste Runde. Veranstalter Rainer Schaller hat angekündigt, gegen die Schuldzuweisungen in die Offensive zu gehen: Er wolle Videomaterial, das am Katastrophen-Tag von sieben Überwachungskameras aufgezeichnet wurde, ins Internet stellen, berichtet die Agentur AFP unter Berufung auf eine Vorab-Meldung des Magazins „Der Spiegel“. Damit wolle er polizeiliches Fehlverhalten dokumentieren: „Jeder soll sich selbst ein Bild machen.“ Die Polizei hätte vor der tödlichen Massenpanik drei Sperrketten gebildet, zwei in den Tunneln und eine auf dem unteren Teil der Zugangsrampe, behauptet Schaller. Diese seien „vermutlich die Ursache der Katastrophe gewesen“. Weiter heißt es, Schaller wolle zur nächsten Sitzung des NRW-Innenausschusses Anfang September nicht persönlich erscheinen, sondern Vertreter seiner Firma Lopavent schicken, die die Loveparade organisierte. Die Sitzung ist für den 2. September anberaumt.