Dem Duisburger Zoo droht ein weiteres finanzielles Debakel

Der Duisburger Zoo ist für seine Koalas bekannt. Jetzt droht dem Tierpark erneut eine finanzielle Krise.
Der Duisburger Zoo ist für seine Koalas bekannt. Jetzt droht dem Tierpark erneut eine finanzielle Krise.
Foto: WAZ FotoPool
Die Finanzspritze der Stadt konnte den Duisburger Zoo im Jahr 2013 nicht vor einbrechenden Besucherzahlen retten. Das unfreundliche Wetter im letzten Jahr hielt die Menschen fern, jetzt steht erneut eine finanzielle Krise ins Haus. Neue Gehege und Attraktionen sollen den Zoo doch noch retten.

Duisburg.. Dem Duisburger Zoo droht erneut ein großes Loch in der Kasse, weil weniger Besucher an den Kassenhäuschen Karten kauften. Trotz der zusätzlichen städtischen Finanzspritze von einer Million Euro schloss das Jahr 2013 wegen gesunkener Besucherzahlen mit einem Minus von knapp einer halben Million Euro ab.

Auch für dieses Jahr rechnet der Tierpark mit einem ähnlich hohen Defizit. Und schon fehlt dem Zoo wieder eine Million. Bereits im Oktober hatte der Aufsichtsratsvorsitzende des Zoos, Sparkassenchef Hans-Werner Tomalak, einen dringenden Appell-Brief an die Stadt geschickt und auf die dramatische Finanzlage hingewiesen. In einem zweiten Schreiben drängt Tomalak jetzt darauf, dass die Stadt ihren bisherigen Zuschuss von 2,1 Mio Euro im Jahr dauerhaft um 500.000 Euro aufstocken soll. „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem man sich entscheiden muss. Wenn wir den Zoo als das Duisburger Aushängeschild in der jetzigen Güte erhalten wollen, muss der städtische Zuschuss erhöht werden“, so der Aufsichtsratsvorsitzende zur WAZ.

Der Zoo spart wo er kann

Der Tierpark am Kaiserberg ist arg wetterempfindlich. Schon nach den Osterferien hatte er 2013 den Wettlauf um die Zahlen verloren, zu schlecht war das Wetter, zu gering die Besucherzahl. Statt der im Wirtschaftsplan kalkulierten 600.000 zahlenden Tagesgäste kamen nur etwas über 500.000 Besucher. „Alle Zoos verzeichneten Rückgänge“, betont der kaufmännische Zoo-Direktor Detlef Hamacher. Von der gerne genannten magischen Zahl von einer Millionen Jahresbesucher ist der Tierpark ohnehin weit entfernt – da können die 14.000 Jahreskarten-Besitzer und Fördervereinsmitglieder noch so oft an den Kaiserberg kommen.

„Wir haben unseren Teil beigetragen“, versichert Tomalak. Der Zoo spare, wo er kann. Drei Planstellen sind nicht besetzt, die Futterkosten wurden und werden gesenkt, sollen dieses Jahr auf 600.000 statt 645.000 Euro reduziert werden. Allein für die Koalas sind das rund 92.000 € im Jahr. Da hilft, dass zwei Tiere jetzt nach Dresden abgegeben wurden, der teuer importierte Eukalyptus bald vor Ort von Bauern angebaut werden soll. Auch Investitionen wie ins Fischhaus rechnen sich langfristig durch die Energieeinsparungen.

Finanzen stehen auf tönernen Füßen

Noch ist der Zoo zahlungsfähig. Noch. Denn die Einnahmen sprudeln erst ab Ostern oder Frühsommer. Gehälter und Futterkosten werden aber monatlich fällig. Und der Sanierungsstau liegt bei mindestens 15 Mio €. In die Seelöwen- und Seehundeanlage müssten weit über zwei Millionen investiert werden, ins Affen-Äquatorium über sechs.

Die Finanzen des Zoos stehen auf tönernen Füßen. Die Einnahmen von rund 5,2 Mio € aus dem Kartenverkauf decken gerade mal knapp die Personalkosten. Damit ist noch kein Ballen Stroh, kein Futter gekauft, kein Watt Strom bezahlt. Ohne die Sponsorengelder und die Hilfe der Tierpaten und des 6500 Mitglieder starken Fördervereins wären die neuen Attraktionen, mit denen ein Zoo immer aufwarten muss, nicht möglich. So hat die Sparkasse im vergangenen Jahr ihre Unterstützung aufgestockt, viel in neue Spielplätze im Zoo investiert.

Versteckte Schätze treten ans Licht

Auch nur mit Hilfe des Fördervereins ist der Umbau des Aquariums möglich, das neue Korallenriff ist spektakulär, die schwebenden Quallen begeistern schon jetzt die Zoo-Besucher. Die großen Süß- und Salzwasserbecken des Fischhauses werden komplett erneuert. „Das wird ein echter Hingucker“, verspricht Volker Grün, zoologischer Kurator im Tierpark. Kosten: eine Mio €.

In diesem Jahr kommt dank zusätzlicher Sparkassenhilfe wie berichtet das neue Gehege für Wildkatzen und Luchse hinzu. Auch nur mit Spendengeldern ist die für Ostern geplante Eröffnung der Anlage für die Riesen-Salamander möglich. Seit Jahren leben die bis zum 1,35 Meter großen Amphibientiere als „versteckte Schätze“ im Zoo, jetzt sollen sie der Öffentlichkeit präsentiert werden. Aber auch das ist Zoo-Bildungsauftrag und Artenschutz im Tierpark: Volker Grün startet ein Projekt zu Ringelnattern, die im Tierpark aufgezogen werden.

 
 

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