Duisburg

Das zweite Gutachten zur Loveparade kann ausschlaggebend sein

 Tausende Raver drängten sich am 24.07.2010 auf der Loveparade in und vor dem Tunnel in Duisburg.
Tausende Raver drängten sich am 24.07.2010 auf der Loveparade in und vor dem Tunnel in Duisburg.
Foto: dpa

Duisburg. Vor dem Landgericht Duisburg beginnt am 8. Dezember der Prozess gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters.

Sie müssen sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Erstes Gutachten von britischem Panikforscher

Zunächst gab es ein Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still - doch dieses enthielt gravierende Mängel.

So habe Keith Still lediglich eine „erste grobe Risikoanalyse“ aus der Sicht eines Planers vor Beginn der Veranstaltung vorgenommen, so das Gericht. Damit kann der erforderliche Nachweis, dass Fehler in der Planung oder Genehmigung die Todesfälle und Verletzungen verursacht hätten (Kausalitätsbeweis), nicht geführt werden.

Handlungen der Personen im Einsatz vor Ort nicht berücksichtigt

Außerdem habe Keith Still nur die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt. Andere mögliche Unglücksursachen (Handlungen der Personen) hat er nicht berücksichtigt. Außerdem beruht die Zahl der Teilnehmer, die er für sein Gutachten berechnete, auf Schätzungen und Angaben der Verkehrsvebünde.

Die tatsächlichen Zahlen habe er nicht berücksichtigt. Der Panikforscher nahm Planzahlen des Veranstalters, die - wie Still selbst einräumt - manipuliert seien.

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Die Kammer hielt Still für befangen. Ein zweites Gutachten sollte Aufschluss bringen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat Jürgen Gerlach, Professor der Universität Wuppertal, als Sachverständigen mit der Erstellung eines zweiten Gutachtens zu den Ursachen der tragischen Ereignisse beauftragt. Er ist Experte für Verkehrssicherheit und die Sicherheit bei Großveranstaltungen.

Erster Teil besteht aus 2000 Seiten

Jürgen Gerlach hat den ersten Teil (2000 Seiten) seines schriftlichen Gutachtens zu den Ursachen für die tragischen Ereignisse bei der Loveparade 2010 vorgelegt. Gerlach betrachtet dabei den Planungs- und Genehmigungsprozesses im Vorfeld der Loveparade 2010.

Zweiter Teil noch in Arbeit

Der Sachverständige arbeitet noch an einem zweiten Teil des Gutachtens. Dabei wird er sich mit den Abläufen am Veranstaltungstag befassen.

Erkenntnisse stützen Auffassung der Staatsanwaltschaft

Nach einer ersten Einschätzung stützen die bisherigen Erkenntnisse des Gutachters die Auffassung der Staatsanwaltschaft zu den Ursachen und Verantwortlichkeiten für das Unglück mit 21 Toten und ergänzen die bereits vorhandenen Beweismittel.

 
 

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