Das Ruhrgebiet ,konstruktiv und kritisch’ begleiten

Wie ist es um die Zukunft von großen Städten bestellt – und welche Rolle spielen dabei die Medien? Diese und andere Fragen diskutierten am Wochenende rund 420 Journalisten beim Gewerkschaftstag des Deutschen Journalistenverbandes NRW im Landschaftspark. In der Gebläsehalle kamen Medienmacher miteinander ins Gespräch.

„Die Aufgabe von regionalen Medien ist es, die Entwicklung der Region konstruktiv und zugleich kritisch zu begleiten“, ist Andreas Tyrock, Chefredakteur der WAZ, überzeugt. Für Karola Geiß-Netthöfel, Vertreterin der Metropole Ruhr, ist diese Stimmung, die die Medien verbreiten aber nicht positiv genug. Immer wenn es um Armut gehe, würden Duisburg und Gelsenkirchen als Beispiele herangezogen. Dabei sollte das Ziel sein, die Region jungen Leuten und Kreativen schmackhaft zu machen und Jobs zu schaffen, damit die sich auch im Ruhrgebiet ansiedeln. „Vor 20 Jahren war ich in New York und begeistert, dass man dort all seine Ideen verwirklichen kann“, erinnert sich Dr. Ute Günther vom Verein „Pro Ruhrgebiet“. Mittlerweile sei New York zu teuer und selbst in Berlin würden die Spielräume enger. Beste Chancen also für das Ruhrgebiet. „Aber wenn Kreative und Kulturschaffende kommen, sind die nicht Teil einer Werbekampagne. Sie müssen auch Sachen sehen, die kritisch sind“, verwahrt sich Johan Simons, Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale vor zu viel Einfluss. Gleichwohl seien Kreative vom Ruhrgebiet begeistert, etwa von der A 40, „die sich hier quer durch die Städte wühlt“.

Dennoch ist aus Sicht von Karola Geiß-Netthöfel noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, wie auch ein Beitrag eines Zuhörers zeigte. Ein ausländischer Student habe ein Semester in Gelsenkirchen verbracht – und lobte am Ende als schönste Stadt ausgerechnet Düsseldorf. „Lassen Sie uns doch diese Antwort gelassen hinnehmen“, erklärt Tyrock. Aufgabe der Medien sei es nicht „rosa Soße“ über das Ruhrgebiet zu gießen, „sondern Probleme zu benennen und Potenziale aufzuzeigen.“ Geiß-Netthöfel möchte am Metropol-Gedanken festhalten und einen eigenen Weg für die Ruhrgebietsstädte finden. „Wir wollen kein Abklatsch von Berlin werden. Wir können Wandel und werden auch diesen schaffen.“

 
 

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