Das richtige Klima für jedes Früchtchen

In der neu eröffneten Bananenreiferei werden auch andere Früchte verarbeitet. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
In der neu eröffneten Bananenreiferei werden auch andere Früchte verarbeitet. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg.. Grün sieht sie aus, der Geschmack lässt arg zu wünschen übrig: So kommt die Banane nach Duisburg. In den neuen Reifekammern von Univeg in Kaßlerfeld haben sie dann Zeit und die ideale Temperatur, um so zu reifen, dass der Kunde im Handel die Banane so findet, wie er sie liebt: appetitlich gelb und aromatisch süß. Fünf Mio Euro hat das Unternehmen in Technik und Infrastruktur investiert, 6,3 Mio Bananen können nun pro Woche reifen.

Aus Süd- und Mittelamerika kommen die krummen Früchtchen, die auf der deutschen Obst-Beliebtheitsskala hinter den Äpfeln auf Platz 2 liegen. Elf Kilo isst jeder Bundesbürger durchschnittlich pro Jahr. Per Schiff geht’s über den Ozean bis zu den Nordseehäfen Rotterdam, Vlissingen oder Antwerpen, von dort per Lkw nach Kaßlerfeld. Vier Wochen dauert’s vom Pflücken bis in eine der 39 Reifekammern bei Univeg, hinter deren bananengelben und haushohen Rolltoren die Bananenkisten türmen. Bei 13,5 bis 19 Grad wird Stärke zu Zucker umgesetzt, erklärt Niederlassungsleiterin Judith Nökel. Wohlgeschmack hat etwas mit natürlicher Chemie zu tun.

Banane ist nicht Banane

Der Handel bekommt die Früchte fast reif, ganz reif sollen sie erst sein, wenn der Kunde sie aus der Schale holt. Ein Tipp der Fachfrau: Bananen gehören nicht in den Kühlschrank. „Die Reifung wird da gestoppt.“ Und das Aroma macht sich dünne, die Frucht färbt sich grau.

Und Banane ist nicht Banane: In der innerlich und äußerlich komplett erneuerten und über 6000 Quadratmeter großen Halle an der Straße Am Churkamp in Großmarktnähe reifen Premium-Bananen wie Standardware, Mini-, Bio- und Fair Trade-Bananen, die drei letzteren Sorten mit ordentlichen wachsenden Marktanteilen.

"Duisburg ist ein strategisch günstiger Standort"

Einen Hallentrakt weiter wird gewogen, verpackt, etikettiert, landen Kiwis in Schalen, Melonen in Kisten, Bananen in Folien – ganz wie es der Handel will. Avocados, Mangos, Papayas, auch sie reifen in Kaßlerfeld, von wo auch Steinobst, Äpfel, Erdbeeren, Salate und Gemüse ausgeliefert werden. Ware aus der engeren Region trifft auf Importe aus aller Welt. „Duisburg ist ein strategisch günstiger Standort“, sagt Thomas Averhoff, Chef von Univeg Deutschland. Die Nähe zu den Seehäfen sei ein Vorteil, der andere die verkehrsgünstige Lage, die es erlaube, jeden Ort in Deutschland innerhalb eines Tages zu beliefern.

Vor zwei Jahren hatte sich das Unternehmen dennoch von Duisburg verabschiedet, 200 Arbeitsplätze gingen verloren, weil sich der einzige Groß-Kunde für eine eigene Fruchtlogistik entschieden hatte. 125 neue Arbeitsplätze sind jetzt entstanden, und die Kundschaft ist nun breit gefächert: „Alle Lebensmittelhändler“, so Averhoff.

In Betrieb ist die Duisburger Niederlassung seit einem Monat, gestern wurde sie offiziell eröffnet mit 250 Gästen aus dem Kreis von Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern. Motto der Feier: „Ihre direkte Verbindung zum Feld.“

Zahlen und Fakten

Univeg Deutschland erwirtschaftet mit 800 Mitarbeitern an 15 Standorten einen Jahresumsatz von 1 Mrd Euro. Zentrale ist Bremen. Die Univeg-Gruppe ist mit 9000 Mitarbeitern in 25 Ländern auf vier Kontinenten tätig. 2010 lag der Umsatz bei 3,3 Mrd Euro. Der Hauptsitz ist in Belgien. Weltweit geliefert werden nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Blumen, Pflanzen und Convenience-Produkte, also vorbereitet Ware für die Küche, wie sie die Gastronomie, aber auch der „Normalverbraucher“ zunehmend schätzt.

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