Das Landesarchiv lebt sich in der Heimat ein

Der Präsident des Landesarchivs Frank Michael V´ischoff vor dem neubautrakt am Innenhafen.
Der Präsident des Landesarchivs Frank Michael V´ischoff vor dem neubautrakt am Innenhafen.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Der Chef-Archivar ist schon da, seine Hunderttausenden Dokumente, Urkunden und Akten, die in 100 Kilometern Regalböden gelagert werden, noch nicht: Frank Michael Bischoff, Präsident des Landesarchivs, gehört zur Vorhut und hat sein Büro im spektakulären Gebäude am Innenhafen schon bezogen.

Mächtig thront der Speicher-Klotz mit dem fast 80 Meter hohen verklinkerten Betonturm am Innenhafen, daneben schlängelt sich der wellenförmige Neubau-Anbau mit Büros, Lesesaal und Vortragsräumen. In der 1. Etage des terrakottafarbenen Traktes hat Bischoff sein „Amtszimmer“. Anfang November ist er von Düsseldorf nach Duisburg umgezogen. Mit ihm 20 Verwaltungsmitarbeiter, die sich am Innenhafen einleben. „Der Blick ist wirklich schön. Das Gebäude ist gelungen“, lobt Bischoff die Kulisse, auch wenn die Fenster dringend einer Klarsicht-Behandlung bedürfen. „1BO122 Präsident“, pappt noch als provisorische Kennung an seiner Zimmertür. In den geschwungenen Fluren stehen die Bilder auf Nägel wartend am Boden. Nicht alle Umzugskisten sind ausgepackt.

Tausende Regalbretter füllen

Der Umzug der Mitarbeiter aus den bisherigen Außen-Dependancen des Landesarchivs im Laufe des Frühjahrs ist allerdings ein Klacks zu der logistischen Riesen-Aufgabe, die zu bewältigen ist, wenn ab Januar die Archivbestände sorgsam verpackt, und ihren künftigen Lagerplätzen in den 21 Stockwerken des lichtdichten Turms zugeordnet, nach Duisburg gebracht werden. Bis in den April hinein wird das dauern, bis die Tausenden Regalbretter gefüllt sind.

Bischoff fühlt sich sichtlich wohl in „seinem“ neuen Landesarchiv. Mit Offenheit und Partnerschaft, mit Nähe zur neuen Heimat Duisburg will das „Gedächtnis“ des Landes in Duisburg Punkte machen, so gar nicht verstaubt und distanziert-wissenschaftlich daher kommen. Dann, so hofft Bischoff, rückt auch die Vorgeschichte des Bauskandals in den Hintergrund, der Staatsanwälte gegen die Bauherren-Chefs des landeseigenen Baubetriebs BLB weiter ermitteln lässt. „Das muss alles aufgearbeitet und geklärt werden. Doch mit der Institution Landesarchiv hat das nichts zu tun“, betont Bischoff und weiß doch, dass der Bauskandal – noch – so schwer im Öffentlichkeitsbild lastet wie das tonnenschwere Archivgut auf den zig Betonstützen des Archivturms. „Hier ist alles funktional und liegt auch kein Marmor auf dem Boden“, ergänzt Archiv-Pressesprecher Andreas Pilger, der ab 1. Januar gleich gegenüber seinen neuen Arbeitsplatz hat: Er ist der neue Leiter des Duisburger Stadtarchivs.

Chip-Schlüssel öffnet Türen

Ein Chip-Schlüssel öffnet Bischoff alle Türen im Landesarchiv, im Keller muss er noch zwei Türen öffnen, bis er die richtige zur Klimakammer gefunden hat, in der bei einem Grad schon Filmrollen lagern. In der „Archivszene“ gilt der Duisburger Bau unstrittig als absolutes Highlight, vor Besuchsanfragen kann sich Bischoff kaum retten.

Erste Fachkongresse gab es schon im lichtdurchfluteten Vortragsraum. Auch der Lesesaal ist fertig – Blick aufs Hafenbecken nebst Kran hier, auf die A 40 dort. Still rauscht der Verkehr vorbei. Mit 5000 Besuchern und Archivnutzern rechnet Bischoff jährlich. „Wir sind ein offenes Haus. Hier kann jeder kommen. Man muss kein Wissenschaftler sein“, unterstreicht Bischoff. Zum Tag des Archivs am 8. und 9. März soll es erste öffentliche Veranstaltungen und Besuchstage geben.

Einladend das hohe, lichte Foyer, das Speicher und Neubau verbindet. Ein Empfangstresen wie im Hotel. Blickfang die mehrstöckigen Galerien und die runden Bullaugen. Architektonisches Schmankerl, im Sonnenlicht vor allem: Der schlank in die Höhe und ins satte Terrakotta der Fassade ragende Glasstreifen. Jetzt fehlt nur noch die Außengestaltung am Eingang. Die ist Sache der Stadt. Und wird zeitig erledigt - hofft Bischoff.

 
 

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