„Das hier darf nicht kaputt gehen“

Sorgt sich um die Zukunft der DLRG-Schwimmkurse im Lehrschwimmbecken unter der Homberger Glückauf-Halle: Wilfried Bräcker.
Sorgt sich um die Zukunft der DLRG-Schwimmkurse im Lehrschwimmbecken unter der Homberger Glückauf-Halle: Wilfried Bräcker.
Foto: WAZFotoPool

Duisburg. In seinem Stadtteil ist Wilfried Bräcker so bekannt wie der vielzitierte bunte Hund. „Kein Wunder“, erzählt der 70-jährige Rentner und lacht, „ich habe ja halb Homberg das Schwimmen beigebracht.“ Seit 1973 kümmert sich das Vorstandsmitglied der dortigen DLRG-Ortsgruppe um die Ausbildung der Jüngsten im Wasser. Doch nun sehen er und all seine Mitstreiter ihre Felle davonschwimmen. Der Grund für den Dauer-Frust: In den vergangenen Jahrzehnten durfte die DLRG das kleine Lehrschwimmbecken unter der Glückauf-Halle stets kostenlos nutzen, ab 1. Januar 2013 soll eine Gebühr von 1600 Euro monatlich an die Stadt abgeführt werden. Die Konsequenzen stellt Bräcker plastisch dar: „Wenn wir das wirklich zahlen müssen, dann können wir den Laden hier zumachen.“

Die Erweiterung der Tarifordnung Sport wurde auf der Ratssitzung im Juni beschlossen. Seitdem steht fest, dass die DLRG in der Einstufung der zu zahlenden Nutzungstarife genauso behandelt wird wie jeder andere im Stadtsportbund gemeldete Schwimmverein auch. Damit würde die DLRG ihren Sonderstatus verlieren, der ihr bisher seitens der Stadt immer eingeräumt wurde.

Kinder aus sozialen Brennpunkten

Das klingt in Zeiten leerer Kassen ebenso gerecht wie nachvollziehbar, hat für die DLRG-Ortsgruppe aber weitreichende Konsequenzen. „Wir haben viele Kinder in unseren Anfängerkursen, die aus sozialen Brennpunkten stammen. Können die nicht mehr zu uns kommen, landen die wieder auf der Straße. Dann haben die hier nämlich nichts mehr“, schildert Bräcker die Besonderheiten seiner Klientel.

110 Euro zahlen die Eltern derzeit pro Jahr für die Teilnahme ihres Nachwuchses am Kinderschwimmen. „Mit dieser Summe können wir soeben kostendeckend arbeiten. Wir müssen davon nicht nur die Aufwandsentschädigungen für unsere Übungsleiter bezahlen, sondern auch noch diverse Abgaben entrichten“, so Bräcker. Und was spricht gegen eine moderate Erhöhung der Kursgebühren? Da legt Bräcker seine Stirn in Sorgenfalten. „Wie gesagt: Viele Kinder kommen aus Familien, die ganz genau aufs Geld schauen müssen. Für die sind die jetzigen 110 Euro schon nur äußerst schwer aufzubringen.“

Kein Schwimmunterricht mehr in Schulen

Ruheständler Bräcker, der in seinem früheren Arbeitsleben für das Umweltamt der Stadt Duisburg tätig war, weiß genau, dass die DLRG Homberg mit ihrem Wunsch nach einer Rückkehr zu alten Regelung auf eine breite Unterstützung stößt. Betroffene Eltern haben sich schon zu einer Protestgruppe formiert. Der nun erfolgte Gang an die Öffentlichkeit soll für weiteren Rückenwind sorgen.

„Laut einer DLRG-Studie können in Deutschland sage und schreibe 40 Prozent der Kinder nicht mehr schwimmen, weil viele Schulen das im Unterricht gar nicht mehr anbieten können“, weiß Bräcker. „Um so wichtiger sind Angebote wie das unsrige. Das hier darf nicht kaputt gehen.“

 
 

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