Das helfende Ohr des Sir Wilson

Sir Wilson und der Wecker.  Foto: privat
Sir Wilson und der Wecker. Foto: privat
Der Mischlingsrüde, den Claudia Selic aus Duisburg-Walsum ausbildet, soll ein Signalhund werden. Die Trainerin und der Vierbeiner sind Teil eines Forschungsprojekts.

Duisburg.. Sir Wilson kommt aus Spanien, hat braunes flauschiges Fell und ist anderthalb Jahre alt. Claudia Selic kommt aus Walsum, hat dunkle kurze Haare und ist 40 Jahre alt. Seit Anfang Mai wohnen beide zusammen, Sprachprobleme gibt es keine.

Denn anfangs hat Sir Wilson ohnehin nicht auf das gehört, was man ihm gesagt hat. Zur Zeit versucht Selic, die Assistenzhundetrainerin, aus Sir Wilson, dem kleinen Mischlingsrüden, so etwas wie einen tierischen Wecker zu machen. Wenn der Wecker klingelt, oder das Telefon oder die Türschelle, dann soll Sir Wilson zu seinem Besitzer laufen, ihn am Bein kratzen oder mit der Nase an der Hand anstupsen und ihn zur Quelle des Geräuschs führen. Denn aus Sir Wilson soll einmal ein sogenannter Signalhund werden, der gehörlosen oder schwerhörigen Menschen zu mehr Sicherheit und Unabhängigkeit im Alltag verhilft.

Sir Wilson und seine Trainerin sind Teil des ersten deutschlandweiten Signalhundeprojekts, das vom Assistenzhunde-Zentrum mit Sitz in Osterode im Harz geleitet wird. Die Forschungsstudie soll zeigen, ob Signalhunde aus dem Tierheim kommen können. Claudia Selic ist eine der acht Trainer, die einen Hund aus dem Tierheim vier Monate lang ausbildet und dann mit gehörlosen Bewerber einschult. Eine Methode, die in überfüllten Tierheimen in der USA der Siebziger Jahre entstand, wie Selic erklärt. In Deutschland dagegen seien Signalhunde bis heute nicht weit verbreitet. „Die USA sind in dem Bereich weit voraus, das gilt auch für andere Assistenzhunde“. Wie zum Beispiel für den Diabetiker-Warnhund, die den Geruch einer Unter- oder Überzuckerung weit früher riechen können, bevor es der Besitzer bemerkt.

Signalhunde machen Gehörlose auf Geräusche aufmerksam, sei es zu Hause im Alltag oder draußen, wenn der Besitzer angesprochen wird oder ein Martinshorn ertönt. „Für Gehörlose ist der Hund eine riesige Entspannung, weil sie ständig Angst haben etwas zu überhören“, sagt Selic. „Stellen Sie sich eine gehörlose Mutter vor, die stets Panik hat, dass sie das Schreien ihres Kindes nicht hört“.

Wer die Trainerin mit Sir Wilson erlebt, kann ihre Vorgeschichte kaum glauben: „Früher hatte ich Angst vor Hunden“, sagt sie. Ein Schäferhund hatte sie gebissen. Erst als ihre beiden Kinder unbedingt einen Hund haben wollten, gab sie nach und kam doch noch auf den Hund - sogar beruflich.

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