Das andere Bergbau-Buch

Anne Horstmeier

Jürgen Post, 1961 in Hamm geboren, hat 30 Jahre lang unter Tage gearbeitet, zuletzt als Steiger im Hammer Bergwerk Ost – und ist „von Kindesbeinen an fotoverrückt“. Zepp Oberpichler, 1967 in Duisburg geboren, betreibt eine PR-Agentur. Er hat schon früh Musik gemacht, als 14-Jähriger Gedichte geschrieben und Germanistik studiert.

Dass Post und Oberpichler gemeinsam das Buch „Grubenkind“ gemacht haben, beruht auf einem Zufall. Nachdem 2014 das Buch „Heartzland“ mit Fotografien von Jürgen Kassel erfolgreich war, sprach ihn bei einem dienstlichen Termin eine Frau an, die „auch einen guten Fotografen kennt“, wie Oberpichler sagt. Zunächst skeptisch, überzeugte er sich dann per Link davon, dass Post „wirklich was kann“. Ein Anruf, die Frage: „Sollen wir mal...?“ Drei Fotos schickte Post, drei Texte schrieb Oberpichler. Post konnte nichts damit anfangen. Oberpichler: „Dann ist ja gut.“

Haben doch die Texte des Duisburgers vordergründig wenig mit den Fotos zu tun. Das zu beschreiben, was die Bilder ohnehin zeigen, interessiert Oberpichler nicht. Mit Bergbau hatte er nie zu tun, sentimentale Texte will er nicht. „Wenn ich sentimentale Momente habe, behalte ich die für mich.“ Für ihn ist Schreiben ein kreativer Akt, er über den Moment hinaus weisen muss. Und so bilden Text und Bild auch in „Grubenkind“ zusammen mehr als das Einzelne.

Ein Foto mit zwei Loren ließ Oberpichler an „Früchte des Zorns“ des US-amerikanischen Literatur-Nobelpreisträger John Steinbeck denken. Oberpichlers Text „Hobo“ beginnt mit dem Satz „Es war zu der Zeit, als eine große Dürre durch das Land ging.“ Er schildert, wie sich die Menschen aufmachen. „Die Wenigsten kamen an. Und dort, wo sie ankamen, waren sie nicht willkommen. Wurden ausgelacht, verstoßen und beleidigt.“ Das hat er geschrieben, bevor die große Aufmerksamkeit den Flüchtlingen galt.

Nah am Bergbau ist der Text „Fliegen“, der in Ruhrpott-Deutsch von Winnie erzählt, der „immer Angst vorm Fliegen“ hatte und auch mit seinem „Moppet“ nicht bis „Hamburch“ kommt. „Und eines Tages hattense Wetterschlach auf zwölfhundert. Is er unten geblieben.“ Dazu das Bild von zwei schwarzen Kumpeln.

Oberpichler, der Punk ebenso mag wie Country, Rock’n’Roll und Lieder zur akustischen Gitarre, singt auch bei seinen Lesungen. Dafür schreibt er auch einfach wie in „Ruhrpottkind“: „In Duisburg, da steht meine Wiege. Und in Bochum fand ich meine Liebe. In Mülheim, das steht mein Zuhaus’. Und hier im Ruhrpott gehen auch meine Lichter aus.“ Das Happy End beim „Alten“: „Drum lass ich dich auch in den Himmel rein. Da kannste mit andern Ruhrpottkindern glücklich sein!“