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Duisburg: Nach Clan-Eskalation brodelt es in Marxloh – neue Details zeigen jetzt das ganze Ausmaß

Duisburg: Clan-Ärger in Marxloh.
Duisburg: Clan-Ärger in Marxloh.
Foto: Imago Images

Duisburg. Nach einer neuen Clan-Eskalation vor einem Monat in Duisburg sind jetzt neue Details ans Licht gekommen.

Die Polizei Duisburg hatte in Marxloh am 17. und 19. Mai zwei gesuchte 18-Jährige festnehmen wollen. Sie flüchteten vor den Beamten, es kam zu Tumulten und Großeinsätzen. 42 und 75 - so viele Ermittlungsverfahren wurden gegen die beiden 18-Jährigen bereits geführt.

Duisburg: Nach Clan-Ärger brodelt es in Marxloh

Seit den Festnahmen der beiden mit Haftbefehlen gesuchten jungen Männer „scheint es in Marxloh und Umgebung wieder zu brodeln“, zitiert die „Rheinische Post“ aus einem internen Polizeibericht.

In der Folge kam es zu zwei weiteren Tumultlagen und einer Drohmail an die Polizei in Duisburg. „Wir haben 2000 Stück AK-47-Sturmgewehre mit genügend Munition aus der Türkei und Russland beschafft. Allahu Akbar, tötet alle Ungläubigen“, wird gedroht.

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Jetzt hat auch der NRW-Innenminister Herbert Reul im Innenausschuss Stellung genommen. Er erklärte, dass im Zuge der Festnahmen neun Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden, die sich gegen zwölf Beschuldigte richten. Sieben der Beschuldigten werden als Clanangehörige angesehen, fünf weitere Beschuldigte seien wiederholt mit Clanangehörigen in Erscheinung getreten.

Ihnen wird Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und in einem Fall Körperverletzung vorgeworfen. Jeweils ein Verfahren richtet sich gegen die beiden wegen bestehender Haftbefehle festgenommenen Männer.

Body-Cams könnten helfen

Ziel sei es weitere Tatbeteiligte zu identifizieren und ihnen konkrete Tathandlungen nachzuweisen. Dazu wollen die Ermittler auch die Body-Cams der eingesetzten Polizisten auswerten.

Weitere Aufklärung erhoffen sich die Beamten durch Sichtung von Videomaterial in den sozialen Netzwerken. Da das Material teils mit beleidigenden Kommentaren gegenüber Polizeibeamten veröffentlicht wurde, wurde ein weiteres Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet.

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Innenminister Reul: „Der lange Atem zeigt Erfolg“

Insgesamt sieht NRW-Innenminister Herbert Reul die „Null-Toleranz-Politik“ gegen kriminelle Clans dennoch auf einem guten Weg. „Der lange Atem zeigt Erfolg. In der Bevölkerung wird wahrgenommen, dass Rechtsverletzungen Konsequenzen haben. Das führt zur Verunsicherung der Clans und stört ihre Geschäfsinteressen, weil sie feststellen, dass sie weiter im Fokus der Polizei stehen.“

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Clan-Kriminalität in Duisburg

  • 70 Clans mit rund 2800 Mitgliedern leben in Duisburg
  • immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit der Polizei
  • 2019 hatte NRW-Innenminister Herbert Reul eine "Null-Toleranz-Politik" angekündigt
  • im Zusammenhang mit Clan-Aktivitäten werden auch immer wieder Shisha-Bars durchsucht
  • Hochburgen sind laut Polizei Marxloh, Hochfeld und Laar

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Verfahren gegen Drogenhändler in Dortmund und Duisburg

Als Erfolg bezeichnet der Innenminister etwa ein Verfahren gegen eine albanisch-libanesische Tätergruppe in Dortmund. Bei ihnen besteht der Verdacht des gewerbsmäßigen Kokainhandels. Mehr als 500.000 Euro wurden sichergestellt.

In Duisburg läuft ein Verfahren gegen einen Clan, der im großen Stil mit Marihuana handelt. Auch hier konnten bei Durchsuchungs- und Festnahmemaßnahmen 150.000 Euro sichergestellt werden.

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Fortschritte im Bereich Prävention

Auch in Sachen Prävention konnte der Innenminister Fortschritte vermelden. So wurde das Projekt „Integration, Orientierung, Perspektiven! 360°-Maßnahmen zur Vorbeugung von Clankriminalität als Teil der „Sicherheitskooperation Ruhr - Clankriminalität“ im April umgesetzt.

Hier dem sperrigen Titel verbirgt sich Pionierarbeit. Denn in Sachen Prävention bei Clankriminalität fehlt es bislang an Erfahrungswerten oder „Blaupausen“.

Denn anders als im extremistischen Bereich gebe es keine Einstiegsprozesse in Familienclans, an denen man präventiv ansetzen könne. Vielmehr ist der Einstieg in den Clan die Geburt. Das Projekt wird eng von der „Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle“ des LKA und durch einer wissenschaftliche Beratergruppe begleitet.

Kinder und Jugendliche aus Clans in Projekt „Kurve kriegen“

Ein erster Hoffnungsschimmer: elf Kinder und Jugendliche aus polizeibekannten Clans wurden in das Projekt „Kurve kriegen“ aufgenommen. Noch fehle es an belastbaren Aussagen zur Nachhaltigkeit, dennoch verbucht das Innenministerium die Teilnahme an sich bereits als Erfolg. Denn sie beruht allein auf Freiwilligkeit und zeigt, dass sich Kinder und Eltern auf die für sie neue Form der Herangehensweise einlassen.

Die kriminalpräventive Landesinitiative „Kurve kriegen“ gibt es seit neun Jahren. An den fünf Standorten Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Recklinghausen werden die Teams um speziell ausgebildete Fachkräfte zum Thema „Clankriminalität“ erweitert.

 
 

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