Circus Universal Renz will "auf Tiere nicht verzichten"

Ein Mann und seine Zelt-Stadt: Daniel Renz senior ist Direktor des Circus Universal Renz, der derzeit vor der MSV-Arena gastiert.
Ein Mann und seine Zelt-Stadt: Daniel Renz senior ist Direktor des Circus Universal Renz, der derzeit vor der MSV-Arena gastiert.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.. Seit dem 22. Dezember und noch bis einschließlich Sonntag gastiert der Circus Universal Renz als „2. Duisburger Weihnachtscircus“ auf dem Vorplatz der MSV-Arena. Der Leiter dieses traditionsreichen Familienunternehmens ist Zirkusdirektor Daniel Renz senior. Der 44-Jährige stellte sich den Fragen von WAZ-Redakteur Thomas Richter.

Herr Renz, wie lautet die Zwischenbilanz zu Ihrem Aufenthalt in Duisburg?

Daniel Renz: Bislang ist es sehr gut für uns gelaufen. Wir hatten ständig eine Auslastung der Vorstellungen von 70 bis 80 Prozent. Wir haben zudem viele positive Rückmeldungen der Besucher bekommen. Duisburg war aber schon immer eine Zirkusstadt.

Sie sind jetzt zum zweiten Mal über Weihnachten und Neujahr hier. Warum ist das so?

Renz: Weil wir merken, dass wir hier willkommen sind. Es gibt nach Rücksprachen mit den Verantwortlichen der Stadt schon konkrete Pläne, dass unser „Weihnachtscircus“ hier eine feste Einrichtung werden soll. Zudem ist die Lage des Platzes optimal. Autobahnen und der Hauptbahnhof sind nicht weit entfernt. Alles ist gut erreichbar. Das ist wichtig für unser rund 20-köpfiges Zeltaufbau-Team, aber auch für die von uns engagierten Artisten. Unterwegs sind wir derzeit mit rund 50 Personen.

Machen Sie keine Pause?

Renz: Doch – und zwar immer im Sommer. Diesmal haben wir sie wegen der Fußball-EM auf zweieinhalb Monate verlängert. Ab Juni bis Anfang September beziehen wir dann in unserem Stammsitz im hessischen Friedberg unser Sommerquartier.

Was ist Ihre nächste Station?

Renz: Da bitte ich um Verständnis: Das will ich öffentlich am liebsten gar nicht sagen. Weil dann die Tierschützer sofort wieder dort auftauchen und gegen unsere Tierhaltung protestieren.

Das klingt nach Blockade. Haben Sie nicht schon einmal das Gespräch mit diesen Menschen gesucht?

Renz: Haben wir! Aber jedes Mal sind wir auf dieselben Vorurteile gestoßen. Diese Leute haben einfach behauptet, dass wir unsere Elefanten in Ketten halten würden. Da habe ich gesagt: Kommt auf unseren Platz und überzeugt euch davon, dass das nicht so ist. Aber kein einziger von diesen Kritikern wollte das Gelände betreten.

Es wurde zuletzt auch lange in der Politik über ein generelles Wildtierverbot im Zirkus diskutiert. Doch eine Mehrheit im Bundestag hat sich im Dezember nun doch dagegen ausgesprochen. Wie haben Sie diese Entscheidung aufgenommen?

Renz: Mit Erleichterung. Natürlich hatten wir Pläne in der Schublade für den Fall, dass die Entscheidung andersherum ausgefallen wäre. Aber für uns war immer klar: Wir wollen auf Tiere nicht verzichten. Für uns ist ein Zirkusleben ohne Tiere nicht vorstellbar.

Zirkus-Kritiker behaupten hartnäckig, dass der Transport eine ständige Stress-Situation für die Tiere sei.

Renz: Und es gibt genügend Studien, die unsere Sicht auf die Dinge bestätigen: Nämlich, dass das nicht der Fall ist!

Welche Wildtiere leben noch in Ihrem Zirkus?

Renz: Elefanten, Kamele und sibirische Tiger. Wir haben insgesamt noch rund 60 Tiere. Früher waren das mal 100. Darunter auch Zebras oder Krokodile. Aber das ist im Laufe der Jahre weniger geworden.

Was hat sich im Laufe der Jahre noch verändert?

Renz: Heute spielt die Werbung und das Marketing eine viel größere Rolle. Früher hat es schon gereicht, das Zelt aufzubauen. Da habe sich sofort Menschentrauben gebildet und man wusste: Der Zirkus ist in der Stadt. Heute ist es viel komplizierter geworden, überhaupt einen freien Platz zu finden. Es gibt viel mehr Konkurrenzveranstaltungen wie Trödelmärkte oder Wandershows. Es ist kein Selbstläufer mehr.

Und die Artisten?

Renz: Die kamen früher vornehmlich aus Italien oder Spanien. Heute ist der Anteil an Osteuropäern viel größer. In Russland, Polen oder Ungarn gibt es aber auch die wichtigsten und größten Artistenschulen. Und es fällt auf, dass die Artisten früher ständig mit ihrem gesamten Familienclan unterwegs waren. Heute reisen sie oft allein oder als Paar.

Wie verständigen Sie sich bei einer solch international besetzten Belegschaft?

Renz: Unsere Hauptsprache ist inzwischen Englisch. Ich selbst beherrsche sieben Sprachen, komme deshalb irgendwie immer mit fast allen zurecht.

Gibt es auch mal Zoff?

Renz: Natürlich! Das kommt in jeder Familie mal vor. Und wir sind ja fast eine, weil wir wie in einem kleinen Dorf zusammenleben.

Herr Renz, was wünschen Sie sich für 2012?

Renz: Dass es für uns ein ebenso erfolgreiches Jahr wie 2011 wird. Und dass unser Publikum weiter zufrieden ist. Es ist ja schön, wenn Oma und Enkel nach der Vorstellung zu uns kommen, um uns zu loben. Toll ist es aber auch, wenn das aus dem Mund eines jugendlichen Punkers kommt – also von jemandem, den man nicht unbedingt am Rande der Manege erwarten würde. Und das Lob eines solchen Sandkastenrockers ist für mich das größte Kompliment.

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