China für Fortgeschrittene

Eugen Mangazeev tritt im frischgebügelten, weißen Hemd und mit schwarzer Fliege auf das Podest im Tec-Tower an der Bismarckstraße und beginnt, unbekümmert zu reden, wild zu gestikulieren und zu scherzen. Einige aus dem Publikum lachen herzhaft mit, andere blicken ihn fragend an und scheinen überhaupt nicht zu wissen, wovon der 18-jährige Essener spricht – denn Mangazeev hält seine Rede auf Hochchinesisch.

Es ist der neunte Chinese-Bridge-Wettbewerb, organisiert vom Konfuzius-Institut Metropole Ruhr in Zusammenarbeit mit der chinesischen Botschaft. Antreten darf jeder, der kein chinesischer Staatsbürger oder Muttersprachler ist. In dem Neudorfer Lehr-Institut beschäftigen sich normalerweise Schüler, Studenten und China-Interessierte mit Politik, Wirtschaft und der Sprache aus dem Reich der Mitte. Vergangenen Samstag fand jedoch das Finale für 18 Schüler aus ganz Deutschland statt.

Die Teilnehmer präsentierten dabei ihre Chinesisch-Kenntnisse vor Jury und Zuschauern, müssen ihr Wissen über chinesische Grammatik und Geschichte beweisen und mit einer künstlerischen Darbietung überzeugen.

Einer der 18 Kandidaten ist Eugen. Am Anfang erzählt der Gymnasiast über seine Reise nach China und missglückte Kochversuche seines Freundes – auf Chinesisch. Das Publikum, von dem eine Mehrheit der chinesischen Sprache mächtig ist, lacht laut, als Eugen davon erzählt, wie sein Kumpel Niklas kulinarisch wenig ausgeklügelt mehrere Packungen Instant-Nudeln komplett in den Wasserkocher wirft. Auch die Jury, die aus Vertretern der Botschaft und Chinesisch-Lehrern besteht, schmunzelt.

„Die Betonung der Wörter ist sehr wichtig bei der Aussprache“, sagt Eugen Mangazeev. Seit drei Jahren lernt er die Sprache und beherrscht bereits 600 bis 700 Zeichen in Wort und Schrift. „Das ist allerdings noch nicht so viel“, gibt sich der junge Mann aus Essen bescheiden.

Für seinen kulturellen Beitrag hat er entschieden, ein bekanntes chinesisches Liebeslied namens „Tonghua“ mit der Gitarre vorzuspielen. „Extra für diesen Wettbewerb habe ich das Lied sechs Wochen lang einstudiert.“ Es folgen stille Minuten, in denen nur der melodische Klang durch das Tec-Atrium hallt, er lässt durch wenige Saitenberührungen erahnen, dass es ein schmerzliches Lied über Liebe sein muss. Einige Besucherinnen zücken ihr Handy, um den Auftritt in Erinnerung zu halten. Nach dem Song gibt’s donnernden Applaus – und Eugen verabschiedet sich mit „zai jian“: auf Wiedersehen.

 
 

EURE FAVORITEN