Duisburg

Chefärztin der Meidericher Herzklinik bleibt vor Rufmord-Prozess gelassen

Oliver Schmeer
Prof. Dr. Sabine Däbritz (li) steht ab Mai vor Gericht. Im Oktober 2010 hatte sie  Prof. Arno Krian als  Chefärztin Herzchirurgie abgelöst. Foto: Andreas Mangen / WAZ
Prof. Dr. Sabine Däbritz (li) steht ab Mai vor Gericht. Im Oktober 2010 hatte sie Prof. Arno Krian als Chefärztin Herzchirurgie abgelöst. Foto: Andreas Mangen / WAZ
Foto: A.Mangen / waz
Als Chefärztin der Meidericher Herzklinik genießt Sabine Däbritz einen guten Ruf. Ab dem 18. Mai steht sie in Münster wegen Rufmordes vor Gericht. Sie soll ihren alten Chef verleumdet haben, um seinen Job zu bekommen. Den Prozess sieht sie gelassen.

Duisburg. Praktisch täglich steht Professor Sabine Däbritz als Chefärztin der Meidericher Herzklinik am Operationstisch. Ab dem 18. Mai wird sie für elf anberaumte Verhandlungstage nicht zum Skalpell greifen können. Dann steht die renommierte Herzchirurgin in Münster vor Gericht.

Eine beispiellose Rufmordkampagne wird ihr und ihrem Lebenspartner vorgeworfen. Zur Sache, das verwundert nicht, will sich die 50-jährige Chefärztin im Vorfeld des Verfahrens vor dem Münsteraner Landgericht nicht äußern. Gleichwohl gehen sie und auch Otto Eggeling, der Geschäftsführer der Kliniken Niederrhein, zu der das Herzzentrum gehört, offen mit dem Prozessbeginn um. „Ich bin ganz gelassen. Es ist gut, dass das jetzt alles auf den Tisch kommt“, sagt die Ärztin und ergänzt: „Meine Arbeit besteht nicht aus Prozessen, sondern darin, gute Herzchirurgie zu machen.“

Meidericher Herzklinik wusste um die Vorwürfe

Im Wissen um die Vorwürfe einer Rufmordkampagne gegen den damaligen Chefarzt der Herz-Thorax-Chirurgie der Uniklinik Münster und des erwarteten Strafverfahrens hatte die Herzklinik Sabine Dräbitz im Oktober 2008 aus 20 Bewerbern als neue Chefärztin und Nachfolgerin von Professor Arno Krian ans Meidericher Haus geholt. Als ausgezeichnet und unstrittig galt Däbritz medizinischer Ruf, die nach ihrem Lebenslauf 1983 jüngste Ärztin Deutschlands wurde, mit 30 jüngste Oberärztin der Herzchirurgie und nun die einzige Chefärztin einer Herzklinik in Deutschland ist. „Sie macht hier hervorragende Arbeit. Wir sind sehr zufrieden“, unterstreicht Eggeling.

„Ein finnisches Kind wird so erzogen, dass es nur das tut, für das es auch gerade stehen kann“, antwortet die in Helsinki geborene Chefärztin auf die Frage zum nun beginnenden Verfahren. Mehr sagt sie nicht und gibt sich zugleich aber zuversichtlich, schadlos den Prozess zu beenden.

Verleumdung und Weitergabe von Patientenakten

Was man der Chefärztin vorwirft, liest sich freilich anders, zeichnet ein ganz anderes Bild der Ärztin und sorgte im Sommer 2008 für Schlagzeilen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Münster reichen von Verleumdung über falsche Verdächtigungen, versuchte Nötigung bis zum Verstoß gegen den Datenschutz. Oder abgründiger formuliert: Däbritz soll mit anonymen Schreiben, der Weitergabe von Patientenakten und „Anschwärzungen“ an Justizbehörden, Journalisten, Ärzte und Patienten der Uniklinik Münster den Chefarzt verleumdet und diskreditiert haben, um an seinen Job zu kommen. Exzellente Herzchirurgin mit Herz oder rücksichtslose Karrierefrau? Mutmaßungen gab es zuhauf.

Nach ersten Skandalmeldungen stellte sich bei den Ermittlungen heraus, dass Däbritz Lebensgefährte die Schreiben in Umlauf gebracht hatte. Er gestand dann, die anonymen Anschuldigungen, bei denen es um tödliche Arztfehler in der Uni-Klinik gegangen war, verfasst und verschickt zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung fand man Patientenakten. Dass die Ärztin von den Schreiben des Partners nichts gewusst haben will, nahm ihr die Staatsanwaltschaft nicht ab. Zehn von 13 Anklagepunkte gegen sie und elf gegen ihn stehen nun bis zum 14. Juli beim Landgericht zur Verhandlung. Eine zivilrechtliche Schadensersatzklage der Klinik wurde in erster Instanz abgelehnt.

„Hier kümmert sich niemand um die Sache“, sieht die Chefärztin einen normalen klinischen Alltag im Herzzentrum. Auch von Patienten werde sie nicht angesprochen. Klinik-Chef Eggeling beklagt unterdessen, dass sich die „Hängepartie“ so lange hingezogen habe. „Wir vertrauen jetzt der Arbeit des Gerichtes und hoffen, dass das Verfahren einen guten Ausgang nehmen wird.“